Bilderbriefe aus dem Kunsthaus (7)
Samstag, 03. September 2011, 13:37 Uhr
Seit dem 16. Juli läuft im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Sonderausstellung, die 135 originale Kunstwerke von der Frühromantik über die Hochromantik bis zum Biedermeier zeigt. Um einer Vielzahl von Lesern Lust auf diese Bilderschau zu machen, wird es bis zu deren Ende am 2. Oktober in der nnz Bilder-Briefe aus dem Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen geben...
montiert, Bleistift, 22,5 x 20,0 cm
handschriftlich bezeichnet unten rechts Falkenstein 1836
KSW 127
© Kulturstiftung Wernigerode
Bilderbrief (Foto: privat)
Elisabeth Concordia Crola wurde am 28. September 1809 in Berlin geboren und war die Tochter des begüterten Berliner Bankiers Joseph Maximilian Fränkel. Die Familie trat 1821 vom mosaischen zum christlichen Glauben über.
Im Elternhaus gingen Künstler und Wissenschaftler ein und aus. Das Mädchen lernte bekannte Männer kennen wie den Bildhauer Christian Daniel Rauch, die Maler Carl Joseph Begas, Karl Wilhelm Wach und Friedrich Wilhelm Schadow, der ein enger Freund des Vaters war. Die Heranwachsende, die zwei Schwestern hatte, bekam ihre religiös-philosophische Bildung und Erziehung von Friedrich Schleiermacher, zu dieser Zeit Professor für Theologie an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin. Für Elise war sein Credo prägend, dass ein Christ sich im humanen Handeln auszeichnen müsse.
Wilhelm Schadow schuf 1825 und 1826 eine Idealgestalt der Poesie in zwei Fassungen, für die Elise Fränkel Modell saß. Vorbild war Raffaels Frescogemälde Poesie in den Stanzen im Vatikan in Rom. 1826 stellte Schadow in der Akademieausstellung in Berlin sein Ölgemälde Genius der Poesie aus. Als geflügelte Jungfrau schwebt sie auf Wolken über einer Gebirgs- und Seenlandschaft. Das zweite Gemälde einer Poesie, ein Tondo, zeigt Elise als mädchenhafte Halbfigur. Schadow riet den Eltern, das künstlerische Talent des Mädchens durch eine Ausbildung zu fördern.
Mit 18 Jahren heiratete sie 1827 den mehrere Jahre älteren Baron Karl Heinrich Ludwig von Weiher, mit dem sie, so hat es den Anschein, nicht unglücklich war. Trotzdem wird sie von ihm 1836 geschieden. Danach suchte sie für sich einen ruhigen Ort, den sie in Ilsenburg fand, wo sie zeichnend in der Natur unterwegs war. 1839 lernte der Landschaftsmaler Georg Heinrich Crola sie, der in Ilsenburg bereits von ihr gehört hatte, in ihrem Elternhaus in Berlin kennen, als sie wieder in den Harzort aufbrechen wollte. Er verliebte sich in die aparte Frau und folgte ihr bald nach. Sie heirateten 1840 in dem idyllisch gelegenen Ilsenburg, durchstreiften die nähere und weitere Umgebung, skizzierten vor der Natur und Crola schuf davon angeregt seine Ölgemälde. Künstler aus ganz Deutschland waren gern empfangene Gäste im Ilsenburger Haus, wo nach und nach fünf Kinder geboren wurden.
Elise Crolas künstlerisches Tätigsein bestand im Zeichnen, weniger im Malen, aber auch im Formen und Verzieren von Vasen, Tellern und größeren Schalen aus Porzellan. Gleichfalls talentiert war sie im Modellieren von Figuren.
Johannes Spitzmann äußerte 1933 in seiner Arbeit Der Harz in der Malerei der Romantik über die beiden Crolas: In ... Studienreisen durchforschten beide die Heimat, und ... unzählige Studienblätter, die immer wieder auftauchen, zeugen von Fleiß, Begeisterung und Hingabe. Dabei zeigt sich im Zeichnerischen Elise Crola dem Gatten überlegen, und Blätter wie Burg Langenstein bei Halberstadt und Marmormühle am Krockstein bei Rübeland erinnern in ihrer Kraft und Dynamik an die süddeutschen Landschaftsmeister des 16. Jahrhunderts.
Ein immer wieder von den Bildenden Künstlern aufgesuchtes Motiv war und ist die Burg Falkenstein im Selketal. Auch Elise Crola hat für sich hat diese Anlage zur Darstellung auserkoren. Mit ihrem großen Zeichentalent hat sie das Bauwerk mit seinem Umland in einer Dreieckskomposition mit dem Bleistift festgehalten. Viele Feinheiten sind zu erkennen. Ihr Mann äußerte, dass sie wohl eine Lupe in ihren Augen besäße.
Die Burg Falkenstein, auf einem steilen Felsen errichtet, entstand in der erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Burg wurde seitdem vielfach verändert, hat jedoch den Charakter einer mittelalterlichen Anlage bewahrt. Ihr Bergfried, den man besteigen kann, ist 36 m hoch. Aufgrund der günstigen Lage konnte sie niemals erobert werden. Sie ist eine der am besten erhaltenen Burgen im Harz. Zur Zeit der Herrschaft des Grafen Hoyer von Falkenstein, den eine besondere Freundschaft mit Eike von Repgow verband, einem anhaltischen Ministerialen, verfasste dieser nach 1220 den berühmten Sachsenspiegel, das erste deutsche Rechtsbuch. Der Graf, dem Eike das Buch widmete, hatte maßgeblichen Einfluss auf die Verbreitung dieses Werkes. Eine Ausstellung auf der Burg weist darauf hin. Heute zählt das Burgensemble mit seinem Museum zu den beliebtesten Ausflugszielen im Harz und ist Bestandteil der Straße der Romanik.
Elise Crola stellte sich nach außen nicht als Künstlerin dar, sie sah ihre Berufung in sozialer Arbeit. Hervorgehoben wurde ihr religiös geprägtes Wesen, ihre Bescheidenheit, ihr wohltätiges Handeln. Sie und ihr Mann unterstützten eine größere Anzahl von Bedürftigen in vielfältiger Weise.
Wie schon erwähnt, war das Ehrpaar sehr gastfreundlich. Es gibt eine Beschreibung ihrer Häuslichkeit, die beeindruckend schildert, wie sie lebten. Das Haus öffnete sich in einen hallenartigen Flur ... Dieser war mit großen Holzschnitte nach altdeutschen Meistern ausgestattet. Auf einem Sims hatte Schadows Büste ihren Platz gefunden, und die Wand am Treppenhaus schmückten zahlreiche Kupferstiche. Die Wohnräume der Familie lagen im Hauptstock und atmeten in ihrer wohnlichen und künstlerischen Ausstattung außerordentliche Behaglichkeit ... Einzelne Ölbildchen aus Dürers Zeit, meist aber wertvolle Stiche oder treffliche Lithographien älterer und jüngere Zeit bedeckten museumsartig die Wände, dazwischen Büsten, Relieftafeln oder formschöne Gefäße.
Die ausladenden Türsimse schmückten zierliche Statuetten oder Tierplastiken. Blumen und Blattpflanzen zierten die Zimmer. Mappen mit Stichen und Kunstblättern luden auf den Tischen zum Durchblättern ein. Reizvolle Rokokomöbel, farbensatte Teppiche und Vorhänge bildeten die Ausstattung ... Zumeist von Frau Crola ausgeführt, sah man Bilder von Familienangehörigen ... Auch der Musik war im Künstlerheim eine freundliche Stätte bereit. Benannt wird auch immer wieder der zum Park umgestaltete Garten, in dem alte Bäume die Blicke auf sich zogen. Elise Crola hinterließ weit über 2000 Zeichnungen, einige plastische und kunstgewerbliche Arbeiten. Am 08. Juni 1878 starb sie in Ilsenburg, wo sie mit ihrem Mann begraben liegt.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzElise Crola (1809-1878)
Burg Falkenstein, 1836montiert, Bleistift, 22,5 x 20,0 cm
handschriftlich bezeichnet unten rechts Falkenstein 1836
KSW 127
© Kulturstiftung Wernigerode
Bilderbrief (Foto: privat)
Elisabeth Concordia Crola wurde am 28. September 1809 in Berlin geboren und war die Tochter des begüterten Berliner Bankiers Joseph Maximilian Fränkel. Die Familie trat 1821 vom mosaischen zum christlichen Glauben über. Im Elternhaus gingen Künstler und Wissenschaftler ein und aus. Das Mädchen lernte bekannte Männer kennen wie den Bildhauer Christian Daniel Rauch, die Maler Carl Joseph Begas, Karl Wilhelm Wach und Friedrich Wilhelm Schadow, der ein enger Freund des Vaters war. Die Heranwachsende, die zwei Schwestern hatte, bekam ihre religiös-philosophische Bildung und Erziehung von Friedrich Schleiermacher, zu dieser Zeit Professor für Theologie an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin. Für Elise war sein Credo prägend, dass ein Christ sich im humanen Handeln auszeichnen müsse.
Wilhelm Schadow schuf 1825 und 1826 eine Idealgestalt der Poesie in zwei Fassungen, für die Elise Fränkel Modell saß. Vorbild war Raffaels Frescogemälde Poesie in den Stanzen im Vatikan in Rom. 1826 stellte Schadow in der Akademieausstellung in Berlin sein Ölgemälde Genius der Poesie aus. Als geflügelte Jungfrau schwebt sie auf Wolken über einer Gebirgs- und Seenlandschaft. Das zweite Gemälde einer Poesie, ein Tondo, zeigt Elise als mädchenhafte Halbfigur. Schadow riet den Eltern, das künstlerische Talent des Mädchens durch eine Ausbildung zu fördern.
Mit 18 Jahren heiratete sie 1827 den mehrere Jahre älteren Baron Karl Heinrich Ludwig von Weiher, mit dem sie, so hat es den Anschein, nicht unglücklich war. Trotzdem wird sie von ihm 1836 geschieden. Danach suchte sie für sich einen ruhigen Ort, den sie in Ilsenburg fand, wo sie zeichnend in der Natur unterwegs war. 1839 lernte der Landschaftsmaler Georg Heinrich Crola sie, der in Ilsenburg bereits von ihr gehört hatte, in ihrem Elternhaus in Berlin kennen, als sie wieder in den Harzort aufbrechen wollte. Er verliebte sich in die aparte Frau und folgte ihr bald nach. Sie heirateten 1840 in dem idyllisch gelegenen Ilsenburg, durchstreiften die nähere und weitere Umgebung, skizzierten vor der Natur und Crola schuf davon angeregt seine Ölgemälde. Künstler aus ganz Deutschland waren gern empfangene Gäste im Ilsenburger Haus, wo nach und nach fünf Kinder geboren wurden.
Elise Crolas künstlerisches Tätigsein bestand im Zeichnen, weniger im Malen, aber auch im Formen und Verzieren von Vasen, Tellern und größeren Schalen aus Porzellan. Gleichfalls talentiert war sie im Modellieren von Figuren.
Johannes Spitzmann äußerte 1933 in seiner Arbeit Der Harz in der Malerei der Romantik über die beiden Crolas: In ... Studienreisen durchforschten beide die Heimat, und ... unzählige Studienblätter, die immer wieder auftauchen, zeugen von Fleiß, Begeisterung und Hingabe. Dabei zeigt sich im Zeichnerischen Elise Crola dem Gatten überlegen, und Blätter wie Burg Langenstein bei Halberstadt und Marmormühle am Krockstein bei Rübeland erinnern in ihrer Kraft und Dynamik an die süddeutschen Landschaftsmeister des 16. Jahrhunderts.
Ein immer wieder von den Bildenden Künstlern aufgesuchtes Motiv war und ist die Burg Falkenstein im Selketal. Auch Elise Crola hat für sich hat diese Anlage zur Darstellung auserkoren. Mit ihrem großen Zeichentalent hat sie das Bauwerk mit seinem Umland in einer Dreieckskomposition mit dem Bleistift festgehalten. Viele Feinheiten sind zu erkennen. Ihr Mann äußerte, dass sie wohl eine Lupe in ihren Augen besäße.
Die Burg Falkenstein, auf einem steilen Felsen errichtet, entstand in der erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Burg wurde seitdem vielfach verändert, hat jedoch den Charakter einer mittelalterlichen Anlage bewahrt. Ihr Bergfried, den man besteigen kann, ist 36 m hoch. Aufgrund der günstigen Lage konnte sie niemals erobert werden. Sie ist eine der am besten erhaltenen Burgen im Harz. Zur Zeit der Herrschaft des Grafen Hoyer von Falkenstein, den eine besondere Freundschaft mit Eike von Repgow verband, einem anhaltischen Ministerialen, verfasste dieser nach 1220 den berühmten Sachsenspiegel, das erste deutsche Rechtsbuch. Der Graf, dem Eike das Buch widmete, hatte maßgeblichen Einfluss auf die Verbreitung dieses Werkes. Eine Ausstellung auf der Burg weist darauf hin. Heute zählt das Burgensemble mit seinem Museum zu den beliebtesten Ausflugszielen im Harz und ist Bestandteil der Straße der Romanik.
Elise Crola stellte sich nach außen nicht als Künstlerin dar, sie sah ihre Berufung in sozialer Arbeit. Hervorgehoben wurde ihr religiös geprägtes Wesen, ihre Bescheidenheit, ihr wohltätiges Handeln. Sie und ihr Mann unterstützten eine größere Anzahl von Bedürftigen in vielfältiger Weise.
Wie schon erwähnt, war das Ehrpaar sehr gastfreundlich. Es gibt eine Beschreibung ihrer Häuslichkeit, die beeindruckend schildert, wie sie lebten. Das Haus öffnete sich in einen hallenartigen Flur ... Dieser war mit großen Holzschnitte nach altdeutschen Meistern ausgestattet. Auf einem Sims hatte Schadows Büste ihren Platz gefunden, und die Wand am Treppenhaus schmückten zahlreiche Kupferstiche. Die Wohnräume der Familie lagen im Hauptstock und atmeten in ihrer wohnlichen und künstlerischen Ausstattung außerordentliche Behaglichkeit ... Einzelne Ölbildchen aus Dürers Zeit, meist aber wertvolle Stiche oder treffliche Lithographien älterer und jüngere Zeit bedeckten museumsartig die Wände, dazwischen Büsten, Relieftafeln oder formschöne Gefäße.
Die ausladenden Türsimse schmückten zierliche Statuetten oder Tierplastiken. Blumen und Blattpflanzen zierten die Zimmer. Mappen mit Stichen und Kunstblättern luden auf den Tischen zum Durchblättern ein. Reizvolle Rokokomöbel, farbensatte Teppiche und Vorhänge bildeten die Ausstattung ... Zumeist von Frau Crola ausgeführt, sah man Bilder von Familienangehörigen ... Auch der Musik war im Künstlerheim eine freundliche Stätte bereit. Benannt wird auch immer wieder der zum Park umgestaltete Garten, in dem alte Bäume die Blicke auf sich zogen. Elise Crola hinterließ weit über 2000 Zeichnungen, einige plastische und kunstgewerbliche Arbeiten. Am 08. Juni 1878 starb sie in Ilsenburg, wo sie mit ihrem Mann begraben liegt.
Heidelore Kneffel
