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Mi, 16:21 Uhr
15.07.2026
VR Bank schließt weitere SB Filiale

Von Grün bis dunkelrot

Vor gut zwei Jahren beschloss man bei der Nordthüringer Volksbank künftig gemeinsame Sache mit den Kollegen aus Westthüringen zu machen. Die neu entstandene „VR Bank in Thüringen“ kann auf solide Zahlen verweisen, kommt aber auch nicht umhin, in der Fläche reinen Tisch zu machen…

Bild:
v.l. Kathrin Stürmer und Marco Schmidt sehen die VR Bank gut gerüstet für die Zukunft (Foto: agl)

Anfang dieses Jahres wurde aus Gerücht Tatsache: im März verabschiedete sich die VR Bank von ihrer Filiale in Niedersachswerfen. Ende September wird der nächste Schritt folgen, auch in Wolkramshausen wird die Selbstbedienungs-Filiale geschlossen. Für die Bank ein notwendiger Schritt, sagt Marco Schmidt, einer der drei Vorstände des Geldhauses, bei der Zusammenführung habe man sehr genau auf die Strukturen und das Nutzerverhalten geschaut. „Es gibt Bereiche, die sind Grün und gesetzt. Das gilt vor allem für unsere Kompetenzzentren, in denen wir unsere Expertise und Leistungen bündeln, da gehört zum Beispiel Nordhausen dazu. Und es gib Bereiche, die sind Rot bis Dunkelrot. Alle zehn Kilometer eine Filiale mit Personal zu besetzen ist heute einfach nicht mehr möglich. Die Kundschaft geht immer weiter in Richtung Online-Banking, immer mehr Leute zahlen mit Karte oder Handy, Bargeld kann man auch Rewe, Edeka und Co. abheben und die Zahl der Transaktionen sinkt gerade im ländlichen Bereich signifikant und stetig“, sagt Schmidt.

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Die Entwicklung trifft auch Wolkramshausen, Ende September wird hier der Betrieb eingestellt. „Wir schließen natürlich nicht von heute auf morgen die Türen ab. Wie in Niedersachswerfen auch haben wir uns die Entwicklung eine ganze Weile lang angesehen und das Angebot angepasst. Aus Filialen mit Personal vor Ort wurden zunächst die SB-Filialen und so lange die noch kostenneutral betrieben werden können, bleiben sie auch. Selbst wenn wir in rote Bereiche hineinrutschen, lassen wir Filialen mitunter noch über Querfinanzierung laufen. Aber wir sind eine Genossenschaftsbank und müssen wirtschaftlich irgendwann Grenzen ziehen, die sind hier inzwischen erreicht sind“, erklärt Katrin Stürmer, die bei der VR Bank für Filialnetz und Personal verantwortlich ist.

Ein breiter Rückzug aus der Fläche, wie er sich bei den Großbanken abzeichnet oder schon im Gange ist, werde es aber nicht geben, vielmehr versucht man, die Angebotspalette zu zentralisieren. „Wir können eigentlich fast alles, außer Raumfahrt“, sagt Stürmer, wer Geld in der Schweiz anlegen, Gold und Silber erwerben will oder andere Bedarfe Abseits des Alltäglichen hat, finde bei der Bankenfamilie die passende Expertise, aber eben nicht überall. Man will zukünftig zweigleisig fahren, erläutern Schmidt und Stürmer, konzentrierte Fachkompetenz an zentralen Stellen wie der Filiale am Nordhäuser Taschenberg und die Alltagsberatung in kleineren Dependancen die sich über das inzwischen recht große Einzugsgebiet der VR-Bank verteilen.

Zwischen Nordhausen im Norden und Tambach-Dietharz im Süden, Mühlhausen und Bad Langensalza, Gotha und Sömmerda betreibt man aktuell 21 Filialen mit insgesamt 253 Mitarbeitern die etwa 111.500 Kunden betreuen. Die Entwicklung seit der Fusion in 2024 bleibt stabil, berichtet Schmidt, fast zwei Milliarden Euro stehen in der Bilanz, die Kundeneinlagen stiegen in 2025 auf rund 1,5 Milliarden Euro. Im Kreditgeschäft hat man konsolidiert und will sich stärker auf den regionalen Mittelstand fokussieren, so Schmidt weiter, im Zuge der Neuordnung gingen die Zahlen hier leicht zurück von 923 Millionen Euro in 2024 auf rund 878 Millionen in 2025.

Mit den Gewohnheiten der Kunden und mit der Zeit müsse man gehen, meint man bei der VR Bank, rein digitale Angebote wie in jüngster Zeit aus dem Boden sprießende „Neobanken“ müsse man skeptisch betrachten. Die klassische Beratung von Angesicht zu Angesicht werde für das eigene Haus ein Eckpfeiler bleiben, um dieses Versprechen halten zu können brauche es aber nicht nur Raum, sondern auch Personal. Für den nötigen Nachwuchs sorgt man am besten selbst, knapp 10 Prozent der Belegschaft befinden sich aktuell in Ausbildung. Zudem hat man in Kooperation mit der Hochschule Nordhausen einen dualen Studiengang ins Leben gerufen, in dem zur Zeit vier Nachwuchskräfte auf ihren Abschluss hinarbeiten.

Auch das ein gutes Zeichen für Nordhausen als Standort, weitere Veränderungen im Filialnetz seien für den Landkreis erst einmal nicht zu erwarten, versichert Schmidt. Das gilt auch die Filiale in Salza, die Zeichen hier stehen ebenfalls auf „Grün“.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Bubo bubo
15.07.2026, 17:04 Uhr
Bei allen Sparzwängen....
Macht ruhig die Läden zu und schließt die SB-Bereiche. Mit Verweis auf nordische Länder kann ja künftig eh das Bargeld abgeschafft werden. Blöd nur, dass auch nordische Länder mittlerweile zurück rudern.
Der Supergau folgt mit Beispielen wie aus der benachbarten Kreisstadt.
Kein einziger SB-Automat mehr im Stadtgebiet für Bankkunden der so genannten Cashgroup.
Das Ende rückt näher....
Miss X
15.07.2026, 22:49 Uhr
Traurig
An die älteren Menschen denkt keiner.Die meisten kennen sich online gar nicht aus und haben noch nicht mal ein Handy.Vor allem im ländlichen Raum ist es ein Problem.
Wenn Wolkramshausen auch noch zugemacht wird und in Salza auch kein Automat mehr ist ,müssen viele Kunden wohl mal ihre Bank wechseln,vielleicht bekommt man dort mehr Service.Die Volksbank hat sehr nachgelassen.
wonne
15.07.2026, 23:03 Uhr
Das Alter setzt natürliche Grenzen
Die Gesellschaft wird immer Älter. Wer heute noch ohne Hilfe mit dem ganzen online Kram klar kommt ist im Vorteil. Onlineanträge, Versicherungen, Patientenakte etc. Stellen sie sich vor, sie sind 75, 80 oder älter und können die Tasten am Laptop nicht mehr sehen oder finden und können auch Aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht in die Kreisstadt fahren um ihre Bankgeschäfte zu erledigen, dann können sie sich, ohne Hilfe, einschläfern lassen,
oder die netten Hilfsangebote von sogenannten Telefonseelsorgern in Anspruch nehmen, die ihre Rente abzweigen.
Eichschläfern lassen ist natürlich in Deutschland verboten, wäre aber eine Möglichkeit um die Rentnerzahlen zu senken ( wäre aber für die Politiker die ihre Daseinsberechtigung unter Beweiss stellen müssen eine Überlegung wert).
Wir haben nach über 30 Jahren der Volksbank den Rücken gekehrt, ich möchte mit einem Menschen meine Angelegenheiten klären, dazu hat ein Tag in der Woche gereicht, 5 Minuten Anfahrt,5 Minuten Gespräch Sache erledigt. Heute 30 Minuten bis NDH, Parkplatzsuche, ggf. noch Knöllchen, 30 Minuten zurück, nein Danke. Macht euch eure Taschen voll !
KeinKreisverkehr
16.07.2026, 08:42 Uhr
Bankverkäufer und Gerentokratie
Wer mit 80 oder 85 jetzt zu alt ist um mit online Banking zu starten der war bei der Einführung ebendessen noch 60 oder 65. Oder ist das auch schon das Alter in dem eine gewisse renitenz und Abwehr Gegenüber allem neue stattfinden?

2006 lag die Anzahl der Privatpersonen die eine Art von Onlinebanking nutzen schon bei 34%.

Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Natürlich kann man keinen zwingen Online-Banking zu nutzen. Aber man muss halt damit rechnen, dass es tendenziell anstrengender wird.

Der Hinweis auf Bargeldabhebung beim Einkauf ist doch berechtigt. Wozu brauche ich dann noch Geldautomaten? Wer nicht mehr in die Stadt fahren kann der hat sowieso Personen die einen Pflegen oder Angehörige die Bankgeschäfte, so selten sie dann auch sein mögen, tätigen können. Mit Vollmacht, diese sollte man ab einem gewissen Alter sowieso ausstellen, geht das alles.

Hier in den Kommentaren sieht man ganz gut die Sturheit mancher Leute die in jeglichen Bereichen auf ein "weiter so" pochen und damit auch jeden Tag die gesamte politische Landschaft beherrschen. Willkommen in der Gerentokratie.

Ich kann nur den Tipp geben seine älteren Angehörigen ab einem gewissen Alter sowieso nicht mehr alleine zum Bankverkäufer zu schicken. Von Spareinlagen über 15 Jahre für eine 80 Jährige bis aktive gemanagte Fonds mit 10% Kosten habe ich schon so einige Kracher lesen und hören dürfen.
diskobolos
16.07.2026, 09:07 Uhr
Ich verstehe die Probleme von älteren Menschen
Ihnen wäre es am liebsten, alles bliebe wie es immer war. Aber die Welt dreht sich ständig weiter. Auch die Banken müssen sich der sich änderden Situation anpassen. Heute werden die meisten Geldgeschäfte online verrichtet. Die direkte Bezahlung von Waren und Dienstleistungen erfolgt meist ohne Bargeld mit Karte. Das geht schneller und ist für den Empfänger einfacher.

Bankfilialen werden nur dort aufrechterhalten, wo sie Gewinn erwirtschaften. Eine Bank ist nun mal ein Wirtschaftsunternehmen und keine soziale Einrichtung . . .
RWE
16.07.2026, 14:11 Uhr
Genau keinKreisverkehr
Wer nicht mit der Zeit geht geht mit er Zeit. Es wird bald überhaupt fastkeine Filialbanken mehr geben. N26, Revolut, Trade Republic-geht alles kostenlos vom Handy aus. Wer mit meinem Geld arbeiten will darf dafür nicht noch Gebühren verlangen.
Mit der Karte kann man bei jedem Bäcker bezahlen und in vielen Supermärkten kann man -Bargeld abheben. Für Ausnahmefälle wie Vermögensverwaltung und Kredite ist eine Fahrt in eine Filialbank zumutbar, wenn man das nicht online machen will. Man kauft ja nicht jede Woche ein Haus oder legt 10000 Euro an. Ich habe seit Jahren keine Filalbank mehr von innen gesehn. Es besteht schlicht kein Bedarf dafür. Ich glaube für Senioren auf dem Land ist es eher ein Problem das Geld in Lebensmittelgeschäften als es zu holen.
Lautaro
16.07.2026, 14:30 Uhr
Gut erklärt Herr Diskuswerfer !
Aber ich werde Geldgeschenke und andere Einkommen natürlich nicht dem Geldsystem der Banken und anderen anvertrauen ! Ich habe sogar noch 500€ Scheine aus 2009 in meinem Portfolio.
P.Burkhardt
16.07.2026, 19:49 Uhr
Bankfilialen...
Vorab: 500 EUR aus 2009 sind heute noch knapp 350 EUR wert... also wer sich 2009 500 EUR unters Kopfkissen gelegt hat, kann dafür heute Sachen kaufen, die 2009 nur 350 Euro gekostet hätten. Von daher ist das Sparen und Geldanlegen bei einer Bank (am Besten zu einem Zins > durchschnittlicher Inflationsrate) immer besser als eben das Kopfkissen...

Der DAX hat sich 2009 vervierfacht (vom Tief im März 2009 sogar versiebenfacht)... einen Dax-ETF kaufen und 17 Jahre liegenlassen hätten aus den 500 EUR also 2000 gemacht (abzgl. Steuer und Gebühren etwa 1.400)

Ungeachtet dessen, sollte jeder einen Handbestand an Bargeld zuhause haben... nicht jeder Lieferdienst bietet Paypal oder Kartenzahlung 😉

Das Filialsterben bei den Banken ist dem geänderten Nutzungsverhaltwn geschuldet. Weniger Menschen brauchen Beratung und Bargeldversorgung vor Ort, also wozu soll eine Bank teure Mitarbeiter und wartungsintensive Technik vorhalten... es ist ärgerlich für die, die nicht mit der Zeit gehen können oder wollen... aber auch eine Bank muss wirtschaftlich arbeiten... egal, welche.
RWE
17.07.2026, 10:33 Uhr
German Angst
was gab für Diskussionen über bleifreien Sprit, E10 (während anderswo bereits E20 in Angebot war)... Oder die panische Angst vor Google Street View, als man am liebsten mit Mistgabeln die Kameraauto hinterhergerannt wäre. Heute schaut man sich am Handy die Umgebung der ebenfalls am Handy gebuchten Ferienwohnung an...
Wenn es nach diesem Menschentyp ginge, würden wir heute noch unsere Häuser mit Walöllampen beleuchten statt elektrisch...
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