Mit einer gelassenen Zufriedenheit blickt Sebastian Brehm in den hinteren Gemächern” des Verona” auf diesen Sommer zurück. Die Gelassenheit hat jedoch ihre Ursachen. Und denen sind wir nachgegangen…
Seitenwechsel von Sebastian Brehm für die nnz. Liane Haupt, mittlerweile 30 Jahre im Unternehmen, "verkauft" ihrem Chef drei Kugeln köstliches Eis. (Foto: nnz)
Der 47jährige ist immer für ein Späßchen zu haben. Auch für ein ungewöhnliches Fotomotiv. Und so vertauschte er in der Bahnhofstraße in Nordhausen mal die Thekenseite. Da war es kurz nach 10 Uhr und die ersten Kunden schmunzeln angesichts der Aktion.
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”Wir haben in diesem Sommer bis zu 4500 Liter Eis pro Woche in bis zu 30 Sorten produziert und verkauft. In der Bahnhofstraße könnte das Verona” seinen Außenbereich vermutlich von der Südharz Galerie bis zur Höhe des Fürstenhofes vergrößern und trotzdem würde in den Hochzeiten kaum ein Stuhl leer bleiben.
Sebastian Brehm hat so seine eigenen Traditionen. Sein klarer Eis-Favorit ist seit Jahren der ganz banale Schokobecher und kein Tag beginnt ohne ein morgendliches Nutella-Brötchen. Abseits der privaten Tradition setzt der Eiskönig” auf Abwechslung und auf eine Geschmacksvielfalt, die vermutlich im Umfeld von Nordhausen ihres Gleichen sucht.
Sebastian Brehm ist aber auch Unternehmer, hat Verantwortung für Mitarbeiter und Aushilfskräfte. Und so gibt es das Brehmsche Eis nicht nur in der Nordhäuser Bahnhofstraße, sondern zum Beispiel in Neustadt oder in der Cafeteria des Nordhäuser Klinikums, sondern über die Kreis- und Ländergrenzen hinaus: in Breitenworbis, Stolberg, Bad Sachsa, Roßla oder Greußen. 30 Verkaufsstellen sind es mittlerweile geworden.
Nun, da die Hauptsaison langsam aber sicher zu Ende geht, geht der Blick schon wieder in das nächste Jahr und da sei die Frage erlaubt: Was macht ein Eis-Fachmann überhaupt im Winter? Im Januar und Februar wird vorproduziert, denn wir wollen vor allem das Außer-Haus-Geschäft” noch weiter ausbauen. Und Brehm schaut sich nach "kühlen Innovationen” um, nutzt dabei die zahlreichen Veranstaltungen, die von der Branche angeboten werden. Dazu gehören die weltgrößte Eismesse in Rimini oder Gelato International" in Kassel im Februar. Da reden die Fachleute miteinander, dort werden Neuerungen auch in der technischen Infrastruktur der Eisherstellung, vor allem aber Trends im geschmacklichen Revier definiert.
Im Verona” und dessen Produktions-Hinterland arbeiten zehn Festangestellte. Hinzu kommen Schülerinnen und Schüler, mit deren Arbeitseinstellung Sebastian Brehm vollends zufrieden ist Diese jungen Leute wollen Geld verdienen”. Gern würde er das Team der Festangestellten” aufstocken, doch ernüchternd gesteht er: Diejenigen, die ich gerne einstellen würde, die gibt es nicht mehr” und beschreibt damit den Gesamtzustand der Gastro-Branche.
Gefragt, warum im Verona” an der Barzahlung festgehalten wird, sagt der Unternehmer: Bei einer Barzahlung kommt das Trinkgeld 1:1 an die Service-Mitarbeiter, was ich bei Kartenzahlung und der einer digitalen Nötigung des Kunden nahe kommenden vorgegebenen Zahlung einer Service Pauschale nicht garantieren kann.”
Sebastian Brehm war bei seinem Klassenkameraden Tino Söllner aus Großwechsungen, der frisches Obst und Gemüse hier in der Region auf Bestellung verkauft. Der Kürbis und die Wassermelone werden wohl auch im nächsten Jahr eine Rolle im "Verona" spielen. (Foto: privat)
Es steht noch nicht zu 100 Prozent fest, aber wahrscheinlich wird auch im kommenden Jahr die Kugel Eis 1.30 Euro kosten, vorausgesetzt, die Rohstoffkosten bleiben im Rahmen. Apropos Kosten: hier gibt sich Sebastian Brehm ganz entspannt: Wir müssen keine Miete zahlen, können zum größten Teil völlig CO2-frei dank einer großen PV-Anlage auf dem Dach produzieren. Energetisch wird zum Beispiel im Sommer unsere gesamte Eiswasseranlage von der Sonne gespeist”.
Die nächste Saison kann nun kommen, aber keine Angst: bis dahin wird das Verona” sein Angebot ein wenig umstellen. Neben den eisigen Köstlichkeiten sind dann auch Waffeln und Crepes der Renner.
Zum, Schluss noch ein eisiger Tipp: Wer an einer außergewöhnlichen Blind-Verkostung” ungewöhnlicher Eissorten wie Pumkin Pie” oder Schoko Chili” und anderen Sorten teilnehmen will, der sollte am 26. September dem Tabakspeicher in Nordhausen einen Besuch abstatten. Peter-Stefan Greiner