Vor der Ankunft im Hotel Weissenburg war eine Stippvisite vorgesehen. Alsdann empfingen die Nordhäuser Landseniorinnen und-senioren in Billerbeck zwei Damen, um einen ersten Überblick über Stadtgeschichte und Sehenswürdigkeiten zu vermitteln. Die von Stefanie Stockmann betreute Route führte zur Johannes-Kirche...
Landsenioren im Münsterland (Foto: privat) Nordhausen/Billerbeck Sie, erklärte die Reiseleiterin vor dem imposanten Bau stehend, sei der älteste Sakralbau Billerbecks. Vermutlich entstand der erste nachweisbare Bau im 8. Jahrhundert. Die junge Frau hatte sich gut vorbereitet, wollte bildhaft erklären, doch dann dies: Einsetzender Regen stoppte ihre Rede.
Die Tropfen verstärkten sich, ließen die Gäste den Gottesort fluchtartig verlassen. Sie schafften es gerade noch bis zum Rathaus. Es goss wie aus Kübeln. Gruppe zwei weilte indessen im Dom, verschont geblieben von den Schleusen des Himmels, während sich von der Gruppe eins manche sich nasse Füße geholt hatten.
Tags darauf erklärte eine Monika Stockmann, nicht verwandt mit der Stefanie, diesmal aber im Innern der Johannis-Kirche ausführlich, was der Stefanie Stockmann die Regengüsse verwehrten. Gotteshäuser und der Name des ersten Bischoffs von Münster begleiteten die Gäste aus dem Südharz jeden Tag. Bei einem katholisch geprägten Land gehört das einfach zum Standardprogramm.
Schon am Abend nach der Sintflut erfolgte im Hotel die Entschädigung: Der Hotelchef spendierte einen Drink. Das Haus ließ fürstlich auftafeln, gedopt nur noch am Abschiedsabend durch die Köstlichkeiten vom Grill. Das Personal bediente ohne Fehl und Tadel.
Wer das Hotel Weissenburg in Billerbeck für die Landsenioren buchte, dem sei schon mal anerkennend auf die Schulter geklopft: Essen top, Personal mit Bestnoten, Ablauf reibungslos. Weissenburg kann man nur empfehlen.
Mit Willkommen in der Hauptstadt Westfalens und Magische Momente – Vorhang auf für die Schlösser und Burgen im Münsterland ging es auf eine historische Erkundungstour. Es schlugen die Stunden des Christian Raestrups. Ein Star unter Reiseleitern, wie ich sie bislang in all den Jahren so noch nicht erlebte. Ein Mann von Welt in den besten Jahren. Sein Sprachorgan war auf Dauerbetrieb geschaltet.
Ob über Land durch eine anmutige leicht hügelige parkähnliche Landschaft mit dominanten Maisfeldern oder in Städten: Raestrup brauchte keinen Teleprompter als Hilfsmittel. Ob vor Burg, Schloss oder Gotteshaus, seine Erklärungen kündeten von einer Professionalität und Geschichtskenntnis ohnegleichen. Wie kann man sich all das, was da zu hören war, nur alles merken? Wie in einem Computer gespeichert, rief er ab, was es bei Burgen und Schlössern auf sich hat. Um das alles erklären zu können, sollte man einen Blick auf Christian Raestrup werfen:
Der Paulusdom in Münster (Foto: Rosalinde Frank)
In seiner Heimat Westfalen leitet er das Unternehmen Abenteuer Münster, organisiert vielfältige touristische Aktivitäten, geführte Fahrradtouren, kulturelle Kneipentouren mit Biertasting. Das ist eine geführte Bierverkostung, bei der Biere probiert, analysiert und deren Aromen, Herstellung und Besonderheiten erklärt werden – ein Erlebnis für Bierliebhaber.
Raestrup studierte Fremdsprachen – Russisch und Französisch, bietet Touren neben Deutsch in Englisch, Französisch, Russisch und Chinesisch an. Besonders wichtig sei ihm eine harmonische und entspannte Stimmung während seiner Führungen. Sie gelängen umso besser, je sorgfältiger Vorbereitung und profunder geschichtliches und kulturelles Wissen seien. Übrigens lebte er während seines Studiums mehrere Jahre in Paris und Moskau. Internationale Kontakte seien ihm für die Völkerverständigung wichtig.
Ein freundschaftlich gemeinter Hinweis sei Christian Raestrup auf den Weg gegeben, den er bedenken sollte: Menschen zwischen 80 und 90 Jahren können längere Wege, zumal auf urigen Pflastersteinen vor Burgen und Schlössern zur Belastung werden. Auch wenn sie die Zähne zusammenbeißen und mithalten wollen. Sie müssen passen. Weniger ist mitunter mehr.
Der Zwischenstopp in Warendorf beim Nordrhein-Westfälischen Landgestüt bei der Heimreise dürfte für gestandene Landwirte unter den Landsenioren von großem Interesse gewesen sein. Für die Stadt und die Region Münsterland ist es Wirtschaftsfaktor und bedeutende touristische Attraktion. Gestütsführungen und Hengstparaden ziehen jährlich Zigtausende Besucher an.
Ob Billerbeck, Nottuln oder andere Orte: Viel Grün, keine Schmierereien an Wänden und Fassaden, eine Sauberkeit, die ins Auge fällt. Kurt Frank