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So, 09:00 Uhr
04.10.2026
Bleicherode

Viel Kultur im kleinen Kino

Vor etwas über einem Jahr war in Bleicherode klar, dass es mit dem Heimat- und Kulturverein und damit auch mit dem Kino nicht weitergehen würde. Für das kleine, aber traditionsreiche Lichtspielhaus fanden sich schließlich zwei engagierte Retter: die „Kulturraben“ Sven Uhlig und Maria Lath. Das Duo ist überzeugt, dass im Filmtheater viel Potential schlummert und das nicht nur für Bleicherode…

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Maria Lath und Sven Uhlig haben als "Die Kulturraben" das Bleicheröder Kino übernommen und zur Kulturbühne gemacht (Foto: agl)

Das Bleicheröder Kino feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag. Ganz stehen geblieben ist die Zeit hier seit 1936 nicht, aber so ganz im 21. Jahrhundert ist man auch noch nicht angekommen – der singuläre Saal ist von überschaubarer Größe, der 35‑mm-Projektor noch aus sozialistischer Produktion, neues Sitzmobiliar bekam man von Bäckermeister Meyer gespendet. Aber dass es in dem kleinen Kino etwas hemdsärmelig zugeht, macht ein Stück weit auch den Charme aus. Läuft der neue Blockbuster überall nur in 3D? In Bleicherode sicher nicht. Und für breites Programm mag man nicht den Platz haben, dafür ist man in der Auswahl dessen, was man zeigen kann, viel freier als die großen Kino-Ketten und ein gemeinsamer Kinobesuch bringt die Familie nicht direkt ins Armenhaus.

Kurzum, das alte Haus hat Flair und das hat so auch Sven Uhlig gesehen. Über den Heimat- und Kulturverein (HKV) hatte der das Kino schon vier Jahre unter seinen Fittichen, als die finanzielle Lage der Gemeinde zur Auflösung des Vereins führte, ergriffen Uhlig und seine Lebensgefährtin Maria Lath die Chance und boten sich kurzerhand zur Übernahme an. Zusammen mit Isabell Hitzing und Tino Riemann, der guten Technik-Seele des Hauses, geht es weiter wie eh und je, man beschreitet aber auch gern neue Wege.

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„Der Kinobetrieb an sich hat schon Spaß gemacht, besonders die Schul- und Kindervorführungen. Wenn die Leute hier mit einem Lachen im Gesicht rausgegangen sind, dann konnte man glücklich sein.“, erzählt Uhlig. „Wir waren überzeugt, dass man im Haus mehr machen kann, als nur Filme zu zeigen. Im HKV kam man mit solchen Ideen aber nicht wirklich gut voran, das Kino wurde hier eher stiefmütterlich behandelt. Als das Filmtheater dann vor dem Aus stand, musste es mit der Übernahme schnell gehen. Auf den Namen „Kulturraben“ sind wir dann auch eher kurzerhand gekommen, weil beim Überlegen im Garten ein Rabe an uns vorbeiflog. Aber das passt schon auch zu uns.“

Lath und Uhlig kommen beide ursprünglich aus Gastronomie und Unterhaltung, kennen viele Leute und sind gut darin, neue Kontakte zu knüpfen. Die Netzwerke reichen weit, manch Musiker, der bei den Großeltern im „Schwarzen Ross“ in Sachsen auf der Bühne stand, ist heute in Bleicherode zu Gast, um Lebensgeschichten zu erzählen, berichtet Uhlig, darunter Ostrock-Größen und Musiker aus Bands wie „Silly“ oder „Renft“. „Das Schöne ist, dass wir inzwischen an einem Punkt sind, wo wir Leute hier bei uns im Haus hatten, denen die Atmosphäre so gut gefallen hat, dass wir an anderer Stelle weiterempfohlen werden“, freut sich Lath. Jüngst war Thomas Fritzsching von „Silly“ zu Gast, Anfang Dezember wird man Gerhard Schöne in Bleicherode begrüßen, der mit „Könige aus Morgenland“ auf Weihnachtsreise geht.

Das Kino geht auf Wanderschaft
Im Repertoire findet sich aber nicht nur Althergebrachtes, sondern auch Neues, mit „Eclipse“ hatte man etwa auch ein junges Streichquartett auf der Bühne, das Rock und Klassik verbindet. Und auch filmisch kann man neue Wege gehen und Dinge zeigen, die es sonst nicht unbedingt auf die große Leinwand schaffen. Etwa die skurrilen Filme Eric Grun’s, der mit Vorliebe mit Laien aus der Region und im Akkord dreht. „Eric ist einfach ein cooler Zeitgenosse, mit ihm zu arbeiten macht Spaß und er hat uns über die Jahre oft unterstützt. Natürlich zeigen wir gern seine Filme und in einigen haben wir auch selber mitgespielt“, erzählt Uhlig. Und auch da hört es nicht auf: mit Grun’s weit gestreuten Kontakten konnte man in diesem Jahr bereits das zweite Bleicheröder Kurzfilmfestival mit 18 Einreichungen aus der ganzen Republik organisieren.

Die neueste Idee der Kulturraben führt derweil aus dem Haus heraus. Das beliebte „Seniorenkino“ kann von manchem Filmfreund in fortgeschrittenem Alter nicht mehr wahrgenommen werden. Wenn der Senior also nicht mehr ins Kino kommen kann, warum dann nicht das Kino zu den Senioren bringen? Mit Projektor, Leinwand und einem ordentlichen Portfolio an Filmlizenzen wollen sich die „Kulturraben“ in Zukunft mit dem „Wanderkino“ auf den Weg machen. „Im Moment haben wir 20 Spielstätten im Blick, darunter die Senioreneinrichtungen der AWO und Soweno oder auch die Kirche in Pützlingen. Für jede Spielstätte braucht es eine Lizenz und da landen wir in Summe auf rund 3.000 Euro, die wir zusammenbekommen müssen. Da kommen wir nicht drumherum, aber das Lizenzsystem ist immerhin flexibel, bei Interesse können wir neue Spielstätten einfach hinzu buchen. Um das Projekt an den Start zu bringen haben wir eine eigene Crowdfunding Kampagne ins Leben gerufen und versuchen im Moment, die Idee unter die Leute zu bringen“, so Uhlig. Die Filmauswahl liegt beim Publikum, die Palette der Wünsche, die man schon bekommen hat, ist breit und reicht von „Pretty Women“ bis „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, kann Lath ergänzen.

Die beiden sind guter Dinge, dass es mit dem Wanderkino und der Unterstützung klappt. Dass es im Kino jetzt mehr als nur Filme gibt, habe beim Bleicheröder Publikum zwar ein wenig Vorlauf gebraucht, inzwischen würden die Angebote im Haus aber gut angenommen. Von der Stadt bekomme man weiter Rückendeckung und viel Unterstützung, auch das will noch erwähnt sein, die Bürgermeisterin setze sich weiter für das Haus ein und der Bauhof packt bei gröberen Arbeiten tatkräftig zu.

Neben Kino, Konzert und Lesungen werden auch Kindergeburtstage und sonstige Feiern organisiert, etwa die kleine Party, die man in Kooperation mit „Bleicherode zusammen“ vor kurzem zum Weltkindertag geschmissen hat. Das nächste Highlight steht schon vor der Tür, am 01. November will man im Filmtheater den „Dia de los muertos“, den Tag der Toten feiern und das, wie in Lateinamerika, möglichst farbenfroh. „Der Anstoß dazu kam vom Bestattungshaus Penseler aus Bleicherode“, erzählt Uhlig, die Idee: einmal zeigen, wie man anderswo auf der Welt mit dem Tod umgeht. Den passenden Film dazu hat man auch - „Coco“ aus dem Hause Pixar und mit ein paar Pinselstrichen wird man sich im Kino vor der Filmvorführung auch passend schminken lassen können.

Für das mobile Seniorenkino mit Kaffee und Kuchen wird weiter nach Untersstützung gesucht, die Spendenkampagne im Netz finden interessierte Film- und Kinofreunde hier.
Autor: red

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