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nnz-Forum: Nicht über die Köpfe

Donnerstag, 30. August 2012, 11:52 Uhr
Die in Nordhausen umstrittene Biomethananlage erhitzt immer mehr die Gemüter und immer stärker vernimmt man die Meinung der Bürger, dass diese Anlage nicht gebaut werden darf. Dazu eine Wortmeldung im Forum der nnz...

Anlagengegner (Foto: privat) Anlagengegner (Foto: privat)

Deshalb erscheinen der gestrige Beitrag der nnz zum Besuch des Bundestagsabgeordneten Manfred Grund zur Energietour in Nordhausen wie eine Provokation. Die betroffenen Bürger wehren sich und äußern ihren Unmut gegenüber dem Bau einer solchen Anlage lautstark und mit allem Nachdruck. Auffallend viele Mitbürger informieren sich intensiv und bitten um weitere Informationen zu diesem Thema. Hier stehen uns wissenschaftliche Einschätzungen, Statistiken und Empfehlungen, auch durch die große Politik zur Verfügung. Die Informationen sind reichhaltig und leicht für alle Interessierten zugänglich.

Bedauerlich ist aber das Schweigen zu den in unserer Petition gestellten Fragen an die Stadträte und den Oberbürgermeister unserer Heimatstadt. Es gab zwar eine vierseitige Antwort, diese räumte aber in keiner Weise die Bedenken und Vorbehalte der Bürger aus! Auch der Bitte um eine öffentliche Debatte und einer Informationsveranstaltung mit den Initiatoren der Petition und den Verantwortlichen der Stadt wurde keine Beachtung geschenkt! So ist es den Bürgern nicht möglich, aktiv an den konkreten Planungsphasen mitzuwirken und sich einzubringen, so wie es im Schreiben vom Oberbürgermeister heißt.
Aus diesem Grund fragen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative „Stopp Biogas Nordhausen i.G.“ und die Initiatoren der Petition nach den Gründen und Ursachen für diese passive Haltung seitens der Stadt.

Fehlen den Verantwortlichen vielleicht die notwendigen Informationen zur Beantwortung unserer Fragen und Bedenken? Die Mitglieder der Bürgerinitiative haben deshalb für unseren Oberbürgermeister und unsere Stadträte, als auch für die Presse, Informationen zusammengetragen und werden diese in den nächsten Tagen persönlich übergeben! Deutschlandweit teilen viele Mitbürger unsere Bedenken und organisieren sich in vergleichbaren Initiativen.

Fast täglich gibt es weitere wissenschaftliche Erkenntnisse, die gegen diese Art von Energiegewinnung sprechen. Auch auf Bundesebene votieren führende Politiker für eine Gesetzesänderung und sprechen sich offen gegen die weitere Förderung dieser Technologie aus. Es wird höchste Zeit, die Diskussion um Energie aus nachwachsenden Rohstoffen grundsätzlich und ehrlich zu führen! Es geht um ökonomische, aber auch um moralisch-ethische Fakten und nicht um nackte Zahlen, Erntestatistiken oder Gewinnprognosen!

Es geht um die Verantwortung für das Leben von Millionen Menschen, die die erhöhten Nahrungsmittelpreise hinnehmen müssen, weil Spekulanten und Landwirte über steigende Preise für Agrarprodukte jubeln. Weil immer mehr Mais in Biogasanlagen landet, wird immer mehr Mais angebaut und anschließend in Methangas umgewandelt. Dies ist nur dank großzügiger staatlicher Beihilfen möglich! Das weitere Vorgehen führt zu Monokulturen und nachfolgend zu Schäden im gesamten Ökosystem!

Die Nationalakademie Leopoldina mit ihren Nobelpreisträgern hält den Bioenergiesektor in Deutschland für eine Fehlentwicklung und warnt davor, dass der ökologische Preis zu hoch ist und gesamtgesellschaftlich betrachtet, andere regenerative Energien zukunftsträchtiger sind! Wir sollten unsere Natur und unseren Lebensraum nicht kurzsichtig den absehbaren Risiken einer bioenergetischen Transformation aussetzen. Deshalb sagen wir erneut, dass das Profitstreben Einzelner nicht zur Zerstörung der Natur, der Landwirtschaft und des menschlichen Lebensraums führen darf. Auch sollte die Förderung von Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen auf Technologien beschränkt bleiben, die nicht zur Verteuerung von Nahrungsmitteln, Wasser, Benzin und Ackerland führen und somit die Lebensqualität der Menschen nachhaltig verschlechtern!

Wir erwarten von den Verantwortlichen die zugesagte Bürgerbeteiligung, die Antworten auf die gestellten Fragen und ein sachliches Miteinander! Zur Demokratie gehört Respekt und Dialog! Beides geht uns mehr und mehr verloren und die Ablehnung und Aggression gewinnt dabei immer mehr Raum! Wir warten auf den Moment, nein, wir fürchten uns vor dem Augenblick – der Entmenschlichung, dem Verwenden von militärischen Begriffen und klaren Feindbildern!

Sehr geehrte Damen und Herren im Stadtrat, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister! Nein, Ihre Verantwortung wollen wir nicht haben und bitten Sie, betrachten Sie die Situation mit klarem Kopf und Verstand! Bitte schützen Sie die Menschen, die Umwelt und nicht den Profit! Profit kann an vielen Stellen erwirtschaftet werden, Lebensqualität und sozialer Friede sind ein hohes Gut und dürfen nicht dem schnöden Mammon geopfert werden! Ihre Entscheidungen haben in jedem Fall Folgen und es obliegt Ihnen, ob man in Zukunft von einer richtigen Entscheidung sprechen wird oder nur vom Weg des geringsten Widerstandes!

Um den Wunsch vieler Mitbürger nach Informationen einen Anlaufpunkt und unserem Wunsch nach Bürgerbeteiligung einen Rahmen zu geben, findet am 18.09.2012 die Gründungsversammlung der Bürgerinitiative „Stopp Biogas Nordhausen“ statt. Mit mehr als 2200 Unterschriften unter unsere Petition ist eine überwältigende Resonanz bei unseren Mitbürgern spürbar und das ermutigt uns zu diesem Schritt.

Wir freuen uns auf eine intensive Bürgerbeteiligung und viele Besucher aus ganz Nordhausen und Umgebung. Beginn ist 19:00Uhr! Der genaue Ort wird noch öffentlich bekannt gegeben. „Bürger von Nordhausen zeigt Gesicht und wehrt Euch gegen das Profitstreben Einzelner und rettet Natur, Umwelt, Land und Eigentum, kämpft um den Erhalt eurer Lebensqualität in Nordhausen!
Bringt eure Besorgnis und Ablehnung mit Protestresolutionen deutlich zum Ausdruck! Gemeinsam werden wird es schaffen, die Verantwortlichen für diese Biogasanlage zum Umdenken zu bewegen und für andere Alternativen zur Nutzung regenerativer Energien zu gewinnen!“

Unsere Anlaufstellen lauten: Schwarzer Weg 8, 99734 Nordhausen OT Himmelgarten, Tel. 03631 897863
Stoppbiogas.ndh@aol.de und www.Facebook.com/StoppBiogasNordhausen
Wilfried Roßmell
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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