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nnz-Forum: Romantik am Haltepunkt

Montag, 18. Juni 2012, 06:28 Uhr
So schön und romantisch hatte ich mir den Samstagabend nicht vorgestellt, als ich die Einladung für einen Bericht über die Eisfelder Thalmühle und die Tiefenbachmühle erhalten hatte. So beginnt er, der Bericht von nnz-Leser Manfred Kappler...


Der „Förderverein der Harzer Schmalspurbahnen“ hatte mich an den Haltepunkt Tiefenbachmühle für den Samstagabend hierzu eingeladen. Fast den ganzen Tag hatte es schon geregnet und die Nässe hing in den Tälern, in den Wäldern „kochte der Fuchs Kaffe“, somit war es nicht gerade ein einladender Tag. Aber versprochen ist versprochen.

So machte ich mich gegen 17.30 Uhr auf den Weg. Zum Glück hatte es etwas aufgeklart und der Himmel wurde Zusehends heller. Als ich an der Vereinshütte des historischen Bahnhofgebäudes der Tiefenbachmühle eintraf, saßen die Vereinsmitglieder in gemütlicher Runde um die Feuerstelle und ließen es sich gut gehen. Nach einer herzlichen Begrüßung und einigen erklärenden Worten, brachen wir auf zur ehemaligen „Mühle des Karl Eißfeldt“, der im Jahr 1826 diese Mühle auf der kleinen Wiese vor dem Schuhmannstal errichtet hatte. Da es bis in das Jahr 1829 keinen Namen für diese Mühle im Tal gab, ließ der Graf von Stolberg, den Namen „Eißfeldter Mühle“ einschreiben. Somit bekam diese Mühle den Namen des Erbauers, welcher dann auch später auch auf den Bahnhof mit übernommen wurde und bis heute weiter existiert.

Diese „Eisfelder Thalmühle“ zur Mahl- und Sägemühle mit Gaststättenbetrieb umgebaut, wurde zur beliebten Ausflugslokalität und als Ausspann der damals verkehrenden Personen-Postkutschen sowie der Händler und Holzfuhrleute. 1862 vernichtete ein Brand fast die ganze Mühle samt Wohnhaus. Alles wurde wieder aufgebaut, bis ein weiterer Brand am 18. Oktober 1913 die komplette „Eisfelder Thalmühle“ für immer vernichtete.

Wir hatten uns nun aufgemacht nach den letzten Resten der historischen Mühle zu suchen, denn nichts erinnert mehr an den Standort dieser Mühle, welches eigentlich sehr Schade ist, denn somit verkommt historisches Volsgut und die Geschichte von der alten Thalmühle geht unwiderruflich verloren.

Wir fanden einen Trampelpfad, der als Wanderweg ausgeschildert ist. Ja dann fanden wir als erstes einmal in die Landschaft geschmissenen Müll. Doch dann wurden wir unter dem Wildwuchs doch noch fündig. Wir entdeckten Vertiefungen und letzte Mauerrreste der ehemaligen Keller und anderer Anlagen bis zur vermuteten Radstube des Wasserrades. Später entdeckten wir sogar den alten Mühlgraben und den dazugehörigen Überlauf und Ablauf in die Behre als Durchbruch unter der Bundesstraße. Wir folgten dem Mühlgraben bis zur Wassereinleitungsstelle.

Wasserrechtlich war es nämlich untersagt, eine Staustufe oder Teich als Wasserreserve anzulegen. Somit wurde diese Mühle nur mit dem vorhandenen Fließwasser betrieben, was eine Einmaligkeit in der Region darstellt. Die Ableitung erfolgte nach dem Zusammenfluss von Tiefenbach und Behre.

Für die Gruppe war es unverständlich, dass so ein wertvolles einmaliges Geschichtsgut einfach der Vergesslichkeit preisgegeben wird. Genau das Gleiche geschied mit den Resten der Tiefenbachmühle. “Nur wer die Geschichte kennt, kann in die Zukunft planen!“ Nun ging es zurück zur Vereinshütte, dem Haltepunkt Tiefenbachmühle, wo das Feuer und freudig lodernd wieder grüßte. Nun wurde uns leckere Gulaschsuppe mit frischem Landbrot serviert.

Wir saßen in freudiger Runde ums Feuer und konnten sogar die letzten Sonnenstrahlen und die herrliche Landschaft und Natur noch genießen. Frau Hinze aus Wernigerode ließ die Flasche mit „Weidenröschen Likör“ (ganz lecker und kaum "Prozent") durch die Runde kreisen. Es wurde gesungen und gelacht und manch alte Geschichte wieder ins Gedächtnis gebracht.

Die Geschichte der beiden Mühlen durfte ich noch ausführlicher darlegen, so kamen wir in die alte Zeit, wo noch keine Rede von der Bahn war und die Menschen zu Fuß noch zur Arbeit gingen. Die Sonne war verschwunden und langsam zog die Nacht ins Tal. Der Abend war lau und die Glut des Feuers strahlte noch angenehm warm zu uns herüber. So saßen wir in dem romantischen Flair des Abends im Tal des Tiefenbaches neben dem Schienenstrang der HSB und genossen den doch noch schön gewordenen Tag.

Obwohl keiner die rechte Lust zum Aufbruch hatte mußte nun doch an das Ende gedacht werden. So ging ein erfolgreicher romantischer Juniabend etwas wehleidig zu Ende.
Manfred Kappler
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Autor: nnz

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