Der plötzliche und tragische Tod des Kieferorthopäden Stefan Vogt liegt bald ein Jahr zurück. Über die vergangenen Monate hat das lang eingespielte Praxisteam den Betrieb aufrecht erhalten können und gleichzeitig nach einer passenden Nachfolge gesucht. Die hat man mit Dr. Doreen Jaeschke, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie, nun endlich gefunden…
Nach einem schweren Jahr wird alles gut: Dr. Doreen Jaeschke und Drs. Michael Wulze (Mitte) mit Stefan Vogt's erfahrenem Praxisteam (Foto: agl)
Die zurückliegenden Monate waren kein Leichtes für die Kieferorthopädiepraxis in Nordhausen. Ende Oktober war Dr. Stefan Vogt plötzlich und unerwartet verstorben, in der Praxis war die Trauer groß, viele hier waren von Anfang an dabei, seit Jahren hatte man Seite an Seite gearbeitet. Neben der Trauer stand die Verantwortung gegenüber den Patienten, lediglich drei Monate blieben, um eine Nachfolge zu organisieren.
Dass nun fast ein Jahr ins Land gegangen ist und der Praxisbetrieb trotzdem weiter laufen konnte, haben wir mehreren Personen und Stellen zu verdanken: zu aller erst Dr. Vogt’s Witwe, die die Praxis auch hätte veräußern können, die Verantwortung aber auf sich genommen und uns das Vertrauen gegeben hat, das Schiff weiter zu steuern. Außerdem Dr. Axel Teichmann und Drs. Michael Wulze, die den Behandlungsbetrieb aufrecht erhalten haben und letztlich auch den Patienten, die bei uns geblieben sind und trotz der unsicheren Lage nicht gewechselt haben, sagt Mandy Spangenberg, die die Praxis zusammen mit Stefan Vogt 1997 gegründet hat.
Das weite Netz der Kieferorthopäden
Verständnisvoll und kulant zeigte sich auch die Zahnärztekammer, die die üblichen Gnadenquartale verlängerte und damit das Fenster für die passende Lösung und den Erhalt der Praxis lange offen gehalten habe, sagt die designierte Nachfolgerin, Dr. Doreen Jaeschke.
Die lange Zeit der Sorgen hat damit endlich ein Ende, es hat sich eine kompetente Nachfolge gefunden, die Vogt’s Arbeit auch im Geiste fortsetzen will. Das schließt auch Drs. Wulze ein, der dem Team erhalten bleiben wird. Beide Kieferorthopäden sind keine einheimischen Gewächse, Jaeschke führt in Sömmerda bereits eine eigene Praxis, Wulze war in Pirmasens in Rheinland-Pfalz tätig.
Der Umstand, dass es nun beide aus der Ferne nach Nordhausen zieht, liegt ein wenig im Wesen des Berufsfeldes begründet. Während die Statistik im Jahr 2024 laut Bundeszahnärztekammer bundesweit etwas über 100.000 Zahnärzte auflistet, lag die Zahl der Kieferorthopäden unter 4.000. Und so kommt es, dass die Nachricht vom plötzlichen Tod des Kollegen Vogt und die Vakanz in Nordhausen bundesweit die Runde machte. Der Kollegenkreis ist überschaubar, bei Fortbildungen oder der einzigen DGKFO-Tagung im Jahr, wo sich fast alle Kieferorthopäden in Deutschland anmelden, kommt man zusammen. Man kennt nicht gleich jeden persönlich, läuft sich aber zumindest mal über den Weg, erzählt Jaeschke, die von einer Kollegin aus der Ferne vom Dilemma und der Dramatik in der Nordhäuser Praxis hörte. Ähnlich lief es bei Drs. Wulze, der über seine kollegialen Netzwerke auf die Nordhäuser aufmerksam wurde.
Beide haben in ihren heimischen Praxen mit eigenen Herausforderungen zu kämpfen, die für das Berufsfeld ebenfalls symptomatisch sind: in Pirmasens fehlte es schlicht an Personal und Wulze musste seine Praxis nach zehn Jahren schließen, in Sömmerda ist Jaeschke’s Team jung, aber die Fluktuation ist hoch und es ist schwer so speziell qualifizierte Teammitglieder zu finden. In Nordhausen hoffte derweil ein erfahrenes, engagiertes und gut eingespieltes Team auf die rettende Übernahme.
Eines kam zum anderen, den Interimsbetrieb übernahm zunächst Wulze, ab 1. Oktober übernimmt nun langfristig die Fachzahnärztin Jaeschke aus dem nicht ganz so fernen Sömmerda, die freie Kapazitäten hat, den alltäglichen, bewährten Behandlungsbetrieb aber weiterhin Wulze überlässt.
Wir wollen mit Kompetenz und Fachwissen im besten Sinne für die Patienten arbeiten und da muss es auch auf der menschlichen Ebene passen. Kollege Wulze ist seit März das Gesicht der Praxis für die Patienten und hat mit dem Team den Laden am Laufen gehalten. Ich werde mich erst einmal auf das administrative konzentrieren und mich in dosierter Anwesenheit üben, damit im Übergang hier nicht zu viel durcheinander gerät., sagt Jaeschke. Für die Praxis in Sömmerda steht mittelfristig ein ärztlicher Partner in den Startlöchern, sodass sich dann auch mehr Zeit für die Präsenz in Nordhausen findet.
Ganzheitlicher Ansatz soll beibehalten werden
Fachlich gebe es in den therapeutischen Ansätzen mitunter deutliche Unterschiede, berichten die beiden Fachärzte, Stefan Vogt etwa verfolgte eine sehr weit gefasste ganzheitliche Philosophie und nahm nicht nur die Kiefer, sondern den Menschen im Ganzen in den Blick nahm. An einem Zahn hängt ja noch ein ganzer Mensch dran. Wenn im Biss etwas falsch liegt, dann kann sich das gerade bei Kindern auf den weiteren Körper auswirken und zu Fehlstellungen und schiefem Wachstum führen. Wir werden sicher nicht alles fortführen können, was Stefan Vogt auf den Weg gebracht hat, aber seinen Kernschwerpunkt werden wir weiter verfolgen, erklärt Jaeschke, der Blick auf’s Ganze soll weiterhin Leitlinie in der Behandlung bleiben.
Als Kieferorthopäde müsse man ohnehin langfristig denken, Behandlungspläne erstreckten sich meist über Jahre hinweg, auch deswegen sei Kontinuität in der Therapie für die Patienten wichtig. An anderer Stelle könne die lang gewachsene Praxis aber auch Modernisierung vertragen, etwa im Service und dem digitalen Zugang für die Patienten. Das fängt bei digitalen Abdrücken an und geht weiter bis zur Terminvergabe und dem übersichtlichen Zugang zu Rechnungen. Die Praxis soll die Herzlichkeit und Wärme behalten, die hier über die Jahre gewachsen ist, aber der Zugang soll komfortabler und die Therapieangebote breiter werden, so Jaeschke.
Zu den Neuerungen soll unter anderem eine Erwachsenen-Sprechstunde gehören, erläutert die Ärztin, denn kieferorthopädische Therapie funktioniere nicht nur bei Kindern und Jugendlichen. Da diese ab dem 18. Lebensjahr aber keine Kassenleistung mehr ist, will man auch am Beratungsangebot der Praxis schrauben. Neu einführen wollen beide Ärzte zudem die Aligner-Therapie, die ohne Spangen und Brackets auskommt und stattdessen auf auswechselbare Schienen setzt, die den Kiefer nach und nach in die richtige Position bringen.
Einen neuen Namen wird es schließlich auch geben: Die 26 – Kieferorthopädie. Dahinter verbirgt sich doppelte Bedeutung - zum Einen unterstreiche man die Erhaltung des Standorts in der Spiegelstrasse 26, erläutert Jaeschke, zum Anderen gilt die Chiffre im Fachjargon auch als Bezeichnung für einen Zahn oben links, der ab etwa 6. Geburtstag lebenslang zentrale Bedeutung für guten Biss und gesundes Kauen hat. Angelo Glashagel
Wünsche ich dem gesamten Praxisteam. Schön zu sehen, dass es noch Zusammenhalt gibt und sie es gemeinsam geschafft haben, durchzuhalten und nun neu durchzustarten.