Erika Schirmer, die Schöpferin des wohl bekanntesten Kinderliedes der DDR, feiert heute in Ilfeld ihren 100. Geburtstag. Der Reigen der Gratulanten war riesig, darunter auch ehemalige Schülerinnen, die ein Ständchen sangen. Eindrücke von Sabine Schröder...
Die ehemaligen Schülerinnen Martina, Gabi, Sabine, Carola und Viola (von links) mit der Jubilarin in der Mitte (Foto: privat)
Unsere Frau Schirmer – was war das für eine Lehrerin. Und heute wurde sie 100 Jahre und ihr Lächeln bei unserem Besuch ist noch genau so liebevoll wie damals. Zu unserer großen Freude sang sie mit uns ihre Kleine weiße Friedenstaube – und während wir die zweite Strophe peinlicherweise verwechselten, sang sie sicher und gab noch allen anwesenden Gratulanten mit, dass das die wichtigste Strophe sei. Wie wahr.
Wir waren ihr letzter Jahrgang an der Salzaer Grundschule – eingeschult 1966. Und bei jedem Klassentreffen sind wir uns alle einig: Sie hat uns geprägt wie kein anderer Lehrer. Es war ein großes Glück, dass wir unsere Frau Schirmer hatten. Was haben wir da noch gelernt in der Grundschule.
Unsere Handschriften sind wie gestochen, es klappt mit der Rechtschreibung und Grammatik, rechnen und gärtnern können wir auch und lesen ohne zu holpern. Und wir waren damals – in der Baracke in Salza – über 40 Kinder. Sie hatte uns im Griff; liebevoll und fordernd zugleich. Für uns galt: Was Frau Schirmer sagt, das stimmt. Und so sahen das auch alle unsere Eltern.
Die 100jährige bekam eine Geburtstagstorte von der Bäckerei König überreicht (Foto: privat)
Ich erinnere mich gerne an die vielen außerschulischen Vorhaben, die uns so viel Spaß gemacht haben und zusammenschweißten; die Eltern vom damaligen Elternaktiv immer gerne mit im Einsatz. Und was haben wir unter ihrer Anleitung für Programme auf die Beine gestellt, zum Beispiel für unsere Patenbrigade.
Eine ganz persönliche Geburtstagstorte (Foto: privat)
Dass es so etwas überhaupt gab damals, auch das gehört zu den wertvollen Erinnerungen. Und natürlich gab es kein Programm, kein Weihnachten, kein Schuljahr, für das nicht unsere Frau Schirmer ein neues Lied geschrieben und mit uns einstudiert hätte. Diese wunderbare, lernreiche Grundschulzeit, in der die wirklich wichtigen Fächer mit vielen Stunden im Plan waren und auch stattfanden, hat unsere Leben geprägt. So eine wunderbare Grundschullehrerin wünschte ich heute meinen Enkelkindern…
Danke, liebe Frau Schirmer. Sabine Schröder, im Namen der ehemaligen Schülerinnen
Per YouTube:
Den Link darf ich hier nicht posten, darum gebt bei YouTube den Suchbegriff "kleine weiße Friedenstaube steimle" ein.
Viel Spaß bei dem Geburtstagsständchen. Sehr berührend
Herzlichen Gkückwunsch Frau Schirmer zum 100. Geburtstag und zu diesem sehr wertvollen geistigen Gedankengut.Auch ich habe dieses Lied zum Wunsch nach ewigen Frieden in meiner Schulzeit (1965-1975) in Heringen gelernt.
Der Text beinhaltet alles was ein Mensch braucht. Frieden!!!
Das Lied entstand als Frau Schirmer ein Plakat zum Pariser Weltfriedenskongress 1949 betrachtete worauf die weiße Friedenstaube von Pablo Picasso zu sehen war.
Der Text des Liedes ist heute wichtiger denn je.Es ist wichtig und wünschenswert das es den Kindern und Heranwachsenden im Frieden auzuwachsen und zu leben von der Gesellschaft angefangen im Kindergarten,über die Schule und am allerwichtigsten über die Eltern
verständlich und begreiflich gemacht wird.
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Kleine weiße Friedenstaube, fliege übers Land;
allen Menschen, groß und kleinen, bist du wohlbekannt.
Du sollst fliegen, Friedenstaube, allen sag es hier;
dass nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir.
Fliege übers große Wasser, über Berg und Tal;
bringe allen Menschen Frieden, grüß sie tausendmal.
Und wir wünschen für die Reise Freude und viel Glück;
kleine weiße Friedenstaube, komm recht bald zurück.
Meine allerbesten Wünsche! Diese Frau und ihr Schaffen ist für mich die Verkörperung von Humanismus. Eines Humanismus, den ich heute schmerzhaft vermisse.
Herzlichen Glückwunsch, liebe Erika Schirmer, zu Ihrem besonderen Ehrentag und herzlichen Dank für Ihr einzigartiges Lied.
In fast jedem Klassenzimmer der DDR hing, neben diversen Genossen-Fotos, Picassos weiße Friedenstaube. Und jedes Kind verband mit ihr weniger den weltbekannten Künstler, als vielmehr das weltbekannte Lied Erika Schirmers von der kleinen weißen Friedenstaube.
Die Lehrer, die uns dieses Lied nahebrachten, waren ebenso wie die damals politisch Verantwortlichen von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges geprägt. Die Kernaussagen des Liedes waren in der Gesellschaft tief verinnerlicht und Kern der damaligen Politik: Nie wieder Krieg.
Das ist heute anders, auch in Deutschland. "Frieden fast um jeden Preis", das gehört nicht mehr zwangsläufig zur intellektuellen Grundausstattung der Herrschenden.
Jene, die Krieg aus eigenem schrecklichen Erleben kennen, sind kaum noch unter uns.
Es gibt nicht mehr, wie 1945 Kriegstote, die sämtlich zu betrauern sind, sondern heute gibt es wieder tote Aggressoren und tote Märtyrer.
Berichte über Militärtechnik sind wieder Teil der medialen Berichterstattung und allein Aufrüstung gilt, statt Diplomatie , als erstrebenswert.
Zwar wird das Lied von der kleinen weißen Friedenstaube wieder mehr gesungen, was aber fehlt, ist die Verinnerlichung in den entscheidenden Institutionen und immer mehr auch in Teilen der Gesellschaft.
Krieg wird zunehmend hoffähig.
Erika Schirmer schrieb ihr Lied auch unter dem Eindruck der Zerstörung Nordhausens, wie sie mir selbst einst sagte.
Es sollte helfen, neue Kriege zu verhindern. Das Lied muss wieder mehr Politik werden.
Der Beitrag wurde deaktiviert von vgf Sorry, aber es geht hier um den 100 Geburtstag. Sie schweifen ab.
Bodo Schwarzberg
01.08.2026, 21:29 Uhr
Frau Schirmers Schülerinnen: Kritik an der heutigen Schule
Der Beitrag strotzt von Diplomatie: die Autorin betont, wie viel sie und ihre Mitschüler alles bei Erika Schirmer gelernt haben, welche Bedeutung der Respekt untereinander in der Bildung hatte, und auch, welche positiven Folgen das damals Erlernte bis heute bei ihnen hat, zum Beispiel hinsichtlich Schrift, Rechtschreibung und Grammatik.
Erst am Ende des Textes äußern die einstigen Schirmer-Schülerinnen wieder indirekte, aber stärkere Kritik: "...die wirklich wichtigen Fächer mit vielen Stunden im Plan waren und auch stattfanden, hat unsere Leben geprägt. So eine wunderbare Grundschullehrerin wünschte ich heute meinen Enkelkindern…"
Neben der Friedensproblematik benennen die ehemaligen Schülerinnen damit auch Probleme des gegenwärtigen Bildungssystems: Unterrichtsausfall, Lehrermangel und Kritik an den Lehrerpersönlichkeiten. Wobei ich der Meinung bin, dass ein Lehrer immer ein "Produkt" des jeweiligen Bildungssystems ist.
Und hier gibt es seit 1989 viel Nachholbedarf, aber auch genügend Vergleichsmöglichkeiten.