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Unglaubliche Vorwürfe

Mittwoch, 13. November 2013, 10:10 Uhr
Das „Netz“ ist schon eine wunderbare Angelegenheit, es eröffnete Menschen eine bislang unbekannte Dimension der Informationsbeschaffung und der Kommunikation. Es kann aber auch „kaputt machen“. Einem Nordhäuser widerfährt derzeit eine beispiellose Verleumdungskampagne. Gestern wurde der Mann sogar bedroht...


Andreas H. kocht für sein Leben gern. Auch deshalb hatte sich der Mann an einem Wettbewerb eines Salat-Herstellers beteiligt, dessen Name seinem ähnelt. Das ist nur die Vorgeschichte, sie gehört aber dazu, weil Herr H. im Vorjahr den dritten Platz in einem Kartoffelsalatwettbewerb belegte und 2013 den ersten Platz von 25.000 Teilnehmern erreichte. Seitdem lächelt er nicht nur von Kartoffelsalatdosen, sondern auch vielen Plakaten in Nordhausen

Andreas H. hat außer Kochen mindestens noch ein weiteres Hobby, er mailt gern Skurriles und Kurioses, mitunter auch Service-Tipps in einem Newsletter in die weite Internet-Welt hinaus. Seit 20 Jahren macht der Mann das, auch informierte er seine die Menschen, die seinen Newsletter abonniert hatten über die Betrugspraktiken eines Thorsten A. Hier vermutet Herr H. eventuell einen Zusammenhang mit dem, was ihm seit dem 21. August widerfährt.

In einem Blog bei WordPress, einer US-amerikanischen Firma, wird er unter anderem offen als Besitzer und Verteiler von Kinderpornographie beschimpft. Obskure Zusammenhänge werden da konstruiert, unterm Strich ist das widerlich. „Es zerstört mich“, sagt Andreas H. im Gespräch mit der nnz. Auch viele seiner Abonnenten sehen das so und unterstützen ihn – auf Facebook, in seinem Gästebuch, wo es geht.

"Ich habe mich nach Bekanntwerden all dessen sofort mit einer Anzeige gegen unbekannt an die hiesige Polizeidienststelle gewandt. Es gibt ein Aktenzeichen (TH1501-015058-13/0) aber bislang keine Reaktion seitens der Polizei". Verständigt hat der Nordhäuser sofort auch die Firma Homann, die ihm jegliche Unterstützung zugesagt hatte, vor allem juristischer Natur. Die hat neben dem Firmenanwalt auch einen Spezialanwalt für Internetkriminalität eingeschaltet.

Bislang hatte sich die „Aufregung“ im Netz jedenfalls in Grenzen gehalten. Bis gestern. Da klingelte es an seiner Wohnungstür und er wurde - seinen Angaben zufolge - von jungen, vermutlich netzaffinen Leuten auf das Übelste beschimpft, teilweise sogar bedroht. Erst nach mehrmaligen Anrufen bei der Polizei habe die einen Streifenwagen hingeschickt, so Herr H. gegenüber der nnz. Die Beamten sorgten für Ruhe.

Für Andreas H. ist nichts mehr wie es einst war. Er hat mittlerweile Angst in den Supermarkt zu gehen. Andreas H. ist fertig und kann nicht begreifen, was mit ihm geschehen ist. Eigentlich kann er das alles nicht wirklich verhindern, denn der mutmaßliche Verursacher soll sich in Lateinamerika aufhalten und WordPress gibt den Inhaber des Blogs nicht heraus, dazu bedarf es eines Beschlusses eines US-Gerichts. Vielleicht sollte die Nordhäuser Polizei mal freundlicherweise bei der NSA nachfragen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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