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Fr, 21:00 Uhr
28.08.2026

Internationale Firmenexpansion: Was für Nordthüringer Unternehmen vor dem Schritt über Landesgrenzen

Für Unternehmen aus Nordthüringen kann der Blick auf ausländische Märkte neue Möglichkeiten eröffnen. Dabei reicht es nicht, ein bestehendes Geschäftsmodell einfach in ein anderes Land zu übertragen. Recht, Steuern, Kosten und die tatsächliche Nachfrage vor Ort müssen vorher geprüft werden…

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Firmengründung (Symbolbild) (Foto: Pexels)

Je größer sich der Schritt aus dem deutschen Markt heraus gestaltet, desto wichtiger wird eine saubere Vorbereitung im Vorfeld.

Aktuelle Zahlen des Thüringer Landesamtes für Statistik zeigen, dass Auslandsgeschäfte für Thüringer Industriebetriebe wirtschaftlich ins Gewicht fallen. Allein im Juni 2026 erzielten die berichtspflichtigen Betriebe im Freistaat rund 1,28 Milliarden Euro Auslandsumsatz. Insgesamt lag ihr Umsatz in diesem Monat bei etwa 3,3 Milliarden Euro. Auch für den Landkreis Nordhausen liegen aktuelle Industriedaten vor: Im Juni 2026 wurden dort 25 Betriebe aus Bergbau und verarbeitendem Gewerbe mit mindestens 50 Beschäftigten erfasst. Zusammen beschäftigten diese Betriebe 4.911 Personen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Niederlassung im Ausland der nächste Schritt für einen Betrieb aus Nordhausen oder dem Umland sein muss: Zwischen gelegentlichem Export ins Ausland und einer eigenen Gesellschaft fernab der deutschen Grenzen liegen große Unterschiede.

Exportieren & selbst vor Ort gründen sind zwei komplett verschiedene Dinge
Waren ins Ausland verkaufen, ohne dort eine eigene Firma zu besitzen - das ist für Unternehmen, die den ersten Schritt in einen neuen Markt wagen, meistens die einfachere Variante. Aber was ist, wenn dauerhafte Nachfrage aufkommt? Dann kann man später eine eigene Gesellschaft, Niederlassung oder Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner im Ausland in Erwägung ziehen.

Die Anforderungen verändern sich dadurch grundlegend: Jetzt muss man nicht mehr bloß Transportwege und Kunden verwalten. Gesellschaftsrecht, Steuern, Bankverbindungen, Genehmigungen und mögliche Visa für Mitarbeiter kommen hinzu. Ein mögliches Ziel für eine Auslandsgründung sind die Vereinigten Arabischen Emirate, darunter Dubai. Wer eine Firmengründung in Dubai plant, kann dafür spezialisierte Beratung hinzuziehen. Solche Angebote begleiten Unternehmen bei der Vorbereitung und den formalen Schritten einer Gründung vor Ort.

Vor einer Gründung sollte klar sein, warum überhaupt eine eigene Firma im Ausland gebraucht wird. Ein Standort kann steuerlich oder wirtschaftlich attraktiv wirken. Das allein reicht aber noch nicht aus. Es muss auch ein Geschäft dahinterstehen, das sich dort wirklich trägt.

Vor einer Auslandsgründung sollten zuerst die Zahlen stimmen
Gibt es vor Ort tatsächlich Kunden für das eigene Angebot? Welche Preise lassen sich durchsetzen? Und wie hoch sind die laufenden Kosten für Personal, Räume, Versicherungen und Verwaltung? Auch die Entfernung spielt mit hinein. Eine Firma in den Emiraten lässt sich von Nordthüringen aus nicht so einfach betreuen wie eine Niederlassung in einem Nachbarland. Reisen, Zeitverschiebung und die tägliche Kommunikation müssen ebenfalls eingeplant werden.

5 Punkte, die vor der Gründung geklärt werden müssen:
1. Welche Produkte oder Dienstleistungen sollen vor Ort angeboten werden?
2. Gibt es bereits Kunden oder verlässliche Geschäftskontakte?
3. Welche Rechtsform und Genehmigungen werden benötigt?
4. Wie hoch sind Gründungs- und laufende Kosten?
5. Wer übernimmt die Leitung vor Ort?

Bleiben mehrere dieser Punkte offen, ist es meist sinnvoller, den Schritt ins Ausland zunächst weiter vorzubereiten.

Steuern hören nicht an der Landesgrenze auf
Eine Firma im Ausland bedeutet nicht automatisch, dass deutsche steuerliche Pflichten verschwinden. Unter anderem kann eine Rolle spielen, wo sich die Geschäftsleitung tatsächlich befindet und welche Einkünfte weiterhin einen Bezug zu Deutschland haben. Eine Kapitalgesellschaft mit Geschäftsleitung oder Sitz in Deutschland ist grundsätzlich in Deutschland unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig.

Je nach Zielland können außerdem Doppelbesteuerungsabkommen relevant sein. Für die Vereinigten Arabischen Emirate besteht seit Anfang 2022 allerdings kein deutsches Doppelbesteuerungsabkommen für Steuern vom Einkommen mehr. Bei einer Firmengründung in Dubai muss die steuerliche Situation deshalb besonders sorgfältig geprüft werden.

Läuft parallel ein Unternehmen in Deutschland weiter, können zusätzlich Fragen zu Leistungen und Zahlungen zwischen verbundenen Unternehmen entstehen. Steuerliche und rechtliche Punkte sollten deshalb geklärt sein, bevor die neue Gesellschaft ihre Geschäftstätigkeit aufnimmt.

Nordthüringen ist längst stärker mit dem Ausland verbunden, als es manchmal wirkt
Internationale Geschäfte sind keineswegs nur ein Thema für Großkonzerne aus Frankfurt, München oder Hamburg. Auch im Landkreis Nordhausen lässt sich der Auslandsumsatz konkret beziffern.

Die 25 im Juni 2026 erfassten größeren Betriebe aus Bergbau und verarbeitendem Gewerbe erzielten zusammen rund 98,7 Millionen Euro Umsatz. Gut 25,3 Millionen Euro davon entfielen auf Geschäfte mit dem Ausland.

Auch Unternehmen aus Nordhausen bewegen sich damit in einer Region, deren Industrie seit vielen Jahren mit internationalen Lieferketten und Kunden arbeitet. Das kann vom klassischen Warenexport bis zu eigenen Standorten im Ausland reichen.

Nicht für jedes Unternehmen ist eine Auslandsgründung sinnvoll. Für Betriebe, die bereits regelmäßig internationale Kunden beliefern oder einen Markt dauerhaft bearbeiten wollen, kann sie aber irgendwann zur konkreten Frage werden.

Erst das Geschäft, dann die Adresse im Ausland
Ein neuer Unternehmensstandort klingt auf dem Papier schnell nach Wachstum. In der Praxis muss er sich genauso rechnen wie eine Investition in Nordhausen, Bleicherode oder anderswo. Eine tragfähige Nachfrage, klare Zuständigkeiten und ausreichend Kapital gehören zuerst auf die Liste. Danach kommen Rechtsform, Standort und Gründungsverfahren.

Wer diese Reihenfolge einhält, kann deutlich besser beurteilen, ob eine eigene Gesellschaft im Ausland wirklich gebraucht wird. Der internationale Markt beginnt schließlich nicht mit einem Firmenschild in Dubai, sondern mit Kunden, die für das angebotene Produkt oder die Dienstleistung bezahlen.

Für kleinere und mittlere Betriebe aus Nordthüringen kann deshalb ein schrittweiser Einstieg sinnvoll sein: erst Export oder Partnerschaften testen, später bei stabiler Nachfrage über eine Gesellschaft im Ausland nachdenken.
Autor: red

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