Ein "kleines" Jubiläum
Montag, 18. Juni 2012, 10:39 Uhr
Ein kleines Jubiläum findet am letzten Juniwochenende im Fachwerkhaus auf dem Hügel oberhalb der Kirche statt, denn Literaturfreunde treffen sich bereits zu den 15. Limlingeröder Diskursen, bei denen sich am 1. Tag ein deutschsprachiger Poet oder eine Poetin mit einer Lesung vorstellt...
Damit man ihn oder sie noch genauer kennenlernt, erzählt anschließend eine den Vortragenden gut kennende Person aus deren Leben und Schaffen.
In den ersten fünf Jahren fanden die Limlingeröder Diskurse im Dorfgemeinschaftshaus statt. Seit sie im Geburtshaus Sarah Kirschs ihr Domizil haben, zeigt auch ein Künstler sein aktuelles Werk. In diesem Jahr stellt Petra Albrecht, Weimar, taufrische Aquarelle und Zeichnungen aus. Bis dato hat sie sich vor allem als Holzschneiderin einen Namen gemacht. Sie wählte den Titel: ... Schönes, o Muse, möge ich besingen'. Inspiriert durch die Verse Sapphos, der ersten antiken Dichterin von der Insel Lesbos, und von einer Griechenlandreise führte sie Pinsel und Stift. Sie wird von Karin Kisker vorgestellt.
Nach der Ausstellungseröffnung liest der bekannte Autor Richard Pietraß aus Berlin, Jahrgang 1946. Er wird durch den Kunst- und Literaturwissenschaftler Jürgen Engler, gleichfalls aus Berlin kommend, vorgestellt. Beide kennen sich seit mehreren Jahren, so dass interessante Einblicke zu erwarten sind.
Pietraß wurde in Lichtenstein in Sachsen geboren, legte 1965 das Abitur mit Facharbeiterbrief als Hüttenwerker ab, studierte von 1968 bis 1975 Klinische Psychologie an der Humboldt-Universität Berlin, war Forschungsstudent. Damals lernte er Sarah Kirsch kennen und nahm an ihrem Seminar über Barockdichter teil. Mehrere Jahre war er Lyriklektor im Verlag Neues Leben und einige Jahre Redakteur der Literatur-Zeitschrift Temperamente.
Cover Poesiealbum (Foto: Archiv Kneffel)
Von 1977 bis 1979 und seit 2009 ist er der Herausgeber der Lyrikreihe Poesiealbum, die in der DDR von Bernd Jentzsch begründet wurde. Der Förderverein Dichterstätte Sarah Kirsch besitzt fast alle Ausgaben dieses einzigartigen Lyrik-Heftes, auch dank einer Schenkung des Slawisten Fritz Mierau. Darunter befindet sich das Poesiealbum 82 von 1974, mit dem Pietraß als Autor öffentlich wurde. Er lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Von ihm sind mehrere Gedichtbände erschienen, aber auch die Prosa ist ihm nicht fremd, er ist gleichfalls Übersetzer und Herausgeber. Für sein Dichten wurde er ausgezeichnet. Während der Veranstaltung findet selbstverständlich auch die bereits legendäre Kaffeetafel im Treppen-Haus und an der Hofmauer statt.
Nachmittags wandern die Teilnehmer auf dem Dichterweg Grüner Junipfad, führen Gespräche und lauschen dem Vortrag von Gedichten.
Am zweiten Tag, dem Sonntag, wird Pietraß den Literaturnobelpreisträger des Jahres 2011 vorstellen, den Schweden Tomas Tranströmer. Er ist einer der größten Poeten unserer Zeit. Seine dichte Bildersprache verschafft uns einen neuen Zugang zur Realität., so die Würdigung, als er den hohen Preis erhielt. Geboren wurde er 1931 in Stockholm. Nach dem Abitur studierte er Literaturgeschichte, Poetik, Religionsgeschichte und Psychologie an der Universität Stockholm. 1960 erhielt er eine Stelle als Psychologe an der Jugendstrafanstalt Roxtuna, 1965 zog die Familie nach Västeras. Von 1980 bis zum Ruhestand war er Berufsberater. Reisen führten ihn nach Spanien, Griechenland, den Balkan, in die USA. 1990 erlitt er einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung und Sprechblockade. Im Jahr 2000 zogen er mit seiner Frau zurück nach Stockholm.
1954 erschien sein erster Gedichtband, in der Zwischenzeit sind es dreizehn. Die Dichterin Nelly Sachs erkannte früh seine besondere lyrische Begabung und übersetzte schon 1965 Gedichte von ihm ins Deutsche. Jedes seiner Worte ist bewusst gesetzt, überflüssige Rhetorik oder schmückende Phrasen sind dem Schweden ein Greuel. Er gilt als der bedeutendste schwedische Lyriker der Gegenwart, seine Gedichte wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. Auf deutsch sind seine Gedichte im Hanser Verlag erschienen.
Richard Pietraß, einer seiner Übersetzer, benennt sein Dichten als wurzeltiefe, bildkühne wie rätselreiche, immer menschliche Poesie ... In der von Pietraß betreuten Lyrikreihe Poesiealbum ist als Nr. 298 auch ein Tranströmer-Heft erschienen. Die Edition wird vom Märkischen Verlag Wilhelmshorst publiziert.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzDamit man ihn oder sie noch genauer kennenlernt, erzählt anschließend eine den Vortragenden gut kennende Person aus deren Leben und Schaffen.
In den ersten fünf Jahren fanden die Limlingeröder Diskurse im Dorfgemeinschaftshaus statt. Seit sie im Geburtshaus Sarah Kirschs ihr Domizil haben, zeigt auch ein Künstler sein aktuelles Werk. In diesem Jahr stellt Petra Albrecht, Weimar, taufrische Aquarelle und Zeichnungen aus. Bis dato hat sie sich vor allem als Holzschneiderin einen Namen gemacht. Sie wählte den Titel: ... Schönes, o Muse, möge ich besingen'. Inspiriert durch die Verse Sapphos, der ersten antiken Dichterin von der Insel Lesbos, und von einer Griechenlandreise führte sie Pinsel und Stift. Sie wird von Karin Kisker vorgestellt.
Nach der Ausstellungseröffnung liest der bekannte Autor Richard Pietraß aus Berlin, Jahrgang 1946. Er wird durch den Kunst- und Literaturwissenschaftler Jürgen Engler, gleichfalls aus Berlin kommend, vorgestellt. Beide kennen sich seit mehreren Jahren, so dass interessante Einblicke zu erwarten sind.
Pietraß wurde in Lichtenstein in Sachsen geboren, legte 1965 das Abitur mit Facharbeiterbrief als Hüttenwerker ab, studierte von 1968 bis 1975 Klinische Psychologie an der Humboldt-Universität Berlin, war Forschungsstudent. Damals lernte er Sarah Kirsch kennen und nahm an ihrem Seminar über Barockdichter teil. Mehrere Jahre war er Lyriklektor im Verlag Neues Leben und einige Jahre Redakteur der Literatur-Zeitschrift Temperamente.
Cover Poesiealbum (Foto: Archiv Kneffel)
Von 1977 bis 1979 und seit 2009 ist er der Herausgeber der Lyrikreihe Poesiealbum, die in der DDR von Bernd Jentzsch begründet wurde. Der Förderverein Dichterstätte Sarah Kirsch besitzt fast alle Ausgaben dieses einzigartigen Lyrik-Heftes, auch dank einer Schenkung des Slawisten Fritz Mierau. Darunter befindet sich das Poesiealbum 82 von 1974, mit dem Pietraß als Autor öffentlich wurde. Er lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Von ihm sind mehrere Gedichtbände erschienen, aber auch die Prosa ist ihm nicht fremd, er ist gleichfalls Übersetzer und Herausgeber. Für sein Dichten wurde er ausgezeichnet. Während der Veranstaltung findet selbstverständlich auch die bereits legendäre Kaffeetafel im Treppen-Haus und an der Hofmauer statt. Nachmittags wandern die Teilnehmer auf dem Dichterweg Grüner Junipfad, führen Gespräche und lauschen dem Vortrag von Gedichten.
Am zweiten Tag, dem Sonntag, wird Pietraß den Literaturnobelpreisträger des Jahres 2011 vorstellen, den Schweden Tomas Tranströmer. Er ist einer der größten Poeten unserer Zeit. Seine dichte Bildersprache verschafft uns einen neuen Zugang zur Realität., so die Würdigung, als er den hohen Preis erhielt. Geboren wurde er 1931 in Stockholm. Nach dem Abitur studierte er Literaturgeschichte, Poetik, Religionsgeschichte und Psychologie an der Universität Stockholm. 1960 erhielt er eine Stelle als Psychologe an der Jugendstrafanstalt Roxtuna, 1965 zog die Familie nach Västeras. Von 1980 bis zum Ruhestand war er Berufsberater. Reisen führten ihn nach Spanien, Griechenland, den Balkan, in die USA. 1990 erlitt er einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung und Sprechblockade. Im Jahr 2000 zogen er mit seiner Frau zurück nach Stockholm.
1954 erschien sein erster Gedichtband, in der Zwischenzeit sind es dreizehn. Die Dichterin Nelly Sachs erkannte früh seine besondere lyrische Begabung und übersetzte schon 1965 Gedichte von ihm ins Deutsche. Jedes seiner Worte ist bewusst gesetzt, überflüssige Rhetorik oder schmückende Phrasen sind dem Schweden ein Greuel. Er gilt als der bedeutendste schwedische Lyriker der Gegenwart, seine Gedichte wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. Auf deutsch sind seine Gedichte im Hanser Verlag erschienen.
Richard Pietraß, einer seiner Übersetzer, benennt sein Dichten als wurzeltiefe, bildkühne wie rätselreiche, immer menschliche Poesie ... In der von Pietraß betreuten Lyrikreihe Poesiealbum ist als Nr. 298 auch ein Tranströmer-Heft erschienen. Die Edition wird vom Märkischen Verlag Wilhelmshorst publiziert.
Heidelore Kneffel


