Bauernverband und Umweltausschuss kamen in Windehausen zusammen
Magere Ernte im Südharz
Ein kaltes Frühjahr, wenig Regen und schließlich viele Hitzetage am Stück, dazu miserable Preise und hohe Kosten - die Südharzer Landwirtschaft fährt maue Ernten ein und hadert mit dem Weltgeschehen. Beim jährlichen Blick auf den Acker sprach der Südharzer Bauernverband gestern von einem sehr extremen Jahr…
Abgeerntes Feld bei Windehausen (Foto: agl)
Auf die Landwirtschaft lässt sich keine Schablone legen, die Produktionsbedingungen ändern sich mit dem Wetter und den Jahren, erklärte Betina Pietzer vom Kreisbauernverband zu Beginn der Sitzung des Umweltausschusses des Kreises. Während die Ernte im vergangenen Jahr vergleichsweise gut ausfiel, herrscht dieser Tage eher Trübsal und das lag auch aber nicht nur am Wetter. Wir hatten ein sehr extremes Jahr, berichtet Erik Förster von der Zorgeland GmbH, bei der man gestern zu Gast war.
Rund 1080 Hektar Acker bepflanzt man rund um Windehausen mit Weizen, Gerste, Raps, Mais und Zuckerrüben. Auf kleineren Bereichen experimentiert man mit neuen Pflanzungen wie Lupine oder Sonnenblumen. Positiv lief es bei der Gerste, die war zur Zeit der anhaltenden Hitze mit ihrer Frucht schon gut entwickelt, enttäuschend hingegen sieht es beim Raps aus, rund 18 Prozent weniger Ertrag listet die Thüringer Statistik auf, die Körner sind klein, liefern kaum Öl. Auch beim Weizen ließ die Qualität zu Wünschen übrig, die Ernte blieb immerhin durchschnittlich.
Zur Sitzung des Umweltausschusses des Kreises wurde auch zum Erntegespräch des Bauernverbandes geladen (Foto: agl)
Während der alte Herbst noch vielversprechend startete, ließ der Winter Niederschläge vermissen, allein die Schneeschmelze half. Das Frühjahr blieb lange kalt und verzögerte die Vegetationsphase, im April und Mai etwas Hoffnung ob des reichhaltigen Regens, doch dann kam der Juni. Elf Tage lang rangierte das Thermometer über 29 Grad, mitunter wurden mehr als 40. Grad erreicht. Ab etwa 32 Grad hat die Pflanze Stress, stellt die Photosynthese ein und das heißt Stillstand ohne Wachstum. Da geht es der Natur wie dem Menschen: wenn zu viele Stressfaktoren auf einmal kommen, leidet die Leistungsfähigkeit, sagt Pietzer. Beim Weizen musste es dann schnell gehen, innerhalb weniger Tage wurde in der Region in einem Rutsch abgeerntet, das haben wir alle noch nicht erlebt, so die Landwirtin. Auch beim Futtermittel hätte der Ertrag besser ausfallen können und die Zuckerrüben sind zwar noch im Boden, sehen aber nicht gut aus.
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Untätig ist man nicht, Ersatzpflanzungen in der Fruchtfolge werden in Mittelthüringen bereits mit Sonnenblumen und anderen hitzeresistenteren Sorten angelegt. Reagieren kann man auch mit Züchtung, doch das ist ein langer Weg und brauche Zeit, sagt Pietzer. Beregnung bei Trockenheit spiele hingegen kaum eine Rolle, schon der hohen Spritpreise wegen. Das Niveau sei hier in Deutschland mit nur knapp drei Prozent beregneter Nutzfläche ohnehin niedrig und daran werde sich so schnell nichts ändern.
Von Hormuz bis zur Helme
Die Hitze kostet Ertrag und Qualität, hinzu kommen hohe Kosten - rund 100 Euro mehr zahlt man für den Diesel pro Hektar, berichten die Bauern, zudem drücken die bürokratischen Anforderungen und die Preisentwicklung, die nicht auf dem Südharzer Acker, sondern in Paris und Chicago bestimmt werden. Niederschlag findet die geopolitische Großwetterlage auch beim Dünger - unter dem Konflikt in der Straße von Hormuz leidet auch der Bauer.
Magere Jahre habe es immer mal wieder gegeben, berichten die Landwirte, an sich sei die Ernte aber keine Katastrophe gewesen, die Mehrkosten, auf die man keinen Einfluss hat, drückten deutlich schwerer. Eine feste Größe und finanzielle Stütze können Ausweichflächen für Solaranlagen sein, das sieht der Landwirt aus Prinzip eigentlich ungern, aber wo es sich anbietet, etwa entlang der Autobahnen, geben gesicherte Einnahmen betrieblichen Halt.
In der Sitzung wird auch regionaler Ärger zur Sprache gebracht, die Beschneidung von Gehölz auf Feldwegen etwa, die eigentlich nicht im Beritt der Landwirte liegen. Zurückschneiden darf der Bauer hier eigentlich nicht, tut man es doch, können Strafen drohen. Andererseits fährt man sich die teuren Seitenspiegel kaputt, wenn sich niemand kümmert, berichten mehrere Bauern, die Klärung der Zuständigkeiten sei ein Problem.
Das greift auch bei der Herkulesstaude oder Riesenbärenklau. Die gefährliche Pflanze breitet sich entlang der Gewässer weiter aus, der Landkreis hat rund 15.000 Euro für die Bekämpfung bereitgestellt und auch in Erfurt gibt es einen entsprechenden Topf. Geld für die Entfernung ist also da, der Abfluss der Landesmittel ist aber wiederum durch Fragen der Zuständigkeit entlang der betroffenen Flächen gehemmt. Insgesamt sei das Versprechen der Politik, mehr bürokratische Regeln zu streichen als neue zu schaffen nicht erfüllt worden, beklagen die Verbandsmitglieder.
Während man drinnen weiter angeregt diskutiert, wird draußen auf dem Hof die Kartoffelernte abgefahren. Die Natur und auch die Landwirtschaft stehen nicht still, aber beide haben dieses Jahr ihre Hürden zu nehmen. Vielleicht wird 2027 wieder ein besseres Jahr, auf dem Südharzer Acker, an der Zapfsäule und in der Welt. Angelo Glashagel
Ist eigentlich die Trekker Demo nach Berlin schon angemeldet um für die seit Jahrzehnten verschlafenen Klimaschutzmaßnahmen zu demonstrieren welche nun die Ernten bedrohen? Mal sehen welche Politiker diesmal am selbstegebauten Galgen hängen.
Gleichzeitig beschneidet man selbst illegal das kleine bisschen Natur welches zwischen den Agrarwüsten wächst. Kannste dir nicht ausdenken.
"Ausweichflächen für Solaranlagen sieht man aus Prinzip ungern."
Welches Prinzip denn? Ist damit die "Grrrr regenerative Energien!!!" Mentalität gemeint?
Ganz ehrlich, mir tun unsere Bauern leid. Sie arbeiten das ganze Jahr, tragen das volle Risiko und am Ende bleiben schlechte Ernten, hohe Kosten, miese Preise und ein Berg voller Bürokratie.
Aber klar, dann holen wir unsere Tomaten eben aus den Niederlanden, Spanien oder Marokko und irgendwann die Kartoffeln auch nur noch aus dem Ausland. Hauptsache der deutsche Bauer wird mit immer neuen Auflagen kaputt gemacht und gleichzeitig soll er noch für alles verantwortlich sein.
Und zu dem Kommentar hier: Ja, Klimaschutz ist wichtig. Aber den Bauern jetzt auch noch pauschal illegales Verhalten und eine Grrr gegen erneuerbare Energien-Mentalität zu unterstellen, ist einfach billig. Wenn Landwirte fruchtbare Ackerflächen lieber für Lebensmittel nutzen wollen, ist das keine Feindschaft gegen Solarenergie, sondern gesunder Menschenverstand.
Wer regionale Bauern ständig verhöhnt, braucht sich später über lange Transportwege, steigende Preise und immer mehr Importware nicht zu beschweren!
Erneuerbare Energie kann man nicht essen!
Dieser Artikel kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. So kann man ja dann die ständigen Preiserhöhung rechtfertigen.
Vielleicht sollte auch mal wieder Landwirtschaft mit Wechselkulturen betrieben werden und nicht nur Landwirtschaft betreiben, die das Portmonee der Leute dünner und die Taschen der Bauern und Konzerne dicker machen.