HSB – zu gut für uns? (1)
Mittwoch, 07. März 2012, 11:43 Uhr
"Mein Urgroßvater war Lokomotivführer auf großen dampfbetriebenen Schnellzuglokomotiven. Seitdem er mich als kleiner Junge ab und zu mit zum Nordhäuser Hauptbahnhof nahm, um die damals letzten Exemplare auf Normalspur zu bestaunen, bin ich infiziert." nnz-Autor Bodo Schwarzberg über schmale Gleise und dampfende Erlebnisse...
Etwa einmal im Jahr muss ich in einem Museums- bzw. Dampfzug mitfahren. Am vergangenen Montag war es wieder soweit. Das erste Mal überhaupt fuhr ich von Nordhausen Nord zum Brocken. Auf der Rückfahrt verließen wir, wohl zur Verwunderung des Personals, in der Dämmerung den Zug, wanderten durch das Brandesbachtal zum Hufhaus und dann im Dunkeln über Neustadt nach Nordhausen.
Fünf Stunden standen wir unter Dampf, der mich schließlich motivierte, diesen etwas nachdenklichen Text zu schreiben.
Erinnern sich die Älteren denn wirklich nicht mehr an die hunderten vor sich hin qualmenden Schornsteine, durch die die Ausdünstungen der Blumenerde aus dem Lausitzer Revier in die Straßen und die immer grauer werdenden Fassaden und Lungen quollen? An die vielen, meist zu niedrigen VEB-Fabrikschornsteine mitten im Stadtgebiet? Und an die Trabi-Armee, die allmorgendlich durchstartend eine bläuliche Note in die Nordhäuser Atmosphäre brachte? Und nicht zuletzt an die ca. 15-20 Dampflokomotiven der Harzquerbahn, die tagtäglich vom Bahnhof Nordhausen Nord ankamen und starteten und vor allem mächtig qualmten?
Natürlich wurde auch schon damals über deren Qualm gemeckert. Wohl berechtigt. Heute aber stimmt die Verhältnismäßigkeit des Meckerns nicht mehr. Wenn zwei Dampfloks pro Tag in einer ansonsten fast lupenrein gewordenen Stadtluft als Problem gesehen werden (die zwei sind ja keine Einzelstimmen!), ohne deren Bedeutung für die Region erkennen zu wollen, geschweige denn zu würdigen, dann stimmt mich das traurig. Aber vielleicht sind ja die beiden genannten Stimmen wenigstens nicht repräsentativ.
Warum sollen wir denn was tun? Es kommt doch sowieso kein Tourist! Diesen Satz habe ich tatsächlich von einem in der Region Verantwortlichen gehört. Und wenn ich ihn mit der Rußgeschichte verknüpfe, entsteht ein Gesamtbild, das man mit dem Wort Scheuklappen hervorragend charakterisieren kann.
140 Kilometer planmäßig dampfbetriebenes Schmalspurnetz, angeblich in der Größe das einzige Europas. Touristen aus England, Japan, Holland und sonst woher, - zumindest bis Eisfelder Talmühle.
Ortswechsel: Vor kurzem hatte ich einen Markkleebergerin am Telefon, mit der ich über den nächsten Wander-Event (7-Seenwanderung) durch das ehemalige Braunkohlengebiet mit schon jetzt tausenden Anmeldungen sprach (die nnz wird berichten). Ich sagte ihr, das wir bei uns in Nordhausen und Umgebung als weit überregionales Alleinstellungsmerkmal sinkende Touristenzahlen haben, und das, obwohl wir nicht ehemaligen Braunkohlentagebaue zu bewerben haben, sondern eines der bekanntesten europäischen Mittelgebirge.
Markkleeberg hat im Gegensatz zum Südharz übrigens astronomische Steigerungen im Tourismus zu verzeichnen, wohlgemerkt nicht in einem Naturpark sondern in einem Gebiet mit ausgekohlten Braunkohlentagebauen.
Wir haben dafür den halbvolle Öl-und Farbkanister im Naturpark, um die sich niemand kümmert, und oftmals lokal Verantwortliche, die auf den jeweils anderen lokal Verantwortlichen warten, dass der eine Idee hat. Parallel dazu wird vielfach das, was schon als Chancen vorhanden ist, nicht oder mitunter als lästig gesehen.
Bodo Schwarzberg
Museal einmalig, ästhetisch und untrennbarer Teil des Harzes: Die Harzer Schmalspurbahnen. Mit dem Zug am 05.03.2012 zum Brocken
Autor: nnzEtwa einmal im Jahr muss ich in einem Museums- bzw. Dampfzug mitfahren. Am vergangenen Montag war es wieder soweit. Das erste Mal überhaupt fuhr ich von Nordhausen Nord zum Brocken. Auf der Rückfahrt verließen wir, wohl zur Verwunderung des Personals, in der Dämmerung den Zug, wanderten durch das Brandesbachtal zum Hufhaus und dann im Dunkeln über Neustadt nach Nordhausen.
Fünf Stunden standen wir unter Dampf, der mich schließlich motivierte, diesen etwas nachdenklichen Text zu schreiben.
Die Sache mit dem Ruß
Ja, ich bin für die alten Dampfrösser, bin für die kohlebetriebenen Harzer Schmalspurbahnen. Die ständig neuen CO2-Emmissions-Rekorde werden nämlich ganz sicher nicht von den letzten Dampfrössern dieser Welt erzeugt bzw. von den Unternehmen, die mit ihnen Geld verdienen. Bliebe noch der Ruß zu diskutieren: Wie mäkelig sind doch manche Anrainer der HSB geworden: Ganze zwei Züge verlassen Nordhausen täglich heute im Schnitt noch mit Dampflokbespannung. Zwei Bewohner, eine Niedersachswerfenerin und ein Nordhäuser, bemängelten mir gegenüber dennoch allen Ernstes die durch die beiden Loks ausgelöste Umweltbelastung, Rußpartikel in aufgehängter Wäsche, Kohlegeruch im Wohnzimmer bei ungünstiger Windrichtung. Erschreckend ist daran für mich zweierlei: Erstens die Anpassungsfähigkeit des Menschen an Wohlstand und zweitens dessen Vergesslichkeit.Erinnern sich die Älteren denn wirklich nicht mehr an die hunderten vor sich hin qualmenden Schornsteine, durch die die Ausdünstungen der Blumenerde aus dem Lausitzer Revier in die Straßen und die immer grauer werdenden Fassaden und Lungen quollen? An die vielen, meist zu niedrigen VEB-Fabrikschornsteine mitten im Stadtgebiet? Und an die Trabi-Armee, die allmorgendlich durchstartend eine bläuliche Note in die Nordhäuser Atmosphäre brachte? Und nicht zuletzt an die ca. 15-20 Dampflokomotiven der Harzquerbahn, die tagtäglich vom Bahnhof Nordhausen Nord ankamen und starteten und vor allem mächtig qualmten?
Natürlich wurde auch schon damals über deren Qualm gemeckert. Wohl berechtigt. Heute aber stimmt die Verhältnismäßigkeit des Meckerns nicht mehr. Wenn zwei Dampfloks pro Tag in einer ansonsten fast lupenrein gewordenen Stadtluft als Problem gesehen werden (die zwei sind ja keine Einzelstimmen!), ohne deren Bedeutung für die Region erkennen zu wollen, geschweige denn zu würdigen, dann stimmt mich das traurig. Aber vielleicht sind ja die beiden genannten Stimmen wenigstens nicht repräsentativ.
Warum sollen wir denn was tun? Es kommt doch sowieso kein Tourist! Diesen Satz habe ich tatsächlich von einem in der Region Verantwortlichen gehört. Und wenn ich ihn mit der Rußgeschichte verknüpfe, entsteht ein Gesamtbild, das man mit dem Wort Scheuklappen hervorragend charakterisieren kann.
140 Kilometer planmäßig dampfbetriebenes Schmalspurnetz, angeblich in der Größe das einzige Europas. Touristen aus England, Japan, Holland und sonst woher, - zumindest bis Eisfelder Talmühle.
Ortswechsel: Vor kurzem hatte ich einen Markkleebergerin am Telefon, mit der ich über den nächsten Wander-Event (7-Seenwanderung) durch das ehemalige Braunkohlengebiet mit schon jetzt tausenden Anmeldungen sprach (die nnz wird berichten). Ich sagte ihr, das wir bei uns in Nordhausen und Umgebung als weit überregionales Alleinstellungsmerkmal sinkende Touristenzahlen haben, und das, obwohl wir nicht ehemaligen Braunkohlentagebaue zu bewerben haben, sondern eines der bekanntesten europäischen Mittelgebirge.
Markkleeberg hat im Gegensatz zum Südharz übrigens astronomische Steigerungen im Tourismus zu verzeichnen, wohlgemerkt nicht in einem Naturpark sondern in einem Gebiet mit ausgekohlten Braunkohlentagebauen.
Wir haben dafür den halbvolle Öl-und Farbkanister im Naturpark, um die sich niemand kümmert, und oftmals lokal Verantwortliche, die auf den jeweils anderen lokal Verantwortlichen warten, dass der eine Idee hat. Parallel dazu wird vielfach das, was schon als Chancen vorhanden ist, nicht oder mitunter als lästig gesehen.
Ist das etwa eine Mentalitätsfrage?
Im zweiten Teil lesen Sie etwas über hohe Fahrpreise, Ängste der HSB und weitere Befindlichkeiten der HSB-Anrainer…Bodo Schwarzberg
Museal einmalig, ästhetisch und untrennbarer Teil des Harzes: Die Harzer Schmalspurbahnen. Mit dem Zug am 05.03.2012 zum Brocken












