Kirche wurde saniert
Dienstag, 01. November 2011, 17:28 Uhr
Die Gemeinde Limlingerode hat sie wieder - die alte Dorfkirche. Nach ihrer Sanierung erstrahlt sie in hellem Glanze. Am Wochenende war es soweit - mit einem Festgottesdienst fand die Kirchweihe statt. Heidelore Kneffel berichtet...
Der Großvater schlurft durch das Haus in die Kirche, gefolgt von der polnischen Katze, die dann bei der Predigt ooch mit auf der Kanzel erscheint – Sarah Kirsch
Als die Poetin Sarah Kirsch, die seit 1983 im Hohen Norden in Schleswig-Holstein lebt, diese literarischen Zeilen verfasste, war die ehemaligen Pfarre in Limlingerode, das Fachwerkhaus, in dem die Dichterin am 16. April 1935 zur Welt kam, Ende 2002 restauriert als Stätte für Literatur, Kunst und Musik eröffnet worden, ausführlich beschrieben in der Limlingeröder Reihe / KALEIDOSKOP I. An zwei Begebenheiten im Kirchenbau fühlten sich Mitglieder des Fördervereins Dichterstätte Sarah Kirsch lebhaft erinnert, als sie am 30. Oktober 2011 an dem Festgottesdienst zur Kirchweihe in Limlingerode teilnahmen. Mit großem Enthusiasmus war in unzähligen Stunden seit Mitte Juni dieses Jahres in beispielgebender Arbeit vieler Personen die evangelische barocke Kirche des Ortes restauriert worden, die nun am Sonntag für die Öffentlichkeit wieder offiziell zugänglich gemacht wurde. Welch’ Freude, den vertrauten Bau in seinem neuen Gewande zu schauen!
Ähnlich dicht an dicht saßen Menschen auch am 4. Juni 1997 in der Kirche, als Sarah Kirsch das erste Mal ihre Gedichte in ihrem Geburtsort vortrug, und auch am 29/30. November 2002, als das oberhalb des Gotteshauses stehende Geburtshaus, wie eingangs erwähnt, als neue Literaturstätte eröffnet wurde. Fürsorglich war beide Male die evangelische Kirche als Ort ausgewählt worden, denn man ahnte, dass die bekannte Dichterin, die als Ingrid Hella Irmelinde Bernstein im schmucken Dorf am Flüsschen Sete geboren worden war, zahlreiche Menschen aus nah und fern anziehen würde. Besonders erhebend für die Dichterin war dabei, das rechts neben dem Altar der restaurierte barocke Taufengel schwebte, für dessen Auferstehung sie und ihr Freundes- und Bekanntenkreis maßgeblich beigetragen hatten. Ihr Großvater, der Pfarrherr Paul Bernstein, hatte die Neugeborene am 15. Mai 1935 mit Hilfe des schwebenden Holzengels getauft.
Diese Dorfkirche, die in ihrer jetzigen Gestalt 1652 entstand, wurde in den Jahren 1998 bis heute mehrmals im Einverständnis mit der Kirchgemeinde und dem Pfarrer für Veranstaltungen des Fördervereins genutzt. Immer am letzte Juni-Wochenende, wenn die Limlingeröder Diskurse stattfinden, gilt auch der Kirche die Aufmerksamkeit der lesenden Dichterinnen und Dichter und der Gäste.
Zwei literarisch-musikalische Veranstaltungen des Fördervereins fanden hier statt, die eine mit mittelalterlichen Liebesliedern, die zweite mit der Dichtung Mechthild von Magdeburgs und Hildegard von Bingens. Selbstverständlich wurden von den Vereinsmitgliedern auch Gedichte über Engel, verfasst von verschiedenen Poeten, unweit des Taufengels vorgetragen. In einer Fotoausstellung wurde auf das Dorf und seine Umgebung aufmerksam gemacht.
Besonders anregend und anrührend waren mehrere Auftritte von Schülern verschiedener Altersstufen im Laufe der letzten Jahre in der Kirche. Zwei seien erwähnt. Am 7. 7. 2007 erklang die Zwitschermaschine des Dichters und Malers Paul Klee im Haus, im Hof, auf dem Weg zur Kirche und in dieser selbst. Die Gestaltenden waren Schülerinnen und Schüler der Regelschule Hainleite, Wolkramshausen, und des Herdergymnasium Nordhausen. Am 25. September 2010 führten Jugendliche der Regelschule Hainleite das Programm Selma . ‚Es ist so viel Buntes geschehen ...’ vor. Selma Meerbaum-Eisinger wurde nur knapp 18 Jahre, hinterließ 57 Gedichte und starb als Jüdin in einem Arbeitslager in der Ukraine an Typhus.
Die Mitglieder des Fördervereins wünschen dem anmutigen Kirchlein, in dem auch wieder Orgelmusik erklingen kann, zu den kirchlichen Veranstaltungen und zu anderen Begebenheiten zahlreiche Menscher, wie Sarah Kirsch es ausgedrückt hat. Es hat und gefreut, dass am 30. 10. ab 17.00 Uhr Dr. Karl Schmidt in der Dichterstätte vor zahlreichen Interessierten einen Vortrag mit Lichtbildern zur Restaurierung der Kirchenuhr hielt, die nun endlich wieder ihren Platz an dem Bauwerk gefunden hat. Man hört in Limlingerode also wieder von der Höhe der Kirche, was die Stunde geschlagen hat.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzDer Großvater schlurft durch das Haus in die Kirche, gefolgt von der polnischen Katze, die dann bei der Predigt ooch mit auf der Kanzel erscheint – Sarah Kirsch
Als die Poetin Sarah Kirsch, die seit 1983 im Hohen Norden in Schleswig-Holstein lebt, diese literarischen Zeilen verfasste, war die ehemaligen Pfarre in Limlingerode, das Fachwerkhaus, in dem die Dichterin am 16. April 1935 zur Welt kam, Ende 2002 restauriert als Stätte für Literatur, Kunst und Musik eröffnet worden, ausführlich beschrieben in der Limlingeröder Reihe / KALEIDOSKOP I. An zwei Begebenheiten im Kirchenbau fühlten sich Mitglieder des Fördervereins Dichterstätte Sarah Kirsch lebhaft erinnert, als sie am 30. Oktober 2011 an dem Festgottesdienst zur Kirchweihe in Limlingerode teilnahmen. Mit großem Enthusiasmus war in unzähligen Stunden seit Mitte Juni dieses Jahres in beispielgebender Arbeit vieler Personen die evangelische barocke Kirche des Ortes restauriert worden, die nun am Sonntag für die Öffentlichkeit wieder offiziell zugänglich gemacht wurde. Welch’ Freude, den vertrauten Bau in seinem neuen Gewande zu schauen!
Ähnlich dicht an dicht saßen Menschen auch am 4. Juni 1997 in der Kirche, als Sarah Kirsch das erste Mal ihre Gedichte in ihrem Geburtsort vortrug, und auch am 29/30. November 2002, als das oberhalb des Gotteshauses stehende Geburtshaus, wie eingangs erwähnt, als neue Literaturstätte eröffnet wurde. Fürsorglich war beide Male die evangelische Kirche als Ort ausgewählt worden, denn man ahnte, dass die bekannte Dichterin, die als Ingrid Hella Irmelinde Bernstein im schmucken Dorf am Flüsschen Sete geboren worden war, zahlreiche Menschen aus nah und fern anziehen würde. Besonders erhebend für die Dichterin war dabei, das rechts neben dem Altar der restaurierte barocke Taufengel schwebte, für dessen Auferstehung sie und ihr Freundes- und Bekanntenkreis maßgeblich beigetragen hatten. Ihr Großvater, der Pfarrherr Paul Bernstein, hatte die Neugeborene am 15. Mai 1935 mit Hilfe des schwebenden Holzengels getauft.
Diese Dorfkirche, die in ihrer jetzigen Gestalt 1652 entstand, wurde in den Jahren 1998 bis heute mehrmals im Einverständnis mit der Kirchgemeinde und dem Pfarrer für Veranstaltungen des Fördervereins genutzt. Immer am letzte Juni-Wochenende, wenn die Limlingeröder Diskurse stattfinden, gilt auch der Kirche die Aufmerksamkeit der lesenden Dichterinnen und Dichter und der Gäste.
Zwei literarisch-musikalische Veranstaltungen des Fördervereins fanden hier statt, die eine mit mittelalterlichen Liebesliedern, die zweite mit der Dichtung Mechthild von Magdeburgs und Hildegard von Bingens. Selbstverständlich wurden von den Vereinsmitgliedern auch Gedichte über Engel, verfasst von verschiedenen Poeten, unweit des Taufengels vorgetragen. In einer Fotoausstellung wurde auf das Dorf und seine Umgebung aufmerksam gemacht.
Besonders anregend und anrührend waren mehrere Auftritte von Schülern verschiedener Altersstufen im Laufe der letzten Jahre in der Kirche. Zwei seien erwähnt. Am 7. 7. 2007 erklang die Zwitschermaschine des Dichters und Malers Paul Klee im Haus, im Hof, auf dem Weg zur Kirche und in dieser selbst. Die Gestaltenden waren Schülerinnen und Schüler der Regelschule Hainleite, Wolkramshausen, und des Herdergymnasium Nordhausen. Am 25. September 2010 führten Jugendliche der Regelschule Hainleite das Programm Selma . ‚Es ist so viel Buntes geschehen ...’ vor. Selma Meerbaum-Eisinger wurde nur knapp 18 Jahre, hinterließ 57 Gedichte und starb als Jüdin in einem Arbeitslager in der Ukraine an Typhus.
Die Mitglieder des Fördervereins wünschen dem anmutigen Kirchlein, in dem auch wieder Orgelmusik erklingen kann, zu den kirchlichen Veranstaltungen und zu anderen Begebenheiten zahlreiche Menscher, wie Sarah Kirsch es ausgedrückt hat. Es hat und gefreut, dass am 30. 10. ab 17.00 Uhr Dr. Karl Schmidt in der Dichterstätte vor zahlreichen Interessierten einen Vortrag mit Lichtbildern zur Restaurierung der Kirchenuhr hielt, die nun endlich wieder ihren Platz an dem Bauwerk gefunden hat. Man hört in Limlingerode also wieder von der Höhe der Kirche, was die Stunde geschlagen hat.
Heidelore Kneffel






