nnz-online

Paul Otto Knust, ein Künstler aus Heringen

Sonntag, 10. November 2013, 14:55 Uhr
Selbstporträt (Foto: Archiv Kneffel) Selbstporträt (Foto: Archiv Kneffel) Im restaurierten älteren Heringer Schloss ist einer der Räume im dritten Stock für Kunstausstellungen bereit gehalten. Am kommenden Freitag (15. November) wird ab 19.00 Uhr ein Teil des künstlerischen Nachlasses des aus Heringen stammenden Künstlers Paul Otto Knust vorgestellt, den er seiner Geburtsstadt vermachte...


Knust tat wenig, um sich als Künstler öffentlich darzustellen, obwohl er sich der Malerei und Grafik mit großer Intensität verschrieben hatte. Die Ausstellung im Schloss ist ein Einstieg in seine Kunstwelt, denn es kann nur ein kleiner Teil seiner vielfältigen künstlerischen Arbeit gezeigt werden. Der Besucher sieht farbige Porträts, Genreszenen, Landschaften und Stillleben aus unterschiedlichen Schaffensperioden.

Zirkus (Foto: Archiv Kneffel) Zirkus (Foto: Archiv Kneffel)

Karin Kisker und Heidelore Kneffel wurden von der Interessengemeinschaft Schloss Heringen gebeten, die Ausstellung zu kuratieren und in die Kunst des Paul Otto Knust einzuführen. Da dieser auch ein mehrere Instrumente Spielender war, darf Musik zur Ausstellungs-Eröffnung nicht fehlen. Raja Rosa Krenz bietet Gesang und Gitarrenklänge.

Studien (Foto: Archiv Kneffel) Studien (Foto: Archiv Kneffel) Geboren wurde er am 10. Mai 1919 in dem Städtchen an der Helme. Sein Vater war Bohrmeister und kam in der Welt herum, denn er war in der bekannten Firma Anger & Söhne in Nordhausen tätig. Als Brunnenbohrer kam er z. B. nach Afghanistan und Afrika. Er war Wünschelrutengänger, was Otto anfangs skeptisch betrachtete, dann aber davon überzeugt wurde.

Paul Otto besuchte die Volksschule in seiner Heimatstadt und in Nordhausen die Mittelschule, die er infolge wirtschaftlicher Notlage nicht abschließen konnte. 1933 begann er die Lehre als Junghelfer bei der Deutschen Reichsbahn, mit 18 Jahren war sie beendet und Otto wurde Reichsbahn-Gehilfe, bis er am im April 1938 zur Wehrmacht einberufen wurde. Am Feldzug gegen Polen und Frankreich nahm er als Kradmelder teil, an dem gegen Russland als Kompanie- und Gruppenführer.

Verwundet wurde er in das Lazarett nach Nordhausen gebracht. Nach der Entlassung tat er Dienst in einer Genesungskompanie, dann in einer Ausbildungseinheit als Schreiber. Da er gesundheitlich nicht mehr in der Armee eingesetzt werden konnte, wurde er 1943 wieder bei der Deutschen Reichsbahn eingestellt und in Heringen zum Reichsbahn-Betriebswart ausgebildet. Nach bestandener Prüfung wurde er in Stolberg/Harz Fahrdienstleiter und Aufsichtsbeamter. Ende September legte er in Kassel die Prüfung zum Reichsbahn-Assistenten ab.

Es folgte eine kurze Arbeitszeit auf dem Bahnhof in Nordhausen, bevor er Anfang 1944 nach Tilburg in Holland abgeordnet wurde. Dort machte er die Bekanntschaft holländischer Maler, was sich nachhaltig bei ihm niederschlug, zumal er seit Kindheitstagen gern zeichnete. Er flüchtete 1945 von Tilburg nach Sangerhausen.

Knust hatte in Ostpreußen, wo er im Panzerregiment tätig war, Gertrut Knato kennen gelernt, Tochter eines Möbelfabrikanten. Man heiratete im Frühherbst 1941, der Sohn Bernd wurde geboren. 1944 kamen Frau und Sohn nach Heringen, wo sich Knusts Eltern bereits 1934 ein Haus an der Peripherie der Stadt gekauft hatten.

Nach seiner Heimkehr malte und zeichnete er ständig und suchte vergebens Anstellung in einer Möbelfabrik. Neben seiner Sportbegeisterung (Fünfkampf, Boxen, Fußball, Schach) besaß er Musikalität. Er spielte Zitter, Gitarre, Schifferklavier u. a. So zog er zum Geldverdienen mit zwei Freunden spielend über Land. Dann tauchte er in der Ostsee nach Minen.

Von 1948 bis 1953 studierte Knust an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle Grafik, Malerei und Kunstgeschichte.

Landschaft (Foto: Archiv Kneffel) Landschaft (Foto: Archiv Kneffel)

Der Lehrbetrieb war erst 1947 wieder aufgenommen worden und geprägt durch „Bauhaus“- Lehrer wie Herbert Kitzel, Hermann Bachmann, Charles Crodel, Gerhard Marks, Jochen Seidel und Fritz Leweke. Mit dem Beginn der „Formalismusdebatte“ gingen viele seiner Lehrer nach Westdeutschland, darunter auch Crodel, den er sehr verehrte.

1953 beendete Knust das Studium. Bestandteil seiner Diplomarbeit war das Ölbild „Der Schweißer“, das gezeigt wird. Er war wenige Jahre Kunsterzieher an einer Schule, dann bis 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lektor und Lehrer für Kunst, Kunstgeschichte, Schriftgestaltung und ästhetische Erziehung an der Pädagogischen Hochschule in Halle. Hinzu kam sein Wirken als freischaffender Künstler. 1990 beendete er seine Lehrtätigkeit in Halle und lebte in Heringen, dort starb er am 10.7.2009.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de