Einem aufmerksamen nnz-Leser fielen am Donnerstag in der Kyffhäuserstraße ungewöhnliche Verfärbungen in der Zorge und bald darauf auch unangenehmer Geruch auf. Auch die Nordhäuser Angler wurden auf die Verunreinigung aufmerksam und meldeten den Fall im Landratsamt, hat die nnz erfahren...
Verschmutzte Zorge in Nordhausen (Foto: privat)
Die Untere Wasserbehörde wurde bereits gestern Vormittag vom Angelverband auf die Gewässerverunreinigung der Zorge aufmerksam gemacht, teilt das Landratsamt auf Anfrage der nnz mit. Die Mitarbeiter hätten sich den Sachverhalt unverzüglich vor Ort angesehen. Die Situation unterhalb der Zorgebrücke in der Barbarossastraße nahe der Berufsfeuerwehr sei dabei nur ein Ausläufer eines "unsachgemäßen, aber nicht zwingend schädliche, Stoffeintrages im Mittellauf" des Flusses innerhalb des Stadtgebietes.
Der Ursprung der Verunreinigung wird zwischen der Erfurter Brücke und der Brücke der Einheit vermutet, auch kurz unterhalb dieses Gewässerabschnittes waren in strömungsarmen Bereichen deutliche Rückstände der weißlich-trüben Verunreinigung festzustellen. Die von unserem Leser beschriebenen unangenehmen Gerüche habe man aber in keinem der betroffenen Bereiche wahrnehmen können.
Bei dem eingebrachten Stoff handele es sich sehr wahrscheinlich um Dispersionsfarbe oder ein chemisch sehr ähnliches, stark wasserlösliches Bauprodukt, so die Einschätzung der Behörde. Man habe versucht, die tatsächliche Kontaminationsquelle sowie den verantwortlichen Verursacher festzustellen, was allerdings erfolglos geblieben sei. An den Einleitstellen für Regenwasser fanden sich keine Spuren, es sei möglich, dass jemand schlichtweg einen Farbeimer direkt im Fluss ausgekippt oder ausgewaschen hat.
"Es ist bei derartigen Gewässerbelastungen aufgrund der schnellen und starken Vermischen im Abfluss und der Ermangelung einer relevanten physikalischen Eigenschaft des eingebrachten wasserbasierten Stoffes gegenüber Wasser meist schwierig, eine wirksame und verhältnismäßige Bekämpfungs-, gar Beseitigungsmaßnehmen zu ergreifen, weshalb wir uns vorrangig auf die weitere Ermittlung des tatsächliche Verursachers und ein potenziell einzuleitendes Bußgeldverfahren fokussieren werden", erklärt die Untere Wasserbehörde. Die gute Nachricht: man habe keine verendeten Fische oder andere "aquatische Lebewesen" ausfindig machen können, der Stoffeintrag hat demnach wohl nicht zu übermäßiger Sauerstoffzehrung und auch nicht zu besonders starker chemischer Belastung des Gewässers geführt, obwohl der Wasserstand nach wie vor niedrig ist.
Verschmutzung kann sehr teuer werden
Sollten Bürgerinnen und Bürger auf derlei Verschmutzungen stoßen, so sei die erste Anlaufstelle die Berufsfeuerwehr, die Leitstelle des Landkreises oder die Untere Wasserbehörde (innerhalb der Sprechzeiten).
Bei der Verschmutzung habe es sich definitiv um eine von Menschen verursachte Gewässerverunreinigung gehandelt, unterstreicht das Landratsamt. Abhängig von Ausmaß und Schuldform können derlei Vergehen mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Angelo Glashagel