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Situation in Nordhausen noch prekärer

Donnerstag, 06. Oktober 2011, 11:15 Uhr
Wie das Thüringer Landesamt für Statistik gestern mitgeteilt hatte, befindet sich jeder fünfte Thüringer in einer geringfügigen Beschäftigung. Nach Angaben des DGB Kreisverbandsvorsitzenden Andreas Wieninger, ist die Situation in Nordhausen noch prekärer.

32 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in Nordhausen waren 2010 atypisch, darauf weist der DGB Kreisverbandsvorsitzende Andreas Wieninger anlässlich des Tages der menschenwürdigen Arbeit am Freitag, den 7. Oktober hin. Vollzeit, unbefristet und fest angestellt – das typische Normalarbeitsverhältnis ist zwar in Nordhausen immer noch die Regel – doch sogenannte atypische Beschäftigungsverhältnisse, wie Minijobs, Teilzeit oder Leiharbeit, legen zu, das ergibt eine Sonderauswertung der Hallenser Regionalstelle des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB).

„Atypische Arbeitsverhältnisse bringen oft Einkommensverluste, Karrierenachteile und eine geringere Beschäftigungssicherheit mit sich“, betonte DGB Kreis-Chef Wieninger. Menschen, die aufgrund dieser Arbeitsbedingungen keine Perspektive in Nordhausen sehen, würden in Regionen abwandern, die attraktivere Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.

In klassischer Teilzeit arbeiten in Nordhausen 15,8 Prozent der Erwerbstätigen. 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten in Thüringen sind Frauen. Verschiedene Untersuchungen des IAB ergeben, dass circa 50 Prozent der Frauen in Teilzeit lieber Vollzeit arbeiten würden. Gesellschaft und Politik müssten Bedingungen schaffen, die Frauen einen besseren Zugang zu Vollzeitstellen ermöglichen, fordert Wieninger.

Weiter arbeiten in Nordhausen ganze 13 Prozent aller Beschäftigten in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, 3,2 Prozent in 1-Euro-Jobs und 3,2 Prozent in Leiharbeit. Von gleicher Entlohnung seien Leiharbeitskräfte weit entfernt. Der Medianlohn sei in der Leiharbeit in Thüringen 2009 mit 1.100 Euro Bruttolohn um 40% niedriger im Vergleich zu allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit.

Wieninger sieht die Gefahr, dass die Erwerbsbiographie vieler Menschen von einem Teufelskreis aus Minijobs, befristeter Beschäftigung, Leiharbeit und Arbeitslosigkeit geprägt ist. Arbeit müsse wieder einen Wert haben. Gerade vor dem Hintergrund des bevorstehenden Fachkräftemangels könnten wir uns diese Politik nicht länger leisten.
Autor: nnz

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