nnz-online

nnz-Betrachtung: Ausgeschrieben

Freitag, 21. Dezember 2012, 08:19 Uhr
Das nächste Rolandsfest wird nicht mehr so sein, wie die bisherigen. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Die Kommune will sich zurückziehen und gibt die Verantwortung in private Hände...


Der nnz liegt die Ausschreibung vor, die an mehrere Veranstalter geschickt wurde. Ohne das da ein Profi drüberguckt, sei gesagt: Die Maßstäbe, die seitens der Stadt Nordhausen angelegt werden, die könnte vermutlich nicht einmal die Kommune selbst erfüllen. Vor allem vom zeitlichen Rahmen her.

Da soll sich der private Veranstalter nicht mehr mit dem Petersberg als Ort des "Rolandsfestivals", sondern mit dem Gehege herumplagen und zwei Vorschläge für überregional bekannte Künstler, für den Höhepunkt des Rolandsfestes, servieren. Das allein schon ist mehr als lächerlich, denn wer die Szene kennt, der weiß, dass ein halbes Jahr vor einem solchen Event ein "Konzertabend für Jugendliche mit Eintritt" kaum ein Künstler, der "überregional bekannt" ist, gebucht werden kann.

Und im Übrigen sollen natürlich die Bühnen am Rathaus und am Theater non stop bespielt werden. Dazu gibt es konkrete Vorstellungen der Stadtverwaltung, die auf drei Seiten festgehalten sind. Leistungen der Stadt gibt es natürlich auch - die stadteigene Bühne wird kostenlos zur Verfügung gestellt, man wird Kontakte zu Vereinen vermitteln und Unterstützung beim Einholen von Genehmigungen geben.

Das war es. Kein Wort von einem städtischen Zuschuss, mit dem ein privater Veranstalter planen kann. Kann überhaupt in einem solch kurzen Zeitraum geplant werden? Für das nächste Altstadtfest zum Beispiel haben die Planungen vor einigen Monaten begonnen.

Bleibt die Frage der Finanzierung. Am Ende will ein Veranstalter privater Natur einen Gewinn machen. Warum sollte er sonst investieren? Die Stadtverwaltung Nordhausen soll in diesem Jahr einen Verlust von 100.000 Euro mit dem Rolandsfest gemacht haben. Das wird auch in den zurückliegenden Jahren so gewesen sein. Zahlen werden nicht genannt.

Das großzügige Agieren der Nordhäuser Verwalter bei derartigen Events hat eine mehrjährige Tradition, die im Jahr 2004 begann, als mit dem gigantischen Festival "Noise Garden" ein gigantischer Verlust von knapp einer Viertel Million Euro hingelegt wurde.

Wir Nordhäuser werden uns ab sofort auf ein "Rolandsfest-Light" einstellen müssen. Das aber auch nur deshalb "light" ist, weil in den zurückliegenden Jahren aus den "Vollen" geschöpft wurde. Frei nach dem Motto "Koste es, was es wolle", schließlich leistet sich die Stadt Nordhausen im erst beginnenden Zeitalter von Tablet und e-Book auch eine Bibliothek für vermutlich 15 Millionen Euro.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de