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Harzer Köhler in Italien

Donnerstag, 01. September 2011, 11:36 Uhr
Alle zwei Jahre treffen sich die Köhler Europas zu ihrem Köhlerfest. Für dieses Jahr hatten die Italiener die Ausrichtung dieser Veranstaltung übernommen. Auch Harzer Köhler waren mit dabei, berichtet Hartmut Thienen...

In Italien dabei (Foto: privat) In Italien dabei (Foto: privat)

Die Feierlichkeiten fanden in der Region um Forno di Zoldo statt. Das liegt ca. 30 km südlich von Cortina de Ampezzo in den Dolomiten. Dort trafen wir am Donnerstag dem 25.8.11 gegen 19.30 Uhr ein. Vorangegangen war eine wunderschöne Busfahrt, die auf der Etappe von Cortina nach Forno di Zoldo noch abenteuerliche Züge annahm. Navi und Karte führten uns über einen Alpenpass, dessen Straße für unseren Bus viel zu schmal und die Kehren viel zu eng waren. Gott sei Dank hatte das Reiseunternehmen Schwarzenberg uns mit seinem Fahrer Uwe Spormann einen echten Profi hinter das Lenkrad gesetzt. Seine Fahrkunst belohnten wir mehrfach mit Beifallsbekundungen. Vielen Dank an dieser Stelle. Am Zielort war unser Harzer Köhlerverein mit 50 Köhlern bzw. Köhlerfreunden vertreten.

Unser Team besteht nicht nur aus Harzern. Der Kienstubbenverein Groß Lindow gehört auch zu uns. Er war mit 6 seiner Mitglieder vertreten. Leider musste unsere Gruppe auf mehrere Quartiere verteilt werden. Am Abend gab es dann die offizielle Begrüßung für uns Köhler aus 8 Ländern Europas. Anwesend waren Gruppen aus Deutschland, Italien, Schweiz, Österreich, Holland, Tschechien, Polen und zum ersten Mal war Frankreich dabei.
Die Hauptveranstaltungen folgten am Freitag und am Sonnabend. Alles aufzuzählen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Am Freitag waren wir in Zoppe di Cadore. In 1638 m Höhe, umgeben von mehr als 3000m hohen Berggiganten fand nicht nur unsere Hauptversammlung statt. Hier wurde nach einem festlichen Akt, zu dem auch ein Prozessionszug in Ladinischer Tracht gehörte, ein Meiler gezündet. Vorher gab es Landestypisches zu essen und zu trinken.

Dem Freitag waren einige interessante Vorträge gewidmet. So erfuhren wir, dass unsere Gastgeberregion in Oberitalien den Beinamen „Land aus Feuer und Eis“ hat. Die Bedeutung dieses Alleinstellungsmerkmales liegt in der wirtschaftlichen Vergangenheit. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten die Einheimischen von der Köhlerei, daher „Feuer“. Als damit kein Geld mehr zu verdienen war, stieg man um auf die Herstellung und den europaweiten Vertrieb von Speiseeis. Man schätzt, dass ca. 90% aller italienischen Eisdielen in Deutschland ihre Besitzer aus Forno di Zoldo und den umliegenden Dörfern haben, daher „Eis“.

Die anschließende Seilbahnfahrt führte uns auf den 1652m hohen Hausberg. Hier überraschte uns ein Gewitter. Das war aber auch der einzige Wehrmuttropfen an diesen Tagen. Der Nachmittag gehörte den ortsansässigen Museen oder einer Einkaufsfahrt nach Belluno. Nach einer gelungenen Abschiedsfeier ging es nach Mitternacht in die Unterkünfte zurück.

Dieses Köhlerfest auf europäischer Ebene hat nicht zuletzt durch die Anwesenheit der Europaabgeordneten Dr. Horst Schnellhart und Werner Kuhn eine hohe Wertschätzung erfahren. Die 250 vertretenen Köhler aus 8 Ländern haben in diesen Tagen Ihren Schritt in ein gemeinsames Europa getan. Darauf sind wir stolz. Die Heimfahrt am Sonntag brachte auch noch Höhepunkte. So haben wir den Zugang von 5 neuen Mitglieder zu verzeichnen. Darunter sind die Südharzer Köhlerurgesteine Richard Ibe und Otto Ibe aus Neustadt mit ihren Frauen. Des Weiteren beschlossen wir, einen Köhlerchor zu gründen. Inspiriert haben uns dazu unsere französischen Köhlerfreunde, die mit zünftigen Melodien aus ihrer Heimat während des Meilerentzündens alle Anwesenden überraschten. So beginnen schon jetzt die Vorbereitungen auf das nächste Europäische Köhlerfest 2013, dass an die Schweiz vergeben wurde.

Mit einem dreifachen „GUT BRAND“ verabschiedeten wir uns am Sonntag gegen 24 Uhr am Stemberghaus voneinander. Besonderer Dank gehört den ehrenamtlichen Organisatoren dieser Festtage unter Leitung von Herrn Zeno Sagui. Vier eindrucksvolle und nachhaltig wirkende Tage waren vergangen.
Hartmut Thienen, Harzer Köhlerverein
Autor: nnz

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