Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind in den Bereichen Mathematik und Lesen erneut gesunken. Rund jede und jeder Dritte verfehlt dort inzwischen das Mindestniveau. Weitere Details natürlich in Ihren Nordthüringer Online-Zeitungen...
Schule (Foto: Thomas G. auf Pixabay)
Das zeigt die am 8. September veröffentlichte PISA-Studie 2025. Auch langfristig fällt die Bilanz ernüchternd aus: 2025 erreichten die Jugendlichen in Deutschland in allen drei Kompetenzbereichen erneut die niedrigsten Werte, die bislang bei den PISA-Studien gemessen wurden.
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Der seit etwa einem Jahrzehnt zu beobachtende Abwärtstrend setzt sich damit fort. Das Schulportal gibt einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse.
1. Deutschland im internationalen Vergleich
Gegenüber PISA 2022 sind die Leistungen der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Mathematik um 11 Punkte von 475 auf 464 Punkte gesunken, im Lesen um 15 Punkte von 480 auf 465 Punkte. In den Naturwissenschaften liegt der Mittelwert mit 486 Punkten zwar sechs Punkte unter dem Wert von 2022, dieser Unterschied ist nach Angaben der OECD jedoch statistisch nicht bedeutsam.
Auch international hält diese negative Entwicklung an. Nach dem starken Einbruch bei PISA 2022 stagnierten die Leistungen in vielen Ländern oder gingen noch weiter zurück. Im OECD-Durchschnitt sanken die Ergebnisse der 91 an PISA beteiligten Länder gegenüber 2022 in Mathematik um 9 Punkte und im Lesen um 14 Punkte, in den Naturwissenschaften um 3 Punkte. Die Rückgänge fallen in Deutschland damit etwas stärker aus als im OECD-Durchschnitt.
Die absoluten Leistungen liegen in allen drei abgeprüften Kompetenzbereichen nahe am OECD-Durchschnitt. Nach den reinen Punktwerten liegt Deutschland in den Naturwissenschaften auf Rang 23, im Lesen auf Rang 24 und in Mathematik gemeinsam mit Schweden auf Rang 25. An der Spitze stehen vor allem asiatische Bildungssysteme: Die vier chinesischen Regionen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang, die bei PISA gemeinsam ausgewiesen werden, sowie Singapur erzielten in allen drei Kompetenzbereichen die höchsten Ergebnisse. Auch Macau (China), Taiwan, Japan, Estland, Korea und das Vereinigte Königreich gehören zu den leistungsstärksten Bildungssystemen.
2. Entwicklung der Kompetenz in den Naturwissenschaften
Die Naturwissenschaften bilden bei PISA 2025 die sogenannte Hauptdomäne und wurden deshalb besonders ausführlich getestet. Etwa 73 Prozent der Jugendlichen in Deutschland erreichen hier mindestens Kompetenzstufe 2 (von 6 Stufen). Sie können beispielsweise die richtige Erklärung für bekannte naturwissenschaftliche Phänomene erkennen und anhand vorgegebener Daten beurteilen, ob eine Schlussfolgerung zulässig ist.
27 Prozent verfehlen dieses Mindestniveau. Im OECD-Durchschnitt sind es 26 Prozent. Gegenüber 2015, als das letzte Mal die Naturwissenschaften den Schwerpunkt der PISA-Studie bildeten, ist der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler in Deutschland um 10 Prozentpunkte gestiegen. An Gymnasien verfehlen 3 Prozent der Jugendlichen die Kompetenzstufe 2, an nicht gymnasialen Schularten sind es 37 Prozent. 2022 waren es 3 beziehungsweise 32 Prozent.
9 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind leistungsstark und erreichen die Kompetenzstufe 5 oder 6. Im OECD-Durchschnitt sind es 7 Prozent. Diese Jugendlichen können ihr naturwissenschaftliches Wissen kreativ und selbstständig auf Situationen anwenden, mit denen sie noch nicht vertraut sind.
3. Entwicklung der Kompetenzen in Mathematik
Nur 66 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen in Mathematik mindestens die Kompetenzstufe 2. Sie können beispielsweise ohne direkte Anweisung erkennen, wie sich eine einfache Situation mathematisch darstellen lässt. 34 Prozent bleiben unter diesem Mindestniveau; im OECD-Durchschnitt sind es 35 Prozent.
2022 hatte der Anteil der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler in Deutschland noch bei 30 Prozent gelegen. Gegenüber 2015 ist er inzwischen um 17 Prozentpunkte gestiegen. An Gymnasien verfehlen 6 Prozent der Jugendlichen die Kompetenzstufe 2, an nicht gymnasialen Schularten sind es 47 Prozent. Im Jahr 2022 waren es 4 beziehungsweise 42 Prozent.
8 Prozent gehören zur Leistungsspitze und erreichen Kompetenzstufe 5 oder 6. Das entspricht dem OECD-Durchschnitt. 2022 waren es in Deutschland noch 9 Prozent. Diese Schülerinnen und Schüler können zum Beispiel komplexe Situationen mathematisch modellieren und geeignete Problemlösungsstrategien auswählen.
4. Entwicklung der Lesekompetenz
Auch beim Lesen gehen die Leistungen deutlich zurück. Nur noch 68 Prozent der 15-Jährigen erreichen hier mindestens die Kompetenzstufe 2. Diese Jugendlichen können unter anderem die Hauptaussage eines mittellangen Textes erfassen und Informationen nach vorgegebenen Kriterien finden. 32 Prozent verfehlen das Mindestniveau, im OECD-Durchschnitt sind es 31 Prozent. Diese Jugendlichen haben Schwierigkeiten, Texte sinnentnehmend zu lesen. Bei PISA 2022 lag dieser Anteil in Deutschland noch bei 25 Prozent.
Gegenüber 2015 ist die Gruppe der leistungsschwachen Leserinnen und Leser um 15 Prozentpunkte gewachsen. 7 Prozent der Jugendlichen erreichen mindestens Kompetenzstufe 5 und gehören damit zur Leistungsspitze. Im OECD-Durchschnitt sind es 6 Prozent. Auch zwischen den Schularten sind die Unterschiede groß: An Gymnasien verfehlen 5 Prozent der Jugendlichen die Kompetenzstufe 2, an nicht gymnasialen Schularten 43 Prozent. 2022 waren es 4 beziehungsweise 35 Prozent.
5. Sozioökonomische Unterschiede
Der Zusammenhang zwischen Leistung und sozialer Herkunft ist in Deutschland weiterhin besonders stark. Sozioökonomisch begünstigte Schülerinnen und Schüler – das oberste Viertel innerhalb Deutschlands – erzielen in den Naturwissenschaften im Durchschnitt 125 Punkte mehr als die benachteiligte Gruppe im untersten Viertel. Im OECD-Durchschnitt beträgt dieser Abstand 85 Punkte.
Zwischen 2015 und 2025 hat sich diese Leistungslücke in Deutschland vergrößert, während sie im OECD-Durchschnitt kleiner geworden ist. Die Leistungen der sozioökonomisch benachteiligten Jugendlichen gingen in diesem Zeitraum zurück, die der begünstigten Jugendlichen blieben stabil. Der sozioökonomische Status erklärt in Deutschland 19 Prozent der Unterschiede in der naturwissenschaftlichen Leistung, im OECD-Durchschnitt sind es 12 Prozent.
6. Einfluss des Migrationshintergrundes
29 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland weisen nach der PISA-Definition einen Zuwanderungshintergrund auf. In den Naturwissenschaften erreichen Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund im Durchschnitt 521 Punkte. Jugendliche der zweiten Zuwanderungsgeneration kommen auf 463 Punkte. Bei selbst zugewanderten Jugendlichen ist der Abstand größer: Wer vor dem 11. Lebensjahr nach Deutschland kam, erreicht im Mittel 423 Punkte; bei einem Zuzug ab dem 11. Lebensjahr sind es 392 Punkte und damit ganze 129 Punkte weniger.
Ein erheblicher Teil dieser Unterschiede hängt mit anderen Ausgangsvoraussetzungen zusammen. Werden soziale Herkunft, Geschlecht und die zu Hause gesprochene Sprache gleichzeitig berücksichtigt, verringern sich die Abstände gegenüber Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund auf 18 Punkte in der zweiten Generation, 32 Punkte bei frühem Zuzug und 67 Punkte bei spätem Zuzug.
7. Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen
In den Naturwissenschaften unterscheiden sich die Leistungen von Jungen und Mädchen in Deutschland nur wenig: Mädchen erreichen im Durchschnitt 484 Punkte, Jungen 487 Punkte. Der Abstand von 3 Punkten zugunsten der Jungen ist deutlich kleiner als in Mathematik und beim Lesen.
In Mathematik erzielen Jungen im Durchschnitt 469 Punkte und damit 11 Punkte mehr als die Mädchen. Beim Lesen zeigt sich das umgekehrte Bild: Mädchen erreichen 478 Punkte, Jungen 453 Punkte – ein Unterschied von 25 Punkten zugunsten der Mädchen. Zum Vergleich: Im OECD-Durchschnitt beträgt der Geschlechterunterschied beim Lesen 30 Punkte zugunsten der Mädchen und in Mathematik 13 Punkte zugunsten der Jungen.
8. Einstellungen zu Schule und Lernen
Die 15-Jährigen in Deutschland schätzen sich mehrheitlich als neugierig und beharrlich ein. 77 Prozent geben an, auf viele verschiedene Dinge neugierig zu sein, im OECD-Durchschnitt sind es 73 Prozent. 64 Prozent sagen, dass sie sich besonders anstrengen, wenn eine Aufgabe schwierig wird (OECD-Durchschnitt: 60 Prozent). Gleichzeitig beurteilt ein vergleichsweise großer Anteil die Schule kritisch: 33 Prozent stimmen der Aussage zu, die Schule sei Zeitverschwendung – gegenüber 24 Prozent im OECD-Durchschnitt. Seit 2022 ist dieser Anteil um 4 Prozentpunkte gestiegen. Zugleich ist der Anteil der Jugendlichen, die sich bei schwierigen Aufgaben besonders anstrengen, um knapp 8 Prozentpunkte gesunken.
9. Nutzung digitaler Medien
Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland verbringen nach eigenen Angaben an einem Schultag durchschnittlich 1,7 Stunden mit digitalen Geräten zum Lernen – genauso viel wie im OECD-Durchschnitt. Weitere 0,8 Stunden nutzen sie in der Schule digitale Geräte für Freizeitaktivitäten (OECD-Durchschnitt: 1,1 Stunden). Zugleich berichten 33 Prozent, dass ihre Mitschülerinnen und Mitschüler in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden durch digitale Geräte abgelenkt werden. Im OECD-Durchschnitt sind es 28 Prozent. In Deutschland schneiden Jugendliche, die von einer solchen Ablenkung berichten, in den Naturwissenschaften im Schnitt 8 Punkte schlechter ab.
Handyverbote gehen dabei mit weniger Ablenkung einher: Schülerinnen und Schüler an Schulen, an denen Handys auf dem Schulgelände verboten sind, berichten mit einer um rund 22 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit von digitaler Ablenkung. 64 Prozent der Jugendlichen in Deutschland besuchen inzwischen Schulen mit einem solchen Verbot, im OECD-Durchschnitt sind es 49 Prozent. Auch künstliche Intelligenz (KI) gehört inzwischen zum Schulalltag: Die Hälfte der 15-Jährigen in Deutschland nutzt mindestens einmal pro Woche KI-Chatbots, um sich beim Lernen helfen zu lassen. 36 Prozent verwenden KI-Tools zum Zusammenfassen von Texten und ebenfalls 36 Prozent zum Entwerfen von Texten für Hausaufgaben.
10. Mobbing und Cybermobbing
Mobbing hat seit der letzten PISA-Erhebung zugenommen. 31 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland geben an, mindestens einige Male im Monat von mindestens einer Form von Mobbing betroffen zu sein. Damit liegt der Anteil deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 20 Prozent. Cybermobbing tritt seltener auf, geht nach den PISA-Daten aber mit besonders großen Leistungseinbußen einher. 5 Prozent der Jugendlichen in Deutschland berichten, dass in den zwölf Monaten vor der Erhebung mindestens einige Male im Monat Informationen, die sie verärgerten, ohne ihre Zustimmung im Internet veröffentlicht wurden. Im OECD-Durchschnitt sind es 3 Prozent. Die betroffenen Jugendlichen erzielten in den Naturwissenschaften im Durchschnitt 37 Punkte weniger als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler.