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Bildung im Paket

Donnerstag, 11. Oktober 2012, 08:59 Uhr
Wie das Bildungspaket der Bundesregierung in den Regionen umgesetzt wird, darüber haben sich gestern Vertreter von Landratsämtern und Jobcentern aus mehreren Thüringer Landkreisen im Nordhäuser Jobcenter ausgetauscht. Einzelheiten wie immer mit dem bekannten Klick...


Dieser erste überregionale Erfahrungsaustausch sollte dazu dienen, praktische Verbesserungspotentiale bei der Ausgestaltung des gesetzlichen Rahmens zu diskutieren. Denn für die konkrete Umsetzung vor Ort hat der Gesetzgeber nicht alle Einzelheiten beschrieben. Was zählt beispielsweise zur sozialen und kulturellen Teilhabe, was nicht? Wie ist die Zusammenarbeit mit den Schulen geregelt, um den Bedarf einer Lernförderung festzulegen?

Über diese und weitere spezielle Fragen diskutierten heute die Verwaltungsmitarbeiter, die das Bildungspaket täglich bearbeiten. Ein Beispiel: Da es sich um eine kommunale Leistung handelt, hat der Bund keine einheitlichen Formulare verbindlich vorgegeben. So musste jeder Landkreis seine eigenen entwickeln. Auch die Organisation der Leistungsgewährung war ein Thema. Eine Schwierigkeit beim Bildungspaket besteht in den unterschiedlichen Zuständigkeiten.

Das Jobcenter kümmert sich um die Anträge der Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld nach dem SGB II, das Landratsamt um die der Wohngeld-, Kinderzuschlag- und Sozialhilfeempfänger sowie Asylbewerber. Da es Fälle geben kann, dass selbst Kinder in ein und derselben Familie in unterschiedliche Rechtskreise und damit verschiedene Zuständigkeiten fallen, hat der Landkreis Nordhausen als einziger der bei der Beratung vertretenen Kreise eine gemeinsame Anlaufstelle mit Dienstsitz im Gebäude des Jobcenters in der Uferstraße eingerichtet.

Dies sollte die Antragstellung für die Leistungs­berechtigten erleichtern, kurze Dienstwege ermöglichen und aus Verwaltungssicht Synergieeffekte bewirken. Dieses Anliegen ist nach der inzwischen rund eineinhalb jährigen Erfahrung mit dem Bildungspaket aufgegangen. Im Ergebnis der Beratung in Nordhausen wird sich die landkreisübergreifende Vernetzung der Praktiker nun verstärken. Arbeits- und Entscheidungshilfen wird man sich gegenseitig zur Verfügung stellen. Der fachliche Austausch wird fortgesetzt. Auch die nächste gemeinsame Besprechung ist bereits in Planung.

Beantragt werden können über das Bildungspaket Kita- und Schulausflüge sowie mehrtägige Klassenfahrten, ein Zuschuss zum Mittagessen in Kitas und Schulen, Lernförderung für Schüler, bei denen in Absprache mit der Schule ein zusätzlicher Bedarf gesehen wird und die Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben. All diese Leistungen werden direkt mit den Anbietern abgerechnet. Deshalb gab es im Landkreis Nordhausen frühzeitig Gespräche mit den Leistungsanbietern wie beispielsweise den Essensversorgern, um die Abwicklung des Bildungspakets zu besprechen.

So rechnen Jobcenter und Landratsamt die zu erbringenden Leistungen derzeit mit 23 Anbietern von Mittagessen, 12 in der Lernförderung und 72 Anbietern im Bereich sozialer und kultureller Teilhabe Leistungen ab. Letztere sind u.a. die Musikschule, Vereine oder Tanzstudios. Als Geldleistungen werden weiterhin 100 Euro je Schuljahr für Schulbedarf ausgezahlt, gesplittet auf 70 und 30 Euro pro Halbjahr, sowie in bestimmten Fällen die Schülerbeförderung.

Schwierig ist tatsächlich zu sagen, wie viele junge Menschen man bislang erreicht hat. Von den hochgerechnet etwa 3.500 leistungsberechtigten Kindern und Jugendlichen im Landkreis Nordhausen haben in den ersten drei Quartalen dieses Jahres gut 2.200 Kinder vom Bildungspaket profitiert, wobei viele auch mehrere Leistungen in Anspruch genommen haben. Rund zwei Drittel der leistungsberechtigten Kinder kommen aus dem Rechtskreis SGB II, werden also vom Jobcenter betreut.

Die am meisten nachgefragte Leistung ist nach wie vor das Mittagessen, gefolgt von Fahrten und Ausflügen. Von den 670 Kindern, die das Landratsamt im Bildungspaket aktuell betreut, nutzen 331 regelmäßig die Mittagsverpflegung. Dasselbe Bild zeichnet sich im Jobcenter ab: 45 Prozent der Anträge aus dem 1. Halbjahr 2012 bezogen sich auf das Mittagessen, 38 Prozent auf Fahrten und Ausflüge, 11 Prozent auf soziale und kulturelle Teilhabe und jeweils 3 Prozent auf die Lernförderung und die Schülerbeförderung.

Zu erreichen sind die Ansprechpartner zum Bildungspaket im Jobcenter Landkreis Nordhausen, Uferstraße 2, Telefon 03631 650-448 bzw. -129. Im Internet gibt es Informationen sowie Antragsformulare zum Herunterladen unter www.landratsamt-nordhausen.de im Menüpunkt Landratsamt – Jobcenter.
Autor: nnz

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