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nnz-Betrachtung: Namen

Montag, 09. Dezember 2013, 15:23 Uhr
In Nordhausen wird derzeit viel über Namen diskutiert. Über den der Kulturbibliothek und nun - endlich mal was Neues - über den des Einkaufszentrums am Pferdemarkt. Das ist gut so - vor allem für die Akteure in der Politik...


Denn der Streit um banale Namen lenkt ab von den wichtigen Dingen. Im Großen wie im Kleinen, also auch hier unten an der Basis. Bei Namen, so denkt man, kann der Bürger endlich mal mitreden. Hier kann er auch mal den Wutbürger machen. Oder den Kulturbürger. Oder so.

Dabei ist es für die künftige Politik in dieser Stadt eher wirklich unwichtig, ob neben dem Nordhäuser Rathaus ein Nicolai-Forum oder ein Bürgerhaus eventuell im nächsten Jahr in Betrieb gehen wird. Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn all diese Kultur-Wut-Bürger auch nur ein einziges Mal gefragt hätten, was die Betreibung dessen alles kosten wird? Wie hoch die Betriebskosten sein werden? Ob wir uns das wirklich alles leisten können?

Und dabei hätten sie doch schon mal gleich "nebenan" fragen können. Sozusagen. Gehört die ehemalige Oberbürgermeisterin nicht zu den Protagonisten der Nikolai-Forum-Befürworter? Angeblich sollte doch schon bei der Planung eines Gebäudes dieser - wie sagte ein SPD-Mann im Stadtrat - historischen Dimension auch an die finanzielle Dimension gedacht werden. Bei aller bibliophilen Euphorie.

Und ich hätte mir gewünscht, dass genau diese Petenten auch mal gefragt hätten, wie all diese Kultur in Summe in den kommenden Jahren überhaupt zu finanzieren ist? Selbst für einen immer und immer abwartenden Oberbürgermeister sollte klar sein, dass die Verteilmasse immer kleiner wird. Warum wird also nicht gesagt, wo wegzunehmen ist, wenn für Kultur mehr auszugeben ist? Bei der Straßenunterhaltung? Noch mehr Brücken sperren? Dr. Klaus Zeh wird wissen, wie viel Geld es künftig weniger zu verteilen gibt. Er muss es einfach nur mal sagen. Statt dessen lässt er die Diskussion um den Namen der Kulturbibliothek laufen. Gut so, denkt man im Rathaus und Stadtrat, das lenkt ab.

Namensstreit um "Echte Nordhäuser Marktpassage" (Foto: nnz) Namensstreit um "Echte Nordhäuser Marktpassage" (Foto: nnz)

Seit der vergangenen Woche gibt es eine zweite Ablenkungsoffensive in Nordhausen. Wieder hat sie es mit einem Namen zu tun. Doch im Gegensatz zum öffentlichen Gebäude der KuBiBo, handelt es sich hier um Privatbesitz. Und so lange bei der Beschriftung nicht gegen geltendes Bau- oder sonst-wie-wo-Recht verstoßen wird, so lange sucht der die Musik aus, der sie nicht nur bestellt, sondern auch bezahlt hat.

Das ist in diesem Fall der Investor und kommt aus Düsseldorf. Mit einem Nordhäuser Unternehmen hat er sich auf einen Namen geeinigt, einen Kontrakt unterschrieben, der nun umgesetzt wird. Beide Vertragspartner haben sich für einen Namen entschieden. Punkt und Aus.

Und mal ehrlich, was wäre gewesen, wenn das Teil dort am Pferdemarkt "Schnapskarton". "Kornkammer" oder "Altstadtpassage" benannt worden wäre, wie es Leser der nnz forderten? Die gleiche Diskussion wäre entbrannt. Gut also, dass es in diesem Fall keine Demokratie gibt. Hier bestimmt der Besitzer. Und wenn irgendwann einmal Wacker Nordhausen und die Stadt Nordhausen als Eigentümer des Albert-Kuntz-Sportparks einen Investor finden, der den AKS in "XY-Arena" umbenennen will und dafür viele, viele Scheinchen hinblättert, dann wird der AKS eben in XY-Arena umbenannt. So einfach ist das, wenn man nicht im demokratischen Sozialismus lebt.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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