Der Betrieb von Schwimmbädern gehört seit dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik für die Kommunen zu den freiwilligen Aufgaben. Und das merkt man auch: Denn seit 2023 ist das Salzaquellbad geschlossen, so lange, wie noch nie in seiner langen Geschichte, so nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg...
Das Freibad an der Rothleimmühle (Foto: Nordhausen wiki)
Ich habe nur mal kurz im Internet recherchiert und förderte Folgendes zutage: Im Stadtgebiet von Nordhausen und seiner nächsten Umgebung gab es in den vergangenen 150 Jahren fünf öffentliche Bäder: Laut Nordhausen-wiki eröffnete 1858 der Pächter der Rothleimmühle mit einem Unterstützer das erste Freibad der Stadt, welches vom damals noch in Betrieb befindlichen Mühlgraben mit Wasser versorgt wurde. Seine Geschichte endete mit der Eröffnung der Bade- und Wasseranstalt in der Grimmelallee, des späteren Hallenbades und heutigen Badehauses, um 1906/07.
Die goldenen 20er Jahre waren auch eine goldene Zeit für die Nordhäuser Bäderlandschaft: Denn laut nordhausen wiki beschenkten sich die Stadt und damit ihre Bürger am 28. August 1927, also zum tausendjährigen Stadtjubiläum, mit dem Freibad Stadion. Neben viel freiwilliger Arbeit und einem Wirtschaftsaufschwung nach dem Ersten Weltkrieg, waren insbesondere eine Aufhebung der Geschlechtertrennung sowie eine wachsende Bedeutung von sportlicher Betätigung und Hygiene für diese Entwicklung förderlich.
Nur ein Jahr später, am 10. Juni 1928, zog demnach die kleine Gemeinde Salza mit ihrem Salzaquellbad nach, nach jahrelangen Planungen, aber nur einjähriger Bauzeit. Im Internet fand ich bis zum Jahre 2023 kein Jahr, in dem es geschlossen gewesen sein soll, angeblich noch nicht einmal 1945, was fast unglaublich und mit Blick auf die seit drei Jahren andauernde Schließung beschämend klingt. - Wenn es hier einen Experten geben sollte, der dazu etwas anderes weiß, der möge dies gern in einem Kommentar äußern.
Als das Salzaquellbad wegen Mängeln an der Chlorgasanlage und wegen zu starker Undichtigkeiten 2023 schloss, war das Stadionbad mit seinem berühmten 10-Meter-Sprungturm bereits rund 30 Jahre lang nicht mehr in Betrieb, laut nordhausen wiki ebenfalls wegen schwerer Schäden an der Bausubstanz.
All das schreibe ich, um dem Leser den Niedergang von einst beliebten und massenwirksamen sportlichen Freizeiteinrichtungen nach der Wiedervereinigung noch einmal konzentriert vor Augen zu führen. Zu keinem Zeitpunkt seit den 20er Jahren, hatten die 40.000 bis 50.000 Nordhäuser in ihrer Stadt und in den unmittelbar angrenzenden Fluren, trotz zweier Diktaturen und Krieg, kein Freibad in Form eines betonierten Schwimmbeckens.
Einzige Alternative: Das seit den 90er Jahren als offizielles Naherholungsgebiet betriebene Bielener Kiesgewässer, das die Nordhäuser aber dem Bedarf an Kies und eher weniger dem Wunsch der Kommune nach einem Freibad zu verdanken haben.
Laut nordhausen-wiki war die Entscheidung zur Schließung des Stadionbades nach der Wende in den Augen vieler Bürger wegen dessen Bedeutung für den Schwimmsport und die Freizeitgestaltung umstritten, weil, so füge ich hinzu, niemand so recht verstehen wollte, dass es in Kohls blühenden Landschaften nicht einmal möglich war, bestehende Schwimmanlagen zu sanieren und weiterzubetreiben.
Dabei seien die Bäder schon zu DDR-Zeiten reich an Mängeln gewesen. Sie wurden dennoch alljährlich geöffnet und boten zum Beispiel tausenden jungen und älteren Nordhäusern nicht nur unvergessliche Stunden am und im Wasser, sondern mit Bockwurst und der legendären roten Fassbrause auch kulinarisch Unvergessliches.
Ich fütterte KI mit der Frage: Warum in der DDR pro Kopf so viele Schwimmbäder betrieben werden konnten:
Einige Antworten in Kurzform: standardisierte Typenbauten (bei Hallenbädern) und dadurch Ersparnis pro Bau, flächendeckende Versorgung mit Sport- und Erholungsstätten als staatliche Kernaufgabe im Dienste der Volksgesundheit und der ‚sozialistischen Persönlichkeit, staatliche Subventionierung, Eigenleistungen durch die Bevölkerung vor Ort bei Bau und Betrieb.
Interessant ist auch der Grund Kompensation für eingeschränkte Reisemöglichkeiten: Der Staat habe unter Druck gestanden, den Bürgern attraktive, günstige und leicht erreichbare Freizeitmöglichkeiten im Inland zu bieten.
Das wirft natürlich die Frage auf, ob der Staat heute nicht auch wieder unter Druck steht, und zwar nicht wegen fehlender Reisefreiheit, aber doch wegen der Unzufriedenheit vieler Menschen im ländlichen Raum, die u.a. aus dem Verlust sozialer Anlaufpunkte resultiert. Und zu diesen gehören Schwimmbäder allemal.
Analysiert man Wählerumfragen aus Sachsen-Anhalt vor der jüngsten Landtagswahl, so fühlen sich mehr als die Hälfte der Befragten außerhalb der Großstädte Halle und Magdeburg benachteiligt. Jahrelang geschlossene Schwimmbäder können in Verbindung mit anderen Einschränkungen also zum Teil durchaus Ausdruck eines politischen Versagens mit entsprechenden politischen Folgen sein.
Kaum jemand möchte die DDR zurück. Aber vielleicht sollten die Verantwortlichen zwischen Berlin und Erfurt mal darüber nachdenken, ob die flächendeckende Versorgung mit Sport- und Erholungsstätten als staatliche Kernaufgabe nicht doch wieder eingeführt werden sollte. Auch im Sinne der Volksgesundheit, die immer mehr übergewichtige Kinder und Jugendliche, teils mit Altersdiabetes, zu beklagen hat. Auch das gab es dank Bolzplätzen hinter jedem Plattenbau und Schwimmbädern früher eher nicht.
Übrigens: Wenn die gegenwärtige Bundesregierung nur einen einziger Leopard-Panzer im Wert von 25 bis 30 Millionen Euro weniger bauen lassen würde, könnte das Salzaquellbad gleich sieben- bis achtmal saniert werden. In der armen DDR haben Überrüstung, Militarisierung und der Betrieb von viel mehr Schwimmbädern pro Kopf der Bevölkerung übrigens nebeneinander funktioniert. Mehr Schwimmbäder aber wären vollkommen ausreichend. Bodo Schwarzberg
Jeden einzelnen Satz von Ihnen kann ich gern unterschreiben !
Es ist unglaublich, mit welchem Selbstverständnis Gelder in die Ukraine gehen und unsere Steuergelder für Brücken, Schulen und auch das Salzaquellbad an bürokratischen Hürden über Jahre scheitern..
Für alles ist Geld da, nur nicht für uns !.....ist der Tenor der Bevölkerung.......aber diese ist ohnehin pöse . (eine bequeme argumentative Keule).
...ich tue mich schwer damit, im Salzabad zu schwimmen und dafür sterbende Menschen in der Ukraine in Kauf zu nehmen - wobei das Eine mit dem Anderen absolut nichts zu tun hat, wie auch mein Vorkommentator ganz sicher weiß (und trotzdem erstmal einen raushaut, um die Stimmung weiter anzuheizen) 😂
Aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen... und ehrlich würde mich mal interessieren, wann Autor und Vorkommentator überhaupt das letzte Mal in einem Schwimmbad waren 😂....
Trotzdem: Dankeschön, Herr Schwarzberg für den historischen Teil des Artikels und das Bild...
...Ich denke die Stimmung muss nicht mehr angeheizt werden.
Und was das eine mit dem anderen zu tun hat? Nun ja, es geht am Ende um den Einsatz unserer, derjenigen die arbeiten gehen (+beschämenderweise der Senioren), erwirtschafteten Steuergelder. Es geht um ausufernde Zahlungen, ohne das Rechenschaft abgelegt werden muss, wohin sie versickern und um mangelde Mitbestimmung der generellen Einsetzbarkeit von Steuergeldern.
Es geht nicht plakativ darum, planschen zu gehen, wenn woanders Krieg ist. Krieg ist leider Immer schon irgendwo. Oftmals von geringen bis keinem Interesse.
Es geht um die um uferlosen Zahlungen und die steigende Anzahl wohlhabender Ukrainer. Ob sie im Zusammenhang stehen? Who knows? Aber auch frage mich vieles (Skigebiete, Wohnorthopping...keine Prüfung vor Sozialleistungen und und und)...
Ich finde schon, dass man diese Zahlungen einmal kritisch betrachten kann, während hier alles unterm Arsch wegfault.
In jedem Flugzeug wird man belehrt, erst einmal sich selbst die Sauerstoffmaske über zuziehen, bevor man anderen hilft/helfen kann.
Dazu kommen neue Rüstungsindustriezweige und diese unsägliche Kriegsrethorik ala Kiesewetter, Strack-Zimmermann, Pastorin etc.
Die Summe aus den ganzen Einzelheiten heizen das Stimmungsbarometer an.
Und dabei war das nur ein Beispiel.
Das wiederum als Hetze abzutun hat auch was polemisches.
Schönes Wochenende und steife Küstengrüße.
Als junger Mensch fand ich das Stadion und das Salzabad toll. Ich war traurig als man uns das eine nahm und bin traurig, dass das andere so lange zu hat.
....ihr seid so Klasse ! Ich könnte es ja verstehen, wenn ihr dafür bezahlt werden würdet.... aber ich muss davon ausgehen, dass das gar nicht der Fall ist... was mir dann wieder irgendwie Leid tut... Wenn ihr euch schon vor eine Karre spannen lasst... dann doch niht umsonst, oder ?
Mal ehrlich, so blöd kann doch niemand sein, dass er aus freiem Antrieb faktisch Falsches unterstützt.... oder ? Ich weigere mich jedenfalls, das zu glauben....hört doch bitte auf, mich vom Gegenteil überzeugen zu wollen...
Ich gehe an drei Tagen in der Woche Schwimmen... sofern das möglich ist.... wenn das Bad nicht gerade revisioniert wird, gesperrt oder geschlossen ist. Im Zweifel fahr ich halt woanders hin - im Ernst, ich graule 2 bis 3 Mal in der Woche 2 - 3 km... in der Spitze waren es 5,5... und ich kann es jedem nur empfehlen, gelenkschonend, weswegen ich überhaupt erst da mit angefangen habe... und Schwimmen trainiert Muskeln, von denen manchem gar nicht klar ist, dass er sie hat... und es ist effektiver als Laufen, was auch deutlich mehr auf die Gelenke geht...
aber hey... wem sag ich das....
uns ja, ich war auch gerne im Salza-Bad... aber wenn alle, die sich hier so über den desolaten Zustand aufregen nur 1000 EUR spenden würden, damit das Bad wieder abgedichtet werden kann... dann wäre das doch gar kein Problem...... aber so wichtig scheint es ja dann doch nicht zu sein...
Ich erkenne hier Scheinheiligkeit und Stimmungsmache... mit Zielen über die ich lieber nicht nachdenken möchte, weil diese, sofern sie erreicht werden, uns alle für Jahrzehnte ins Hintertreffen bringen würden... dauerhaft währen sie sowieso nicht...
Hört doch mal auf, ständig die Stadt, den Bürgermeister, oder sonst irgendeine Institution für Missstände verantwortlich zu machen... wenn ihr etwas wollt, dann kümmert euch selbst darum, holt Leute mit ins Boot, die euch unterstützen... und geht dann mit ganz viel Rückenwind in die Gremien... das ist doch nicht soooo kompliziert... wenn auch mit etwas Einsatz verbunden,.
Plan B wäre, das Salzabad zu privatisieren.. aber dann wäre wahrscheinlich niemand bereit.den dann erforderlichen Eintrittspreis zu zahlen...
Vielleicht sollten sich manche erst mal klar darüber werden
denn wichtig, wenn man die Menschen doch kostenlos kreuz und quer durch die Gegend rennen lassen kann?
Das ist doch anscheinend der Sport, der heute zählt!
Da kann man gegen oder für etwas rennen!
Da rennt Groß und Klein und es kostet der Stadt nichts.
Menschen die dies aus gesundheitlichen Gründen nicht können, sind eh nicht wichtig!
Hauptsache es kann von DE die Welt gerettet werden, was bedeuten da schon die eigenen Menschen?
Ich gebe zu...das Salzabad ist für mich ein emotionales Thema.
Viele Tage meiner Kindheit und Jugend habe ich dort verbracht. Auf dem Heimweg bei Bäcker Siegel noch ein frisches Brötchen eingeheimst.....einfach göttlich.
Die Stalinisten haben es immer geschafft, dieses Bad zu erhalten, während die neuen Demokraten sich damit schwer tun.
Natürlich sterben in der Ukraine Menschen, genauso wie bei allen Angriffsoperationen befreundenter Mächte. (Wollen sie, dass ich deutlicher werde ?) Allerdings sind viele von hnen hier und verlangen Grundsicherung, bevor sie mit Flixbussen in die Heimat fahren.
Anmerkung techn. Support:
Der Nebenstrang zur Ukraine hat mit dem Bad direkt nichts zu tun und eskaliert von Kommentar zu Kommentar. Das hat jetzt hier ein Ende.
Franz Haarkamm
26.09.2026, 09:34 Uhr
Eigenleistungen durch die Bevölkerung vor Ort!
Das war laut KI ein Aspekt, warum die DDR die Freibäder erhalten konnte. Dieser Aspekt scheint mir in NDH vernachlässigt zu werden. (Kein Vorwurf an Bodo Schwarzberg, er engagiert sich zur Genüge ehrenamtlich.) Aber wenn man umliegende Orte anschaut, dann gibt es oft Fördervereine, die sich den Erhalt ihres Bades auf die Fahne gechrieben haben und auch etwas dafür tun! Wenn man die Berichterstattung in der nnz verfolgt, kann man den Eindruck gewinnen: Die anderen haben Fördervereine die sich engagieren, Nordhausen hat vor allem Meckerer (an ihrer Spitze Frau Düben-Schaumann), die nur schreien, aber nichts tun wollen. Wie wäre es denn mit der Wiedereinführung eines freiwilligen Subotniks, an dessen Spitze sich die Meckerer gerne stellen dürfen?
Wieso lebt diese Gesellschaft zum großen Teil vom Ehrenamt vieler Bürger?
Sind da nicht viele Aufgaben,die der Staat eigentlich leisten muß?
Wenn es um Steueraufkommen geht,dann ist der Staat sofort da und hält die Hände auf,nur der Rückfluß für den Steuerzahler ist nicht ausreichend.
Was wäre,wenn alle ehrenamtlichen Bürger von heute auf Morgen aussteigen würden?Nicht ausdenkbarer Stillstand,Freiwillige Feuerwehren und und......
Viele Mittel werden nicht nachvollziehbar verschenkt und anderweitig verbrannt,die Quelle aber sträflichst vernachlässigt.
Das muß sich ändern,dann kann man auch das Salzabad wieder nutzen.
Harztor ist dafür ein gutes Beispiel.
Danke Herr Schwarzberg, für diesen Beitrag. Natürlich kann man Panzer gegen alles aufwiegen, aber es macht es nicht leichter. Ich glaube es würde viel mehr Bäder geben, wenn die Baukosten nicht so völlig überhöht teuer geworden sind. Ein normales Freibad mit aufwendiger Filterung und Chloranlage liegt bei 13 Mio. Euro (siehe Meiningen und Mühlhausen). Allein diese Summe, wie will man die über die Sommermonate wieder reinbekommen?! Ohne stattliche Fördermittel (Steuern) gar nicht möglich.
Ich freue mich für Salza das es gelungen ist, die Fördermittel zu beantragen und auch zu erhalten. In Klettenberg ist nur ein kleines Bad, hat schon Folien im Becken und trotzdem lies der neue Bürgermeister es aus Kostengründen zu.
Übrigens wurden viele Bäder in den Ortslagen nach der Wende zu Teichen umgewandelt.