Mo, 08:16 Uhr
06.07.2009
Ernüchterung mit alten Zahlen
Im Kreistag von Nordhausen wird es wohl auch in den kommenden fünf Jahren einen Ausschuss für Bau, Verkehr und Wirtschaft geben. In den zurückliegenden Jahren hatten sich dessen Mitglieder nicht nur mit dem Gipsabbau beschäftigt...
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit war die Beschäftigung mit dem Tourismus. Dabei kann diesem Wirtschaftszweig kein positives Zeugnis ausgestellt werden. Obwohl sich die Ausschussmitglieder mit Uralt-Zahlen aus dem Jahr 2007 zufrieden geben mussten, sieht die Tendenz der Monate danach für den Südharz nicht wesentlich besser aus. Im Gegenteil.
Der Landkreis Nordhausen gehört den fünf Revieren in Thüringen mit den niedrigsten Übernachtungszahlen. So soll es 2007 exakt 187.603 Übernachtungen gegeben haben. Der Thüringer Schnitt liegt doppelt so hoch, im Landkreis Gotha wurde das Vierfache an Übernachtungen verzeichnet.
Wie sich aber auch die Mitglieder des Ausschusses zum Teil haben aufs Glatteis führen lassen, belegt die Tatsache, dass bei den Zahlen, die das Landesamt für Statistik liefert, nur Beherbergungsunternehmen ab zehn Betten verzeichnet sind. Und so hatte die Wirtschaftsförderung des Landkreises Nordhausen einfach mal einen Aufschlag von 30 Prozent draufgeschlagen, um auch die Kleinen unter zu bringen. Deshalb auch bleibt die nnz bei den 2007er Zahlen.
Da sieht es für den Südharz bitter böse aus. Gab es in Ilfeld und Neustadt im Jahr 2007 noch 56.318 Übernachtungen, so wurden ein Jahr später (hier liegt eine Zahl vor) 46.586 Übernachtungen ausgewiesen. In Sülzhayn, das unterstellen wir einfach mal) wird das nicht wesentlich anders aussehen.
Daraus leiten sich weitere Zahlen ab, die sich jenseits unternehmerischer Vernunft ansiedeln. Im ersten Halbjahr 2008, also vor einem Jahr, gab es eine Bettenauslastung von 23 Prozent. Dreiviertel der Betten im Südharz waren leer. Das wiederum war verbunden mit der Schließung von fünf Hotels und Pensionen im Südharz, wobei auch diese Angaben nicht mehr taufrisch zu scheinen seien.
In Neustadt ist mittlerweile der Neustädter Hof wieder eröffnet worden. Auf die Frage, wie oft das schon der Fall gewesen sei, weiß niemand so recht eine Antwort. Auch nicht der Ausschuss für Bau, Verkehr und Wirtschaft des Kreistages.
Der konstatiert einfach, dass der Landkreis Nordhausen noch nicht als Tourismusregion zu betrachten ist. Auch sei der überwiegende Anteil der im Landkreis Nordhausen angefallenen Übernachtungen auf Dienstreisen und Familienfeiern zurückzuführen. Und so sollte der Tourismusverband seine Schwerpunkte künftiger Arbeit auf Neustadt, Sülzhayn, Hainrode und Nordhausen legen. Ilfeld ist hier schon abgehakt worden.
Um künftig mehr Touristen in den Landkreis Nordhausen zu locken, sollten Pakete geschnürt werden, die Urlaub im Harz mit Theater, Harzquerbahn, Erlebnisbad und Bergwerksbesichtigungen verknüpfen. Allerdings: Das Theater hat in den Sommermonaten Betriebsferien. Es gibt ein Schaubergwerk, das Erlebnisbad in Nordhausen ist nicht auf Spaß ausgelegt, es ist – und das war so gewollt – ein Badehaus. Bleibt also die HSB. Sie ist – und das ist an dieser Stelle mehrfach betont worden – das einzige Alleinstellungsmerkmal dieser Region.
Alles andere gibt es an anderen Ecken und Kanten des Harzes auch und besser ausgebaut sowie besser erschlossen. Und nur mit dem Wald und dem Südharz zu werben, das ist auf Dauer verschleudertes Geld. So hätte zu den Schlussfolgerungen des Kreistagsausschusses eben auch gehört, dass der Landkreis Nordhausen keine Tourismusregion werden kann und auch nicht werden wird. Ein Recht, daraus einen verstärkten Rohstoffabbau abzuleiten, besteht jedoch auch nicht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEin weiterer Schwerpunkt der Arbeit war die Beschäftigung mit dem Tourismus. Dabei kann diesem Wirtschaftszweig kein positives Zeugnis ausgestellt werden. Obwohl sich die Ausschussmitglieder mit Uralt-Zahlen aus dem Jahr 2007 zufrieden geben mussten, sieht die Tendenz der Monate danach für den Südharz nicht wesentlich besser aus. Im Gegenteil.
Der Landkreis Nordhausen gehört den fünf Revieren in Thüringen mit den niedrigsten Übernachtungszahlen. So soll es 2007 exakt 187.603 Übernachtungen gegeben haben. Der Thüringer Schnitt liegt doppelt so hoch, im Landkreis Gotha wurde das Vierfache an Übernachtungen verzeichnet.
Wie sich aber auch die Mitglieder des Ausschusses zum Teil haben aufs Glatteis führen lassen, belegt die Tatsache, dass bei den Zahlen, die das Landesamt für Statistik liefert, nur Beherbergungsunternehmen ab zehn Betten verzeichnet sind. Und so hatte die Wirtschaftsförderung des Landkreises Nordhausen einfach mal einen Aufschlag von 30 Prozent draufgeschlagen, um auch die Kleinen unter zu bringen. Deshalb auch bleibt die nnz bei den 2007er Zahlen.
Da sieht es für den Südharz bitter böse aus. Gab es in Ilfeld und Neustadt im Jahr 2007 noch 56.318 Übernachtungen, so wurden ein Jahr später (hier liegt eine Zahl vor) 46.586 Übernachtungen ausgewiesen. In Sülzhayn, das unterstellen wir einfach mal) wird das nicht wesentlich anders aussehen.
Daraus leiten sich weitere Zahlen ab, die sich jenseits unternehmerischer Vernunft ansiedeln. Im ersten Halbjahr 2008, also vor einem Jahr, gab es eine Bettenauslastung von 23 Prozent. Dreiviertel der Betten im Südharz waren leer. Das wiederum war verbunden mit der Schließung von fünf Hotels und Pensionen im Südharz, wobei auch diese Angaben nicht mehr taufrisch zu scheinen seien.
In Neustadt ist mittlerweile der Neustädter Hof wieder eröffnet worden. Auf die Frage, wie oft das schon der Fall gewesen sei, weiß niemand so recht eine Antwort. Auch nicht der Ausschuss für Bau, Verkehr und Wirtschaft des Kreistages.
Der konstatiert einfach, dass der Landkreis Nordhausen noch nicht als Tourismusregion zu betrachten ist. Auch sei der überwiegende Anteil der im Landkreis Nordhausen angefallenen Übernachtungen auf Dienstreisen und Familienfeiern zurückzuführen. Und so sollte der Tourismusverband seine Schwerpunkte künftiger Arbeit auf Neustadt, Sülzhayn, Hainrode und Nordhausen legen. Ilfeld ist hier schon abgehakt worden.
Um künftig mehr Touristen in den Landkreis Nordhausen zu locken, sollten Pakete geschnürt werden, die Urlaub im Harz mit Theater, Harzquerbahn, Erlebnisbad und Bergwerksbesichtigungen verknüpfen. Allerdings: Das Theater hat in den Sommermonaten Betriebsferien. Es gibt ein Schaubergwerk, das Erlebnisbad in Nordhausen ist nicht auf Spaß ausgelegt, es ist – und das war so gewollt – ein Badehaus. Bleibt also die HSB. Sie ist – und das ist an dieser Stelle mehrfach betont worden – das einzige Alleinstellungsmerkmal dieser Region.
Alles andere gibt es an anderen Ecken und Kanten des Harzes auch und besser ausgebaut sowie besser erschlossen. Und nur mit dem Wald und dem Südharz zu werben, das ist auf Dauer verschleudertes Geld. So hätte zu den Schlussfolgerungen des Kreistagsausschusses eben auch gehört, dass der Landkreis Nordhausen keine Tourismusregion werden kann und auch nicht werden wird. Ein Recht, daraus einen verstärkten Rohstoffabbau abzuleiten, besteht jedoch auch nicht.
Peter-Stefan Greiner


