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Sa, 14:00 Uhr
29.08.2026
Meine Meinung

Heute schon geblinkt?

In Nordhausen blinkt gefühlt nur jeder zweite Autofahrer, wenn er abbiegen will, - laut meiner Schätzung. Hat das vielleicht etwas mit dem Datenschutz zu tun? - Denn „Es geht niemanden etwas an, wohin ich will“, soll eine humoristisch aufgemotzte Ausrede für Blinkmuffel lauten. – nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg mit ein paar Gedanken zum Thema.

Bild:
Kritische Abbiegesituation (Foto: ADFC/Juliane Mostertz)

Im Jahre 2025 starben laut Statistischem Bundesamt 462 Radfahrerinnen und Radfahrer auf deutschen Straßen, 3,8 Prozent mehr, als im Vorjahr. Viele von ihnen wurden von Autofahrern beim Abbiegen erfasst. – Entweder, weil letztere die Radler im toten Winkel nicht wahrnahmen, aber auch, weil einige nicht blinkten und sich die Radfahrer dadurch in falscher Sicherheit wähnten.

Die Idee zu dieser Kolumne entstand aus eigener Beobachtung, sowohl als Autofahrer, aber auch als Radfahrer, der in Halle einst zwei Jahre lang als Fahrradkurier unterwegs war. Warum, so frage ich mich immer öfter, wird vor dem Abbiegen, beim Spurwechsel oder beim Verlassen des Kreisverkehrs so selten der Blinker betätigt?

Laut einer Sendung im Deutschlandfunk Nova sei das Blinken eine „gute Gemeinschaftshandlung“, die aber leider von Demjenigen, der zu blinken hat, in ihrer Bedeutung für andere Verkehrsteilnehmende nicht hoch genug eingeschätzt werde. Die Verkehrspsychologin Birgit Scheucher erklärt dies in besagter Sendung mit den Worten: als Blinkender spüre ich „…die Folgen meines Handelns so gut wie nie.“

Ist also Egoismus die Triebkraft des häufigen Unterlassens? Zum Beispiel nach dem Motto: ‚ICH will nach rechts oder links, und setze voraus, dass die anderen noch rechtzeitig bremsen, wenn ich plötzlich abbiege.“

Leider scheint diese Denkweise oft schwerer zu wiegen, als die Erinnerung an die eigene Fahrschulausbildung, bei der man ganz gewiss mit § 9 der Straßenverkehrsordnung zu tun bekam. Denn dort heißt es unzweideutig im Absatz 1: „Wer abbiegen will, muss dies rechtzeitig und deutlich ankündigen; dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen.“

Klingt schlicht, kann bei Nichtbeachtung aber dramatische Folgen haben – für Geschädigte und Verursacher gleichermaßen: Im Netz stieß ich beispielsweise auf den Fall eines Motorradfahrers, der ein Auto überholen wollte, das jedoch ohne zu blinken plötzlich nach links abbog und den gerade Überholenden erfasste. Der erlitt schwerste Verletzungen, und in der Folge wurde der Autofahrer u.a. zu fast 100.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Trotz der nicht selten auch tödlichen Folgen fehlenden oder zu nachlässigen Blinkens sind die Strafen fürs Unterlassen mit 10 Euro Verwarnungsgeld unangemessen niedrig.

Nicht zu blinken ist also schon schlimm genug, aber auch unter den Verkehrsteilnehmern, die blinken, gibt es noch schwarze Schafe, nämlich jene, die erst unmittelbar vor dem Abbiegevorgang zu blinken beginnen und bereits nach einer Sekunde abbiegen, während der hinter ihm Fahrende erschrocken auf die Eisen steigt, - falls das dann noch etwas nützt.

Fährt der Erschreckte dem Spätblinker dabei auf, ist er vielleicht noch der sprichwörtliche Dumme, der die eingetretenen Schäden bezahlen muss. Dabei steht im § 9 StVO doch unmissverständlich, dass man den Abbiegewillen „rechtzeitig und deutlich ankündigen“ soll.

Neben den Spätblinkern gibt es auch noch die Frühblinker, die den kleinen Hebel vermeintlich sicherheitsbewusst schon zwei Einfahrten vor der Zieleinfahrt betätigen, und den nachfolgenden Verkehr damit zumindest ins Grübeln bringen, oder schlimmerenfalls in Stress versetzen und zu unter Umständen gefährlichen Bremsmanövern sowie Wutausbrüchen verleiten.

Und wie ist das in Niedersachswerfen? Auf der dortigen B4 gibt es ein rundes blaues Verkehrsschild mit weißem Rechtsabbiegepfeil: Könnte das amtliche Vorschriftszeichen VZ 209 wegen der Ignoranz seitens der Autofahrer mit dem Kopf schütteln, dann wäre es gewiss schon abgefallen.

Ich sehe maximal bei jeder zehnten Passage einen Autofahrer, der vor dieser Abbiegestelle tatsächlich rechts blinkt und der Forderung „Vorgeschriebene Fahrtrichtung – rechts“ nicht nur mit dem Abbiegen, sondern auch noch mit der vorgeschriebenen Betätigung des rechten Blinkers gerecht wird.

Blinken Sie also ruhig mal wieder – wo es vorgeschrieben ist. Für andere und auch für sich. Und vergessen Sie auch nicht, den Blinker wieder auszuschalten, falls er es nicht von selbst tut. Denn zu den Früh- und Spätblinkern sowie den Blinkmuffeln lassen sich noch die Ewigblinker hinzufügen.

Natürlich könnte ich mich manchmal fragen, ob ich früh um Drei blinken muss, wenn ich von der Nordhäuser Engelsburg nach rechts in die Bäckerstraße einbiegen will und weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen ist.

Ja, das muss und sollte man. Denn wer sich diese Frage nie stellen muss, weil er oder sie immer blinkt, wenn es die StVO vorschreibt, der blinkt hundertprozentig auch dann, wenn es für sich und andere überlebenswichtig ist. Und das bringt doch wirklich Punkte. – Und das garantiert nicht in Flensburg.

Dann ist das freundliche „blink blink“ doch, um nochmal die Verkehrspsychologin zu Wort kommen zu lassen, eine im wahrsten Wortsinne „gute Gemeinschaftshandlung“, die u.U. schlimme Unfälle verhindert.

Heute schon geblinkt?
Bodo Schwarzberg
Autor: psg

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Kommentare
Guerrillero
29.08.2026, 14:45 Uhr
Blinken fetzt!
Danke für den Artikel! Ja wirklich! Mich stört es schon lange, dass das Blinken aus der Mode gekommen zu sein scheint. Ich glaube gar, diese Mode ist aus dem Westen zu uns geschwappt. Aber egal. Liebe Fahrende auf den Straßen, bitte blinkt! Ich blinke immer - ja, selbst 3 Uhr nachts, wenn augenscheinlich kein weiteres Auto auf den Straßen ist. Denn, es könnte ja ein Polizeitauto in einer Nebenstraße lauern, aber vor allem blinke ich auch für Fußgänger und Radfahrer. Denn, wer mal als Fußgänger an einer vielbefahrenen Straße stand und diese queren wollte, ist sehr dankbar, wenn ein blinkendes Kfz einem die Chance gibt, unversehrt die Straße zu überqueren. Vielleicht denken die Nichtblinker das nächste Mal an den Moment, an dem sie gefühlt eine halbe Stunde an der Straße standen und 10x diese hätten überqueren können, hätten die Autofahrer mal oder mal rechtzeitig genug geblinkt. Ich sag mal, dass Anzeigen eines Abbiegevorganges ist kein Geheimnis, sondern hilft allen Verkehrsteilnehmern, spart Nerven und schützt Leben! Allen ein schönes Wochenende!
Paulinchen
29.08.2026, 15:26 Uhr
Dreht sich nicht....
...alles in diesen Tagen um das Einsparen von Elektroenergie?

Allerdings kann es hier zu heftigen Schäden führen. Nicht wenige Verkehrsteilnehmer vergessen das Blinken bei allen, in der StVO vorgegebenen Notwendigkeiten. Stellt sich mir die Frage, persönliches Energiesparprogramm, Faulheit oder tatsächlich Unwissenheit?
Es klappt 1000 Mal ohne Blinken und dann kommt das 1001 Mal: Oh verdammt, da ist was gewaltiges passiert..... hätte ich doch nur, dann wäre, hätte eventuell - nein, diese Gedanken sind dann vergebens. VOR dem Schaden klug sein!! Um den Blinker zu betätigen, muss man sich nicht einmal bücken....
Kobold2
29.08.2026, 20:53 Uhr
Leider
wurde hier eine Kategorie vergessen, nämlich diejenigen, die das Blinken anderer Verkehrsteilnehmer ignorieren.
Sei es in der Beschleunigungsspur, wo man gern über die Sperrlinie (natürlich, ohne zu blinken) fährt und dem Vorausfahrenden damit die Möglichkeit zur korrekten Auffahrt auf die Hauptfahrbahn verwehrt, oder als Dauerlinksfahrer anderen die Möglichkeit zum Überholen, oder Vorbeifahren an einem Hindernis nimmt. Auch hier ist die Liste der Ignoranten lang, jedenfalls in Deutschland.
P.Burkhardt
29.08.2026, 23:00 Uhr
oh ja....die Dauerlinksfahrer....
....mit denen hab ich auch ein Problem... ich frage mich immer, warum jemand so ignorant sein muss. Ich verstehe es, wenn ein LKW oder Wohnmobil einen langsamer Fahrenden überholen will und stell mich dann halt hinten an... aber diese Menschen, die Dauerlinks fahren und das Rechtsüberholen oder die Lichthupe damit regelrecht provozieren.... nein, dafür hab ich kein Verständnis.

Blinken ist unbedingt notwendig - woher sollen alle anderen denn sonst wissen, wo man hin will, was man vor hat, wie es weiter geht ? ...also Leute, schmeißt den Blinker an, tut nicht weh und vermeidet gegebenenfalls einen Unfall...
Hein Mück
30.08.2026, 11:47 Uhr
Radfahrer bitte auch
Ich fahre selbst viel mit dem Rad und kann nur allen Radfahrern empfehlen, den Richtungswechsel mit der Hand anzuzeigen. Das sorgt für eine Verbesserung der eigenen Sicherheit.
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