pro memoria: Hermann Hendrich
Montag, 17. Februar 2014, 12:13 Uhr
Anlässlich des nahenden 160. Geburtstages des großen Malerpoeten der deutschen Volkssage, Hermann Hendrich, Heringens und Kleinfurras berühmter Sohn, stellt in einer historischen Reminiszenz, Horst Rasemann, einmal den großen, verehrten Maler vor...
Eingebettet ins Erosionstal der Wipper zwischen Hainleite im Süden und der Windleite im Norden liegt Kleinfurra. Dieser Ort zählt mit zu den ältesten im Land Thüringen und wurde 876 erstmals urkundlich erwähnt.
Zu den historischen Gebäuden in Kleinfurra gehört auch die ehemalige Wippermühle unterhalb des Mühlberges, einer kleinen aus Buntsandstein bestehenden mit Buschwerk und Bäumen bewachsenen Erhebung. Hier verlebte der berühmte Maler Hermann Hendrich seine Jugendjahre.
Eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus, der sogenannten Hendrich Mühle die 1924 angebracht wurde, weist auf ihn hin. (siehe Foto) Auch eine Straße wurde im Neubauviertel in Kleinfurra nach dem großen Sohn der Gemeinde benannt. Damit wurde ihm die Ehre zuteil die dem großen Künstler gebührt.
In seinen Lebenserinnerungen berichtet Hermann Hendrich: Hier in Kleinfurra machte ich meine ersten schüchternen Schritte ins Reich der Kunst, indem ich alles kopierte und zeichnete, was mir vors Gesicht kam. Das Leben in der herrlichen Natur, die Wanderungen in der großartigen Harzlandschaft mit ihren von Märchen und Sagen umwobenen Ruinen, Felsen und Höhlen haben naturgemäß meine ganze künstlerische Entwicklung stark beeinflusst.
Hendrich wurde am 31.10.1854 morgens um 2 Uhr als Sohn des Landwirts und Bäckers August Hendrich in Heringen im damaligen Oberbackhaus, in der jetzigen Straße der Einheit Nr.22 geboren. Eine Gedenktafel erinnert auch hier an den berühmten Sohn der Stadt. Da die Einnahmen im Geschäft immer weniger wurden, verkaufte der Vater 1859 das Anwesen und zog nach Kleinfurra um dort die Wippermühle zu übernehmen.
Hendrich (Foto: Archiv Rasemann)
In seinen Jugenderinnerungen schildert uns Hermann Hendrich noch weiteres interessantes über die Mühle in Kleinfurra, dass z.B. früher ein Fluch über der Mühle gelegen habe. Der erste Besitzer habe sich erschossen, der zweite wurde wahnsinnig und hängte sich auf. Der dritte Besitzer war Hendrichs Vater. Als im ersten Winter, in dem die Familie hier wohnte(1859), eine große Kälte einsetzte und die Wipper zu Weihnachten bis auf den Grund zufror, ereiste sich das Mühlrad, so dass die Mühle stillstehen musste.
Im Frühjahr setzte starkes Tauwetter ein. Die Wassermassen mit den schweren Eisschollen rissen das Wehr fort. Die Wiederherstellung kostete Tausende. Später missglückten noch andere Unternehmen, so dass auch Hendrichs Eltern die Mühle arm verlassen mussten.
Da die Eltern arm waren, konnten sie den malerisch begabten Jungen nicht auf eine Kunstschule schicken. So lernte er in Nordhausen bei Theodor Müller das Lithographieren(die Steinzeichnung bzw. den Steindruck). Seine Tätigkeit bestand hauptsächlich in der Herstellung von Schnapsetiketten und anderen nützlichen, geldbringenden Dingen. Jedoch wurde bald der Wandertrieb in ihm rege, und da ihm infolge seiner Tüchtigkeit ein Jahr seiner Lehre erlassen worden war, ging er nach Hannover um dort in einer Lampenfabrik Beleuchtungsartikel für den Katalog zu zeichnen und zu lithographieren.
Er besuchte hier auch zum ersten mal ein Museum und Konzertaufführungen, wobei die Werke Richard Wagners den größten Eindruck auf ihn machten insbesondere die Wagner Oper Tannhäuser wühlte ihn seelisch auf und weckte für die Zukunft sein Interesse an Wagners Opern. Es schwebte ihm vor, später derartiges emotionales malen zu können, denn er träumte immer noch davon, einmal Kunstmaler zu werden. Übergesiedelt nach Berlin, packte ihn die große Leidenschaft für das Theater. Nach Engagements als jugendlicher Liebhaber am Hoftheater in Detmold und am Stadttheater in Düsseldorf kehrte er dem Theater jedoch den Rücken und ging wieder auf Wanderschaft.
Wo es ihm möglich war, machte er pittoreske Studien nach der Natur. Mit einem Freund unternahm er eine Studienreise nach Norwegen. In diesem Lande wirkte die Fülle der großartigen Naturmotive manchmal fast erdrückend auf ihn. Die kraftvollen Farben und das unendliche Licht inspirierten ihn, so dass er eine große Anzahl von Zeichnungen und Aquarellen anfertigte. Dann fand Hendrich 1878 in Amsterdam wieder Arbeit als Lithograph, widmete sich dem Studium Rembrandtscher Bilder. Er lernte seine Lebensgefährtin Clara Becker kennen und heiratete sie 1882.
Auf der anschließenden Hochzeitsreise nach Auburn in Amerika präsentierte der noch juvenile Maler seine Gemälde erstmals der Öffentlichkeit auf einer Ausstellung. Die nachfolgenden Jahre bezeichnet selbst der Maler als die fruchtbarsten seines Schaffens. Er siedelte sich nach seiner Rückkehr in München an, erlebte dort große, ihn sehr aufwühlende Wagneraufführungen und begeisterte sich an der Kunst Böcklins und es folgte ein Studium bei Professor Wenglein. Hier malte er fünf große Vedute mit Sujets aus der Beowulfsage(1885). Studienreisen führten ihn wiederum nach Norwegen und nach Bornholm. Die nordische Sagenwelt nahm in gefangen.
Ein Stipendium des preußischen Kultusministeriums ermöglichte ihm, in die Berliner Akademie einzutreten und Schüler bei Professor Bracht zu werden. Hendrichs Kunst entfaltete sich, sie vervollkommnete sich an Subtilität und impressionistischer Kraft. Seine Bilder sind auch dort, wo er wie in seinen Landschaftsaquarellen Naturskizzen geben will, wahre Farbsymphonien. Die oft ganz wundervollen Farbzusammenklänge wollen nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit dem Herzen, mit dem Gemüt empfunden werden. 1889 wurde der Kaiser auf ihn aufmerksam und bestellte bei Hendrich ein Bild mit dem Titel Atlantis. Der Künstler wurde berühmt. Auf vielen Ausstellungen in Berlin und München verzückte er die Kunstszene mit seinen fulminanten Bildern.
Das großgefächerte Oevre Hendrichs lässt sich nicht mit wenigen Worten beschreiben. Sein größtes Vermächtnis an die Nachwelt sind die großen Wandgemälde, die er für die 19O1 eingeweihte Walpurgishalle auf dem Hexentanzplatz bei Thale, für die 1903 entstandene Sagenhalle in Schreiberhau im Riesengebirge, die 1945 zerstört wurde und für die 1913 eröffnete Nibelungenhalle am Drachenfelsen zu Königswinter am Rhein malte. Desweiteren gab es noch die Halle Deutscher Sagenring in Burg an der Wupper(1926) und den Hendrichsaal im Haus des Kieler Arztes und Kunstsammlers Dr. Wassily(1929).
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurden diese beiden letztgenannten schönen Lokationen leider zerstört. Die Gemälde aus der Halle Deutscher Sagenring konnten noch in die Nibelungenhalle gebracht werden, wo sie sich noch heute befinden. Die großen Wandgemälde in den erstgenannten Hallen behandeln Sagenstoffe, so z.B. in den 5 Gemälden der Walpurgishalle die Faustsage, in den 12 Gemälden der Nibelungenhalle den Nibelungenstoff, in der zerstörten Sagenhalle im Riesengebirge 8 Gemälde den Wotan-Rübezahl- Mythos. Für den 1926 errichteten Anbau schuf er noch 20 Gemälde der Gralssage. Später entstanden nach Landschaftsbilder, märchenhafte Stimmungsbilder und eine größere Zahl leuchtender Blumenstillleben.
Hermann Hendrich wurde 1910 der Professorentitel verliehen.1929 wird er zum Ehrenbürger der Stadt Thale ernannt und eine Straße in Thale trägt seinen Namen. Schon zu Lebzeiten war er in Deutschland und im angrenzendem Ausland eine bekannte Persönlichkeit. Seine Wahlheimat war das Riesengebirge, obwohl Hendrich den Harz mit seinen sagenumwobenen Gestalten ins Herz geschlossen hatte.
Das Riesengebirge mit seiner Schneekoppe, der Harz mit seinem Brocken, Goethes Faust und Wagners Werke, regten den Maler an, seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Sein Tatendrang und seine Schaffensfreudigkeit auch im Lebensalter nahmen am 18. Juli 1931 ein tragisches Ende. Beim Überschreiten eines Bahndammes in Schreiberhau, wo er mit seiner Frau Cläre viele Jahre wohnte, wurde Professor Hermann Hendrich vom Zuge erfasst und so schwer verletzt, dass er sofort starb. Leider ging durch den Krieg ein großer Teil wertvoller Gemälde und Gegenstände, die der Künstler Thale vermacht hatte, verloren.
Auf dem Hexentanzplatz bei Thale können aber z.B. nach wie vor in der Walpurgishalle, die 1983 restaurierten 5 großen Ölgemälde besichtigt werden. Auf dem ersten sehen wir den Aufstieg Fausts und Mephistos zum Brocken. Die rote Scheibe des Mondes reicht nicht aus, um die Pfade der Wanderer zu erhellen, deshalb werden Irrlichter herbeigerufen.
Im zweiten Bild sehen wir die Mammonhöhle, ----wo man mit Erstaunen sieht, wie im Berg der Mammon glüht.
Das Gemälde Der Hexentanz stellt das Hauptbild der Reihe dar. Das Hexenvolk versammelt sich auf dem Brocken, zu dem sie auf Besen, Stöcken, Gäbeln und Böcken geflogen kommen, um sich um den Teufel, ihren Herren, zu versammeln. Wildbewegte Szenen spielen sich ab. Faust und Mephisto mittendrin. Im Bild 4 saust Die Windsbraut dahin. Der Wald wird von ihr gebeutelt, Äste brechen, Wurzeln knarren, das Getier ist aufgescheucht. Doch der tobende Trubel um ihn herum können Fausts Gewissen nicht wirklich davon befreien, schuldig am Schicksal seiner Geliebten, seines Gretchens zu sein. Deshalb heißt das 5. Gemälde Gretchens Erscheinung. Faust sieht die verurteilte und als Kindesmörderin hingerichtete junge Frau.
Tausende sehen alljährlich diese phantasievollen großen Gemälde, die ein zu seinen Lebzeiten sehr verehrter Künstler schuf, der in unserer unmittelbaren Heimat geboren wurde und aufwuchs.
Zu Ehren seines 160.Geburtstages, am 31. Oktober, ist geplant eine Ausstellung im Schloss Heringen zu eröffnen. Damit soll das große Schaffen des Malerdichters Deutscher Volkssage, Hermann Hendrich, gewürdigt werden.
Horst Rasemann
Autor: redEingebettet ins Erosionstal der Wipper zwischen Hainleite im Süden und der Windleite im Norden liegt Kleinfurra. Dieser Ort zählt mit zu den ältesten im Land Thüringen und wurde 876 erstmals urkundlich erwähnt.
Zu den historischen Gebäuden in Kleinfurra gehört auch die ehemalige Wippermühle unterhalb des Mühlberges, einer kleinen aus Buntsandstein bestehenden mit Buschwerk und Bäumen bewachsenen Erhebung. Hier verlebte der berühmte Maler Hermann Hendrich seine Jugendjahre.
Eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus, der sogenannten Hendrich Mühle die 1924 angebracht wurde, weist auf ihn hin. (siehe Foto) Auch eine Straße wurde im Neubauviertel in Kleinfurra nach dem großen Sohn der Gemeinde benannt. Damit wurde ihm die Ehre zuteil die dem großen Künstler gebührt.
In seinen Lebenserinnerungen berichtet Hermann Hendrich: Hier in Kleinfurra machte ich meine ersten schüchternen Schritte ins Reich der Kunst, indem ich alles kopierte und zeichnete, was mir vors Gesicht kam. Das Leben in der herrlichen Natur, die Wanderungen in der großartigen Harzlandschaft mit ihren von Märchen und Sagen umwobenen Ruinen, Felsen und Höhlen haben naturgemäß meine ganze künstlerische Entwicklung stark beeinflusst.
Hendrich wurde am 31.10.1854 morgens um 2 Uhr als Sohn des Landwirts und Bäckers August Hendrich in Heringen im damaligen Oberbackhaus, in der jetzigen Straße der Einheit Nr.22 geboren. Eine Gedenktafel erinnert auch hier an den berühmten Sohn der Stadt. Da die Einnahmen im Geschäft immer weniger wurden, verkaufte der Vater 1859 das Anwesen und zog nach Kleinfurra um dort die Wippermühle zu übernehmen.
Hendrich (Foto: Archiv Rasemann)
In seinen Jugenderinnerungen schildert uns Hermann Hendrich noch weiteres interessantes über die Mühle in Kleinfurra, dass z.B. früher ein Fluch über der Mühle gelegen habe. Der erste Besitzer habe sich erschossen, der zweite wurde wahnsinnig und hängte sich auf. Der dritte Besitzer war Hendrichs Vater. Als im ersten Winter, in dem die Familie hier wohnte(1859), eine große Kälte einsetzte und die Wipper zu Weihnachten bis auf den Grund zufror, ereiste sich das Mühlrad, so dass die Mühle stillstehen musste. Im Frühjahr setzte starkes Tauwetter ein. Die Wassermassen mit den schweren Eisschollen rissen das Wehr fort. Die Wiederherstellung kostete Tausende. Später missglückten noch andere Unternehmen, so dass auch Hendrichs Eltern die Mühle arm verlassen mussten.
Da die Eltern arm waren, konnten sie den malerisch begabten Jungen nicht auf eine Kunstschule schicken. So lernte er in Nordhausen bei Theodor Müller das Lithographieren(die Steinzeichnung bzw. den Steindruck). Seine Tätigkeit bestand hauptsächlich in der Herstellung von Schnapsetiketten und anderen nützlichen, geldbringenden Dingen. Jedoch wurde bald der Wandertrieb in ihm rege, und da ihm infolge seiner Tüchtigkeit ein Jahr seiner Lehre erlassen worden war, ging er nach Hannover um dort in einer Lampenfabrik Beleuchtungsartikel für den Katalog zu zeichnen und zu lithographieren.
Er besuchte hier auch zum ersten mal ein Museum und Konzertaufführungen, wobei die Werke Richard Wagners den größten Eindruck auf ihn machten insbesondere die Wagner Oper Tannhäuser wühlte ihn seelisch auf und weckte für die Zukunft sein Interesse an Wagners Opern. Es schwebte ihm vor, später derartiges emotionales malen zu können, denn er träumte immer noch davon, einmal Kunstmaler zu werden. Übergesiedelt nach Berlin, packte ihn die große Leidenschaft für das Theater. Nach Engagements als jugendlicher Liebhaber am Hoftheater in Detmold und am Stadttheater in Düsseldorf kehrte er dem Theater jedoch den Rücken und ging wieder auf Wanderschaft.
Wo es ihm möglich war, machte er pittoreske Studien nach der Natur. Mit einem Freund unternahm er eine Studienreise nach Norwegen. In diesem Lande wirkte die Fülle der großartigen Naturmotive manchmal fast erdrückend auf ihn. Die kraftvollen Farben und das unendliche Licht inspirierten ihn, so dass er eine große Anzahl von Zeichnungen und Aquarellen anfertigte. Dann fand Hendrich 1878 in Amsterdam wieder Arbeit als Lithograph, widmete sich dem Studium Rembrandtscher Bilder. Er lernte seine Lebensgefährtin Clara Becker kennen und heiratete sie 1882.
Auf der anschließenden Hochzeitsreise nach Auburn in Amerika präsentierte der noch juvenile Maler seine Gemälde erstmals der Öffentlichkeit auf einer Ausstellung. Die nachfolgenden Jahre bezeichnet selbst der Maler als die fruchtbarsten seines Schaffens. Er siedelte sich nach seiner Rückkehr in München an, erlebte dort große, ihn sehr aufwühlende Wagneraufführungen und begeisterte sich an der Kunst Böcklins und es folgte ein Studium bei Professor Wenglein. Hier malte er fünf große Vedute mit Sujets aus der Beowulfsage(1885). Studienreisen führten ihn wiederum nach Norwegen und nach Bornholm. Die nordische Sagenwelt nahm in gefangen.
Ein Stipendium des preußischen Kultusministeriums ermöglichte ihm, in die Berliner Akademie einzutreten und Schüler bei Professor Bracht zu werden. Hendrichs Kunst entfaltete sich, sie vervollkommnete sich an Subtilität und impressionistischer Kraft. Seine Bilder sind auch dort, wo er wie in seinen Landschaftsaquarellen Naturskizzen geben will, wahre Farbsymphonien. Die oft ganz wundervollen Farbzusammenklänge wollen nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit dem Herzen, mit dem Gemüt empfunden werden. 1889 wurde der Kaiser auf ihn aufmerksam und bestellte bei Hendrich ein Bild mit dem Titel Atlantis. Der Künstler wurde berühmt. Auf vielen Ausstellungen in Berlin und München verzückte er die Kunstszene mit seinen fulminanten Bildern.
Das großgefächerte Oevre Hendrichs lässt sich nicht mit wenigen Worten beschreiben. Sein größtes Vermächtnis an die Nachwelt sind die großen Wandgemälde, die er für die 19O1 eingeweihte Walpurgishalle auf dem Hexentanzplatz bei Thale, für die 1903 entstandene Sagenhalle in Schreiberhau im Riesengebirge, die 1945 zerstört wurde und für die 1913 eröffnete Nibelungenhalle am Drachenfelsen zu Königswinter am Rhein malte. Desweiteren gab es noch die Halle Deutscher Sagenring in Burg an der Wupper(1926) und den Hendrichsaal im Haus des Kieler Arztes und Kunstsammlers Dr. Wassily(1929).
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurden diese beiden letztgenannten schönen Lokationen leider zerstört. Die Gemälde aus der Halle Deutscher Sagenring konnten noch in die Nibelungenhalle gebracht werden, wo sie sich noch heute befinden. Die großen Wandgemälde in den erstgenannten Hallen behandeln Sagenstoffe, so z.B. in den 5 Gemälden der Walpurgishalle die Faustsage, in den 12 Gemälden der Nibelungenhalle den Nibelungenstoff, in der zerstörten Sagenhalle im Riesengebirge 8 Gemälde den Wotan-Rübezahl- Mythos. Für den 1926 errichteten Anbau schuf er noch 20 Gemälde der Gralssage. Später entstanden nach Landschaftsbilder, märchenhafte Stimmungsbilder und eine größere Zahl leuchtender Blumenstillleben.
Hermann Hendrich wurde 1910 der Professorentitel verliehen.1929 wird er zum Ehrenbürger der Stadt Thale ernannt und eine Straße in Thale trägt seinen Namen. Schon zu Lebzeiten war er in Deutschland und im angrenzendem Ausland eine bekannte Persönlichkeit. Seine Wahlheimat war das Riesengebirge, obwohl Hendrich den Harz mit seinen sagenumwobenen Gestalten ins Herz geschlossen hatte.
Das Riesengebirge mit seiner Schneekoppe, der Harz mit seinem Brocken, Goethes Faust und Wagners Werke, regten den Maler an, seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Sein Tatendrang und seine Schaffensfreudigkeit auch im Lebensalter nahmen am 18. Juli 1931 ein tragisches Ende. Beim Überschreiten eines Bahndammes in Schreiberhau, wo er mit seiner Frau Cläre viele Jahre wohnte, wurde Professor Hermann Hendrich vom Zuge erfasst und so schwer verletzt, dass er sofort starb. Leider ging durch den Krieg ein großer Teil wertvoller Gemälde und Gegenstände, die der Künstler Thale vermacht hatte, verloren.
Auf dem Hexentanzplatz bei Thale können aber z.B. nach wie vor in der Walpurgishalle, die 1983 restaurierten 5 großen Ölgemälde besichtigt werden. Auf dem ersten sehen wir den Aufstieg Fausts und Mephistos zum Brocken. Die rote Scheibe des Mondes reicht nicht aus, um die Pfade der Wanderer zu erhellen, deshalb werden Irrlichter herbeigerufen.
Im zweiten Bild sehen wir die Mammonhöhle, ----wo man mit Erstaunen sieht, wie im Berg der Mammon glüht.
Das Gemälde Der Hexentanz stellt das Hauptbild der Reihe dar. Das Hexenvolk versammelt sich auf dem Brocken, zu dem sie auf Besen, Stöcken, Gäbeln und Böcken geflogen kommen, um sich um den Teufel, ihren Herren, zu versammeln. Wildbewegte Szenen spielen sich ab. Faust und Mephisto mittendrin. Im Bild 4 saust Die Windsbraut dahin. Der Wald wird von ihr gebeutelt, Äste brechen, Wurzeln knarren, das Getier ist aufgescheucht. Doch der tobende Trubel um ihn herum können Fausts Gewissen nicht wirklich davon befreien, schuldig am Schicksal seiner Geliebten, seines Gretchens zu sein. Deshalb heißt das 5. Gemälde Gretchens Erscheinung. Faust sieht die verurteilte und als Kindesmörderin hingerichtete junge Frau.
Tausende sehen alljährlich diese phantasievollen großen Gemälde, die ein zu seinen Lebzeiten sehr verehrter Künstler schuf, der in unserer unmittelbaren Heimat geboren wurde und aufwuchs.
Zu Ehren seines 160.Geburtstages, am 31. Oktober, ist geplant eine Ausstellung im Schloss Heringen zu eröffnen. Damit soll das große Schaffen des Malerdichters Deutscher Volkssage, Hermann Hendrich, gewürdigt werden.
Horst Rasemann

