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Zuversicht sieht anders aus

Montag, 15. Oktober 2012, 12:24 Uhr
Nach vorsichtigem Optimismus im Frühjahr wächst inzwischen die Angst der Thüringer Unternehmer vor einer neuerlichen Konjunkturflaute. Trotz derzeit gut gehender Geschäfte beurteilen die Firmenchefs die Aussichten für die kommenden Monate wieder etwas schlechter...


Sinkende Auftragseingänge, eine rückläufige Produktion und die anhaltende Verunsicherung über die Auswirkungen der Schuldenkrise im Euroraum prägen den zunehmenden Konjunkturpessimismus. So fällt der Klimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, um 11 Punkte im Vergleich zur vorhergehenden Umfrage und erreicht nur noch 101 von 200 möglichen Punkten. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 900 Unternehmen in Nord- und Mittelthüringen.

„Der Gegenwind wird auch für die Thüringer Firmen zunehmend rauer. Die Staatsschuldenkrise im Euroraum, hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie eine nachlassende Inlandsnachfrage bereiten den Unternehmern immer mehr Sorgen“, informiert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.

Entsprechend zurückhaltend seien die Prognosen für die nächsten Monate. Gut ein Viertel der Befragten habe die Geschäftserwartungen zurückgeschraubt und rechne mit einer ungünstigeren wirtschaftlichen Entwicklung. Sinkende Auftragseingänge und eine niedrigere Produktionsauslastung ließen geplante Investitionen erst einmal in die Schublade wandern. So beabsichtigten 42 Prozent der Unternehmer ihre Ausgaben zu senken oder gar nicht zu investieren.

„Zwar reagiert der Arbeitsmarkt in der Regel erst verzögert auf konjunkturelle Veränderungen, doch auch hier ist eine Trendwende im Gang. Die Unternehmer stellen ihre Personalplanungen zunehmend auf den Prüfstand“, so der IHK-Chef. Große Einbrüche seien jedoch nicht zu erwarten. Drei von vier Firmenchefs wollten die aktuelle Mitarbeiterzahl halten und sieben Prozent sogar neue Jobs schaffen.

„Es spricht also nur wenig für eine lang anhaltende Durststrecke. Zumal sich die Firmen aktuell noch in einer guten Verfassung präsentieren“, stellt Grusser fest.

Branchenübergreifend würden 36 Prozent der Befragten ihre Situation mit gut einschätzen und immerhin 48 Prozent seien mit ihrer Geschäftslage noch durchaus zufrieden. Die überwiegende Mehrzahl der Betriebe (83 Prozent) arbeite mit Gewinn oder zumindest kostendeckend.

Hauptsächlich die Industrie hätte sich bislang recht erfolgreich gegen die Krisenerscheinungen behaupten können. Allerdings werde die Luft für viele Unternehmen auch hier immer dünner. „Vor allem die exportabhängigen Betriebe bekommen die sinkende Nachfrage aus Südeuropa zu spüren und müssen Auftragsrückgänge verkraften. Dementsprechend skeptisch blicken die Unternehmer auf die kommenden Monate“, berichtet der IHK-Hauptgeschäftsführer. Nur 13 Prozent rechneten mit einem günstigeren Geschäftsverlauf. Mehr als doppelt so viele (28 Prozent) würden eine Verschlechterung ihrer Situation erwarten. Nichtsdestotrotz laufe derzeit bei mehr als jedem Vierten die Produktion auf vollen Touren. Knapp die Hälfte der Befragten erwirtschafte Gewinne.

Auf einem stabilen Konjunkturpfad befinde sich das Dienstleistungsgewerbe. Die Auftragslage in der Branche sei konstant hoch. Über 50 Prozent der Serviceanbieter könnten sich über eine gute Geschäftslage freuen und arbeiteten in der Gewinnzone. Dennoch sei der Blick in die Zukunft nicht ganz ungetrübt. Ein Viertel der Dienstleister rechne in den kommenden Monaten mit Umsatzeinbußen.

Auch das Baugewerbe könne auf eine wirtschaftlich gute Entwicklung verweisen. 82 Prozent der Bauunternehmer würden ihre aktuelle Situation mit gut bis befriedigend beschreiben. Jeder Fünfte verzeichne ein Auftragsplus und nur noch 12 Prozent der Befragten schreibe rote Zahlen. Inzwischen laste rund die Hälfte der Betriebe die Kapazitäten zu über 80 Prozent aus.

Im Einzelhandel bleibe die Stimmung weiter angespannt. Für jeden zweiten Unternehmer habe sich die Ertragslage erneut verschlechtert und knapp ein Drittel stecke in den roten Zahlen. 35 Prozent der Händler erwarte auch künftig einen schlechteren Geschäftsverlauf und rückläufige Umsätze. Hohe Preise an den Zapfsäulen und steigende Energiekosten belasteten die Geldbeutel der Verbraucher aber auch die Bilanzen der Einzelhändler.

Das Verkehrsgewerbe sei aktuell das größte konjunkturelle Sorgenkind. Mehr als die Hälfte der Befragten fahre Verluste ein, nur noch 21 Prozent berichteten von einer guten Geschäftslage. Die hohen Spritpreise würden inzwischen die Existenz zahlreicher Verkehrsunternehmen gefährden.

Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: „Zuversicht sieht anders aus. Die wirtschaftliche Lage vieler Euroländer spitzt sich weiter zu und das Risiko, dass die Währungsunion auseinanderbricht, ist keineswegs gebannt. Verständlich, dass unter diesen düsteren Vorzeichen in der Mehrzahl der Thüringer Betriebe die Stimmungslage eher von Unsicherheit und Skepsis geprägt wird. Planungssicherheit ist aber das Fundament für Investitionen, Beschäftigung und Wachstum. Ohne sie dürfte sich in den kommenden Monaten die konjunkturelle Dynamik weiter verlangsamen.“
Autor: red

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