Die Auswirkungen der aktuellen Witterungsverhältnisse auf Grünflächen und Pflanzen ist unübersehbar, auch für Frank Tuschy vom Kinder-Kirchen-Laden. In Sorge um das Stadtgrün hat er sich gefragt, ob die Stadt mit dem gießen hinterher kommt und ob man nicht als Bürger selber die Gießkanne in die Hand nehmen sollte. Wir haben im Rathaus nachgehakt…
Das Grünamt bei der Bewässerung auf dem Nicolaiplatz (Foto: Pressestelle Stadt Nordhausen)
Nach der Rückkehr vom KILA-Handwerkercamp sei er über den Zustand der Stadtbäume in Nordhausen regelrecht erschrocken gewesen, schrieb uns Herr Tuschy Anfang der Woche, es müsse schnell etwas unternommen werden um das Grün zu retten, die Stadt komme scheinbar mit dem Gießen nicht hinterher. Die nnz hat daraufhin nachgefragt, was man im Rathaus im Angesicht der anhaltenden Trockenheit tut.
Die Stadtverwaltung habe die Situation natürlich im Blick, teilt die neue Pressesprecherin im Rathaus mit, seit Wochen sei man dabei, der Austrocknung von Grünflächen und Bäumen entgegen zu wirken. Täglich sind Mitarbeiter der Stadt im Zwei-Schicht-System tätig und fahren über 100 Standorte an, um gezielt zu wässern, wo Bewässerungsmaßnahmen sinnvoll sind und einen nachweisbaren Effekt erwarten lassen. Im gesamten Stadtgebiet wurden außerdem an besonders betroffenen Bäumen oder schwer zugänglichen Stellen vermehrt Gießsäcke angebracht, die die Bäume dauerhaft versorgen, teilt das Rathaus mit. Zusätzlich wurden externe Unternehmen mit dem Gießen von Bäumen sowie Stauden- und Heckenflächen beauftragt, um in dieser besonders langen Trockenzeit die Stadtmitarbeitenden zu unterstützen.
Frank Tuschy brachte in seinem Anschreiben auch die Idee vor, selber zur Gießkanne zu greifen und Baum und Strauch vor der eigenen Haustür mit Wasser zu versorgen. Zwei Gießkannen Wasser pro Tag können da schon den entscheidenden Unterschied machen und verhindern, dass die feinen Haarwurzeln im Erdreich vertrocknen, so Herr Tuschy.
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Eine regelmäßige Versorgung sei besonders wichtig, damit das Wasser in die tieferen Erdschichten dringen kann und somit das Wurzelwerk überhaupt erreicht, heißt es aus dem Rathaus. Eigeninitiative der Bürgerinnen und Bürger wäre an dieser Stelle sehr gern gesehen, wer einen Baum in seinem Wohnumfeld gießen möchte, sei dazu herzlich eingeladen.
Die Regelmäßigkeit sei dabei jedoch genauso wichtig wie die Wassermenge und da ist es mit zwei Gießkannen eher nicht getan. Ein durchschnittlicher Baum verdunstet pro Tag rund 400 Liter Wasser. Darüber hinaus ist das Wurzel- und Versorgungssystem alter Stadtbäume überwiegend in tieferen Bodenschichten ausgebildet und unterscheidet sich in ihrer Ausbreitung deutlich von Bäumen im Freiland. Daher ist die Bewässerung von Altbäumen im innerstädtischen Raum eine besondere Herausforderung, heißt es in der Mitteilung der Stadtverwaltung. Beim Umbau des Blasii-Kirchplatzes geht man deswegen direkt andere Wege und greift gar nicht erst zu Schlauch und Kanne.
Schwammstadt-Prinzips am Blasii-Kirchplatz
Die Auswirkungen der aktuellen Witterungsverhältnisse seien bei den Baumaßnahmen am Blasii-Kirchplatz direkt fortlaufend berücksichtigt worden. Die aufgrund der Trockenheit erforderlichen Maßnahmen sind bereits Bestandteil der vertraglichen Vereinbarungen und werden entsprechend des Baufortschritts gezielt und bedarfsgerecht umgesetzt. Der Wasser- und Nährstoffeinzugsbereich der Linden am Blasii-Kirchplatz übersteigt die Platzfläche um ein Vielfaches. Eine oberflächliche oder kleinräumige Bewässerung würde aufgrund der physikalischen Vorgänge und der Bodenhydraulik keinen nachweisbaren Nutzen erzielen und müsste über einen längeren Zeitraum erfolgen, ohne die maßgeblichen Wurzelbereiche wirksam zu erreichen., teilt das Rathaus mit.
Die Bewässerung der Linden erfolgt daher über das unterirdische Bewässerungssystem, welches kürzlich fertiggestellt wurde und schon jetzt, vor Beendigung der Bauarbeiten, zum Einsatz kommt. Hierbei werden die Bäume zunächst über einen Zeitraum von einer Woche mit rund 2.000 Litern Wasser pro Tag und anschließend für eine weitere Woche mit rund 1.000 Litern Wasser pro Tag gezielt im Wurzelraum versorgt. Dieses Verfahren stelle nach dem aktuellen Stand der Technik die effektivste und nachhaltigste Form der Bewässerung von Altbäumen dar.
Mit der Umsetzung dieses Schwammstadt-Prinzips sollen die bodenphysikalischen Eigenschaften dauerhaft verbessert werden. Niederschlagswasser wird gespeichert, verzögert abgegeben und gezielt in den Wurzelraum eingeleitet. Dadurch könne man die Standortbedingungen für den vorhandenen Baumbestand nachhaltig optimieren und gleichzeitig die Voraussetzungen für mögliche zukünftige Ersatzpflanzungen – beispielsweise bei altersbedingt ausfallenden Bäumen – deutlich verbessern. Das neue unterirdische Bewässerungssystem wird künftig das anfallende Regenwasser vom Dach der Blasiikirche dauerhaft aufnehmen und gezielt den Wurzelbereichen zuführen. Aktuell wird das Wasser gezielt eingespeist, da kein Regenwasser zur Verfügung steht. Aber irgendwann muss es ja mal wieder Regnen. Bis dahin kann gerne auch vor der Haustür zur Gießkanne gegriffen werden.
wenn ein sicherlich gelernter Mitarbeiter des Grünamtes den Pflanzen das Wasser mit Brause auf die Blätter spritzt...
Das ist ein NoGo bei voller Sonne, da die Wassertropfen als Brennglas wirken.🤦♂️
Kein Wunder, wenn schon bei solchen Kleinigkeiten den Mitarbeitern das (hoffentlich mal) Gelernte völlig schnurz ist.
Nordhausen hat über 19.000 Bäume! Die Stadt kümmert sich um 100 Standorte!
Das soll überhaupt keine Kritik an den Mitarbeitern der Stadt sein! Die machen sicherlich alles, was in ihren Möglichkeiten steht. Aber das ist leider nur ein "Tropfen auf den Heißen Stein". (passt gut das Sprichwort) Wenn wir nicht tausende Bäume für Nordhausen in diesem Sommer verlieren wollen, muss mehr passieren und dass geht dann nur mit den Leuten, die neben einem Straßenbaum wohnen und die Gießkanne selber in die Hand nehmen. Wenn die Blätter gelb werden und die ersten Äste absterben, ist es meist schon zu spät! Also: Rettet einfach den Baum vor eurer Haustür!
Wenn die Kosten fur die Theatersanierung sprunghaft von 240 Mio. auf sage und Schreibe 48 Millionen Euo steigen, dann bleibt fur die Erhaltung der Vegetation eher wenig übrig. 🤷
All dies hat der Stadtrat incl. die Grünenfraktion so gewollte und auch so beschlossen.
Hört auf zu jammern, Ihr habts so gewollt. Pech gehabt🥳
braucht ca. 800 l Wasser am Tag. Mit ein paar Eimern kann man das nicht schaffen. Andererseits verdunsten die 800 l natürlich auch wieder. Man kann sich vorstellen, was das für die Umgebung bedeutet . . .