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Sa, 08:00 Uhr
26.09.2026
Hochprozentiges Theater an der Traditionsbrennerei

Der Tod steht ihm gut

Theater und Traditionsbrennerei gehen zusammen wie Nordhausen und der Korn. Seit Jahren pflegt man gutes Miteinander und hat ein paar schöne und natürlich hochprozentige Stücke auf die Bühne gebracht. Das neueste Werk heißt der „Flaschengeist“ und die nnz konnte sich das romantische Grusel-Musical gestern schon einmal vorab ansehen…

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Klein, fein und etwas skurill - für das neue Korn-Theaterstück "Der Flaschengeist" lief am Freitag die Generalprobe in der Niederlage der Traditionsbrennerei (Foto: mda)

Sabine Seidel, Nachfahrin der Nordhäuser Brennherren Seidel, hält die Familientradition hoch und führt als Museumsdirektorin nur allzu gerne Gäste durch ihre alte Destillerie. Doch des Nächtens dräut der Dame Ungemach – raschelnd, murmelnd, zischend, unsichtbar spukt ein Geist durch’s alte Gemäuer und das Fräulein Seidel ist gar aufgewühlt.

Einziger Anker ist Hausmeister Oskar, der immer da ist und quasi zum Inventar des Hauses gehört. Was Seidel nicht, das Publikum aber sehr wohl weiß: der gute Geist ist eben jener schüchterne Hauswart, der tagsüber in Menschengestalt umhergehen kann und seine Liebe zum Klavierspiel auslebt. In die Gemengelage platzt Magnus Weißkern, selbsternannter „Experte für energetische Restphänomene“, ein mehr als exzentrischer Geisterjäger mit Hang zu großen Worten, großen Gesten und skurillen Gadgets.


In einer knappen Stunde entspinnt sich ein kurzweiliges Kammerspiel mit Humor, Slapstick, Romantik, ein wenig augenzwinkerndem Grusel und viel Musik. Letztere zeigt sich vielgestaltig, reicht von klassischen Stücken á la Schubert bis zur popkulturellen Reminiszenz an die „Ghostbusters“ und wird von Juliane Bischoff (Sabine Seidel), Marian Kalus (Geisterjäger Weißkern) und Luca Marcossi (Hausmeister Kups) stimmgewaltig zu Gehör gebracht. Der ungesungene Teil der Erzählung kommt derweil nicht zu kurz und bietet trockenem Humor gepaart mit gut gespielter Dramatik, für in Nordhausen eher unterernährte Freunde des Schauspiels auch das eine kleine Freude.

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Schön verschroben und auf Geisterjagd: Marian Kalus als "Magnus Weißkern" (Foto: mda)
Das Trio verbringt den Großteil des Stücks, umringt und mitten drin im Publikum, in der Niederlage der Traditionsbrennerei. Viel Platz für ausschweifende Bühnenbilder ist da nicht, die entsprechend minimale Requisite weiß man aber effektiv einzusetzen. Kups geliebtes Klavier ist ein „Grabsteinway“, für die Wandlung von Poltergeist zu Hausmeister braucht es nur ein Laken und der kleine Handwagen des Experten für alles Paranormale hält allerlei obskure Gerätschaften parat, darunter auch ein „Theremin“, das atmosphärisch, schön-schaurige Töne erzeugt und das Geschehen auf dem Weg zum Höhepunkt untermalt.

Man schmunzelt, lacht und fiebert mit bis zur romantischen Katharsis und wenn sich ein Kritikpunkt anbringen ließe, dann der, dass der Ausklang danach vielleicht ein klein wenig zu lange mäandert. Außerdem hätte das Theremin noch etwas kraftvoller sein dürfen, aber mehr als derlei Kleinigkeiten ist am „Flaschengeist“ nicht auszusetzen. Der Tod steht dem Theater in der Traditionsbrennerei wahrlich gut und es ist zu hoffen, dass dem neuen Korn-Theaterstück in der Niederlage viel Erfolg beschieden ist.

Morgen Abend feiert „Der Flaschengeist“ um 19.30 Uhr in der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei Premiere, danach ist das Stück an folgenden Terminen zu sehen:
  • 4. und 18. Oktober, 18.00 Uhr, Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei
  • 24. Oktober, 19.30 Uhr, Echter Nordhäuser Traditionsbrennere
  • 5. November, 19.30 Uhr, Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei


Tickets gibt es an der Theaterkasse, unter 03631 6260-555 oder via E-Mail an kasse@theater-nordhausen.de.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Warren
27.09.2026, 13:19 Uhr
Um es Mal ganz deutlich zu sagen
es fehlt nun doch auch eine gute Kritik aus dem Volk, der ich mich hiermit nicht verschließen will.
Ein schönes, kurzweiliges unpolitisches Stück mit erstaunlichem Inhalt....einfach Geistreich
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