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Kunst mit einem Hauch von Donezk

Samstag, 16. Juni 2012, 20:59 Uhr
Sie hatten wohl alle am Vorabend im Fernsehen das Spiel der Fußball-Europameisterschaft in Donezk gesehen. Jedenfalls waren Besucher wie Aussteller beim Kunstmarkt in Friedrichsrode vorbereitet, als am Samstagnachmittag der Regen kam. Regenschirme und Plastikplanen waren schnell aufgespannt...

Die Nummer 22 (Foto: E. Seifert) Die Nummer 22 (Foto: E. Seifert)

Einmal im Jahr erwacht das 80-Seelen-Dorf aus seinem Dornröschenschlaf und wird zum Nabel der Welt. An dem kitzeln auch eifrig die Mitglieder des Zupforchesters Obergebra mit. Sie haben es gut. Plastikplanen und Regenschirme brauchen sie nicht. Ihr Auftrittsort – der Hof Kühne - ist überdacht, die „Bühne“ rustikal: Ein Stallfenster, hinter dem kein Stall mehr ist, ein Scheunentor ohne Scheune dahinter.

Die Nummer 22 (Foto: E. Seifert) Die Nummer 22 (Foto: E. Seifert) Ein Gitarrenquartett von der Musikschule Nordhausen sitzt unter den Einfüllstutzen für das Heizöl und ergänzt das Zupforchester. Der Beifall rauscht – das Zupforchester ist Stammgast beim Kunstmarkt. Und noch ein Gast aus dem Landkreis Nordhausen: die Ziegenalm aus Sophienhof. „Lieber bockig als zickig“ – der Ziegenkäse wird in Tragetaschen mit dieser Aufschrift gepackt. Daneben Stände mit Keramik und Töpferwaren, Schmuck und Handarbeiten. An Ständen mit antiquarischen Büchern kann man auch Erich Honeckers „Aus meinem Leben“ erstehen. Trotz Spottpreises scheint es aber ein Ladenhüter zu sein.

Einbezogen in das künstlerische Geschehen sind auch alle Besucher: Drei Kilometer vor dem Dorf fängt die Kunst an, auf der L 1016 einen Park- oder Standplatz für den PKW zu finden, auf halber Straßenbreite zu wenden und in eine Lücke zu rangieren. Die Feuerwehr Friedrichsrode und Kleinbrüchter ist im Großeinsatz als Verkehrsregler und Einweiser – vielleicht der einzige größere Einsatz im Jahr.
Man erinnert sich an den zweiten Kunstmarkt: Da genügte der kleine Parkplatz am Dorfeingang und im Dorf hingen Plakate mit der ungewissen Frage, ob das begonnene Projekt „Kunstmarkt“ – unter damaligen Bedingungen - wohl noch eine dritte Auflage erfahren wird. Nun war es die 22. Was klein begann, ist nun kaum noch zu bewältigen. Jedenfalls kaum bei Regen. Doch für die Organisatoren scheint die Sonne – immer!

Der Programmflyer nannte nicht weniger als 26 kulturelle Programmpunkte in Kirche und diversen Höfen, im Kuhstall und am Gänsestall. Beim nächsten Kunstmarkt werden es nicht weniger sein!
Eduard Seifert
Autor: nnz

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