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Mo, 08:12 Uhr
13.07.2026
Meine Meinung

Wo sind die Wanderschutzhütten im Landkreis?

Urlaubszeit ist Wanderzeit. Was aber, wenn es plötzlich stark regnet oder stürmt? Wo können die Wanderer im Thüringer Südharz Schutz finden? – In den beliebten Finnhütten jedenfalls nicht mehr: Viele von ihnen wurden im Landkreis Nordhausen abgebaut, bedauert nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg...


Sollte es aber nach 1989 mit der Infrastruktur nicht bergauf gehen? In den Wäldern ist das, von Ausnahmen abgesehen, oft nicht passiert: Wege werden teilweise nicht mehr offengehalten, die Markierungen sind mitunter lückenhaft, und dann ist da noch die Hüttenproblematik: Zu DDR-Zeiten wusste ich ganz genau, wo ich geschützt pausieren konnte im Thüringer Südharz. Ich hatte alle wesentlichen Schutzhütten im Kopf. Aber kaum eine von denen gibt es noch im Landkreis:

Nicht die Hütte zwischen Rüdigsdorf und Neustadt oberhalb des Marktals, auch nicht die beiden Hütten am Weg zwischen Netzkater und dem Poppenberg und auch nicht die Hütte im Brandesbachtal zwischen Netzkater und dem Hufhaus. Eine weitere Hütte stand am Schwarzen Weg zwischen Himmelgarten und Steigerthal, sie wurde in den letzten Jahren gegen eine zugige nach einer Längsseite vollkommen offene Sitzwand ersetzt. Auch am Stein 100 im Alten Stolberg stand eine Hütte, die meine Wanderfreunde und ich während des Hunderters von Nordhausen nach Halle einst ab und an für eine kurze Pause nutzten.

Bild:
Symbol des Niedergangs der Wanderinfrastruktur: Mal sehen, wie schnell diese zwischen Sollstedt und Obergebra gelegene Ruine nach diesem Artikel "aus Sicherheitsgründen" abgerissen wird. Oder wird sie unter Denkmalschutz gestellt? (Foto: Bodo Schwarzberg)

Ein Sinnbild für den Verfall der Hüttenkultur steht noch zwischen Obergebra und Sollstedt am Südhang der Bleicheröde Berge (Foto). Diese jedoch ist so verfallen, dass sie als Schutzhütte eigentlich nicht mehr nutzbar ist.

Wanderschutzhütten waren in den DDR-Wanderkarten meist als wichtige Hinweiszeichen abgedruckt. Die Wanderer wussten, dass man dort bei jedem Wetter pausieren, sich umziehen oder einfach nur ausruhen konnte. Sie hatten eine Sicherungs- und im wahrsten Wortsinne Schutzfunktion.

Die meisten der oben genannten, einstigen Schutzhütten aber wurden im Landkreis durch zugige, allseits offene und lediglich mit einem spitzen Dach versehene Sitzbänke ersetzt, auf denen sich der Wanderer nicht einmal mehr anlehnen kann.

Bild:
Am 16. März 2018 konnte man sich in der Wanderschutzhütte auf dem Poppenberg noch vor kaltem Winterwetter schützen,.... (Foto: Bodo Schwarzberg)

Möchten der Landkreis, Forstämter und beispielsweise auch der Naturpark den recht niedrigen Übernachtungszahlen auf diese Weise etwas Positives entgegensetzen? So jedenfalls dürfte ein Sprung aus dem unteren Mittelfeld nach oben eher nicht gelingen.

Fragt man KI, warum es im Landkreis Nordhausen weniger feste Wanderschutzhütten als während der DDR-Zeit gibt, so sind die Auskünfte ein Spiegelbild des Versagens und der Kapitulation: Sie wurden demnach wegen Vandalismus‘, Vermüllung, fehlenden Mitteln und Kontrollen, aus Sicherheitsgründen und, man lese und staune, auch aus Gründen eines Konzeptwechsels abgebaut: Landkreis und Tourismusverbände hätten demnach „pflegeleichtere Konzepte“ mit „offenen Sitzgruppen“ favorisiert. Manchmal wünschte ich schon, dass KI weniger oft die Wahrheit sagt.

Dies aber ist mal wieder ein Armutszeugnis: Denn bereits der Nachbarlandkreis Harz macht es anders. Mir fallen sofort zwei intakte, historische Wanderschutzhütten kurz hinter der Kreisgrenze zu Nordhausen ein: eine an der Dammbachswiese bei Rothesütte und eine in der Nähe des Haltepunkts Birkenmoor. Beide Hütten sind in Top-Zustand. Aber auch in anderen Landkreisen kümmert man sich mehr um die Bedürfnisse der Wanderer. Beispielsweise ist bei Eisenach Online am 15.Juli 2025 vom Neubau der stabilen Schutzhütte „Ruhlaer Häuschen“ durch das Forstamt Marksuhl zu lesen.

Bild:
...am 25.06.2023 wäre das in Ermangelung einer Schutzhütte kaum noch möglich gewesen. Glücklicherweise war an diesem Tage ruhiges Wetter. (Foto: B. Schwarzberg)

Oder wandern Sie mal durch die Wälder des Thüringer Vogtlandes im Landkreis Greiz: Dort gibt es geradezu eine Flut von stabilen Blockwanderhütten unterschiedlichster Bauart, die wahrscheinlich auch teuer waren. Geben Sie mal in eine Suchmaschine „Wanderschutzhütten Landkreis Greiz“ ein, dann offenbart sich Ihnen diese unglaubliche Vielfalt.

Nicht vergessen werden sollte natürlich, dass wir im Landkreis Nordhausen glücklicherweise einige Menschen haben, die sich hingebungsvoll um die wenigen verbliebenen „echten“ Wanderschutzhütten bemühen. Die Schutzhütten am Roten Schuss bei Ellrich und bei Appenrode in Richtung Steinmühlental sind etwas ganz Besonderes und laden zum Verweilen ein. Sie zeugen auch von viel Liebe zum Detail, vor allem aber von Eigeninitiative gegen einen traurigen Abwärtsrend.

Den sanften Tourismus zu fördern aber, dem sollten sich die Verantwortlichen, von Naturpark, über Forst- bis hin zum Landratsamt bitte nicht so entziehen, wie es nach außen mitunter in Erscheinung tritt.

Der 17 Millionen Euro teure Hexenbesen bei Rothesütte oder auch der ich glaube 200.000 Euro teure Aussichtsturm des Landschaftspflegeverbandes Südharz-Kyffhäuser bei Rüdigsdorf sind aber leider solche Erscheinungen: Während die Wanderinfrastruktur abgesehen von Ausnahmen vernachlässigt wird und nicht einmal genügend Geld für die Erhaltung mancher Wege und von vor Wetterunbilden schützende Holzhütten vorhanden ist, werden Millionen in nur punktuell wirksame Vorzeigeobjekte gesteckt.

Bitte fragen Sie doch in den genannten Landkreisen nach, wie die es so erfolgreich hinbekommen und bauen Sie die alten Hütten wieder auf. Vielleicht wirft ja der Hexenbesen ein wenig Geld dafür ab.

Das wegen Vandalismus oder fehlendem Kontrollpersonal nicht zu tun, ist eine traurige Ausrede, denn diese Probleme gibt es nicht nur im Landkreis Nordhausen. Ein Nebeneinander der alten Finnhütten und der neuen offenen Sitzgelegenheiten wäre doch ideal?

Ich selbst mag mich einfach nicht mehr schämen wollen, wenn ich mit Wanderfreunden aus vielen Teilen Deutschlands durch unsere Region wandere und sie zum Beispiel erinnern muss: „Wisst ihr noch, hier haben wir mal bei scheußlichem Wetter im Trockenen gesessen und eine tolle Pause gemacht.“
Bodo Schwarzberg
Autor: psg

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Kommentare
Leser X
13.07.2026, 09:18 Uhr
Ein Herz für Gigantismus
Da stampft man lieber für viel Geld Mega(geil)-Projekte aus dem Südharzer Himmel (allen voran den Hexenbesen) und lässt die vielen kleinen, aber nützlichen Dinge planmäßig verrotten. Was für ein toller Zeitgeist...
Marino50
13.07.2026, 10:20 Uhr
Wanderschutzhütten?
Ja, warum sind sie wohl weg oder nicht mehr zu nutzen.?
Die Frage kann man sich selbst beantworten. Stempelstellen werden abgefackelt, anderes wird beschmiert oder absichtlich aus Frust, Übermut oder langer Weile zerstört. Ein anderer braucht Holz zu Hause......usw
Irgendwann würde ich auch erst einmal aufgeben. Von den knappen Mitteln dafür rede ich gar nicht. Ehrenamtliche opfern ihre Freizeit und dann wird alles Tage später zerstört.
Checker
13.07.2026, 11:16 Uhr
Wanderhütten…
Kein Geld mehr dafür da. Ist alles im Hexenbesen verbrannt worden.
mabe39
13.07.2026, 12:24 Uhr
Wunschdenken
Was erwartet Herr Schwarzberg von Landkreis bzw vom Forstamt.Diese sitzen in ihren Büros und brauchen keine Schutzhütten.Beim Forst gibt es schon lange keine Waldarbeiter mehr.Die Wege werden von Havester und 40Tonner Lkw's kaputt gefahren,Totholz und Äste bleiben liegen.Es wird nur Stammholz raus geholt und der Waldboden verdichtet .
Warum sollte man sich das antun um diese runter gekommen Wälder anzusehen.Nicht nur Wildtiere können sich die Knochen bei der Flucht brechen sondern auch Feuerwehrleute die zum Waldbrand geschickt werden.
Wäre ich noch bei bei der Wehr,würde ich jeden Einsatz im Wald verweigern.
Um Leben und Eigentum zu retten und Schaden zu vermeiden wäre ich selbstveständlich bereit
Die Verantwortlichen sitzen vorm Fernseher,gucken sich dies an und setzen auf natürluche Verjüngung.
Wozu brauchen wir Schutzhütten?
Diese verbrennen dann auch.
Da lieber einen Hexenbesen aus Stahl der steht noch nach einen Brand und man hatt einen besseren Überblick über den Brandschaden
Warum können nicht Arbeitslose wie in den Neunziger (ABM KRÄFTE ) zu solchen Tätigkeiten heran gezogen
meckermax
13.07.2026, 12:40 Uhr
Danke für die Ausnahmen
Dem Beiitrag ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Aber es gibt auch im Südharz einige wenige Ausnahmen, in meist gutem bis hervorragendem Zustand, die aber offensichtlich der Initiative von Vereinen, Jägern oder einfach interessierten tatkräftigen Bürgen zu verdanken sind!
Sgt.Floyd
13.07.2026, 14:51 Uhr
Wanderschutzhütten
Leser X hat Recht.Großprojekte wie der Hexenbesen helfen nur Komunalpolitiker damit sich diese so richtig in Szene setzen und sich weiter auf der politischen Leiter nach oben katapultieren können.
Leider wird oft beobachtet das Jugendliche und Heranwachsende mit Moped oder E-Scooter rücksichtslos und mit überhöhter Geschwindigkeit Waldwege befahren die nur Anlieger,landwirtschaftliche Fahrzeuge und Forstfahrzeuge befahren dürfen.An der Wanderschutzhütte angekommen wird erst mal laut Gas gegeben und auf dem Hinterrad zum imponieren und zum Beweis das der Mensch doch vom Affen abstammt Künststücke vorgeführt.
Spricht man solche zukünftigen Steuerzahler und Beitragszahler an sie mögen sich wie zivilisierte Menschen verhalten wird man zum Assi befördert.
Armes Deutschland !!!
Wutz
13.07.2026, 15:37 Uhr
Ellrich hat kein Geld
Aber dennoch für den Hexenbesen. Schon seltsam diese Gegensätze.
Hayden 69
13.07.2026, 15:53 Uhr
Wanderhütten
... es gäbe bestimmt genug Wanderhütten wenn es nicht so viele Idioten gebe die alles zerstören müssen und keine Achtung haben wenn etwas aufgebaut wird, wenn solche Taugenichtse mit ihrer eigenen Hände Arbeit etwas schaffen müssten würden die eventuell anders denken
Paulinchen
13.07.2026, 16:47 Uhr
Den Hexenbesen möchte ich...
....hier nicht verteufeln, denn immerhin ist er trotzaller Kritik, ein Anfang, dass sich im Südharz etwas bewegt hat. Jener, der da von sich behauptet, er habe in seiner Jugend keinen Blödsinn gemacht, der sagt nicht die Wahrheit. Auch ich war kein Kind von Traurigkeit.
Aber auf die Idee zu kommen, Schutzhüttenund Stempelmöglichkeiten abzufackeln, ist uns nicht im Traum eingefallen.
Ist es heute tatsächlich nachweisbar, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt?
Fehlt der heutigen Jugend tatsächlich jeglicher Respekt vor fremden oder gesellschaftlichen Eigentum? Dürfen die Kinder auch daheim sich so benehmen, wie sie sich in der Öffentlichkeit zeigen? Das wirft durchaus Fragen zum Elternhaus derer auf, welche hier erwischt worden sind.
Irgendwie schon schade, dass es keine Konsequenzen für die Eltern gibt. Zumindest wäre Schadensersatz eine gute Option, dass Mama und Papa mal mehr Zeit für die Kinder opfern. Denn heißt es nicht, aus Schaden wird man klug?
Nicht übel - wenn so manches Elternhaus noch etwas dazu lernt......
Leser X
13.07.2026, 18:48 Uhr
Hayden69
Sie haben Recht. Nun wäre es aber interessant zu erfahren, warum es heute offenbar so viel mehr "Idioten" zu geben scheint, als zum Beispiel zu Zeiten der DDR, als das Gemeingut auch als solches behandelt wurde.

Also, ich persönlich hätte da schon meine Theorie. Aber ich möchte nicht schon wieder auf unserem Bildungswesen rumhacken...
Marino50
13.07.2026, 19:52 Uhr
Wutz - Ellrichs Hütten sind in Ordnung
Beim richtigen Lesen des Artikels bzw. Absatzes über die Schutzhütte bei Ellrich und Appenrode hätten auch Sie feststellen können, dass diese sehr gut erhalten sind und werden.
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