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Heimatgeschichte: Der weiße Mönch

Sonntag, 09. März 2014, 09:21 Uhr
Damit die Sagen unserer Heimat, dieses wertvolle Kulturgut, nicht in Vergessenheit geraten, hat sie Horst Rasemann aufgeschrieben. In der Sage „Der weiße Mönch von Münchenlohra“ erfahren wir vom schweren Los der Knechte, die in einem Kloster die Arbeit verrichten mussten und oft hart bestraft wurden durch die Willkürherrschaft des Verwalters...

Die romanische Pfeilerbasilika zu Münchenlohra (Foto: Archiv Rasemann) Die romanische Pfeilerbasilika zu Münchenlohra (Foto: Archiv Rasemann)

Am Fuße der Hainleite, in der Nähe der Dörfer Hainrode, Großlohra, Nohra und der alten Burg Lohra, ragt auf einem flachen, der Hainleite vorgelagerten Hügel die ehemalige doppeltürmige Klosterkirche, die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika zu Münchenlohra, stattlich empor und grüßt weit ins Wippertal hinein.

Das Kloster, erste urkundliche Erwähnung bereits 1217, war erst für Mönche geplant- daher der Name Münchenlohra- wurde dann aber für die Nonnen des Benediktiner Ordens eingerichtet und dem heiligen St. Gangolf geweiht. Der Tagesablauf der Nonnen war ganz und gar vom Rhythmus der Stundengebete, der Dienstpflichten, Arbeiten und geistigen Übungen sowie Gottesdienste beherrscht.

Schon ganz früh am morgen verkündeten sie mit ihren Gebeten und Gesängen Ruhm und Ehre Gottes und seine Macht. Die Nonnen entstammten zum größtenteil aus den Adelsfamilien der näheren Umgebung und dem Patriziergeschlechtern der Reichsstadt Nordhausen. Die Klosterkirche besteht aus den zwei Westtürmen, den Langhaus, den östlichen Querhaus und den drei Apsiden an der Ostseite.

westlicher Vorbau und Nonnenempore (Foto: Archiv Rasemann) westlicher Vorbau und Nonnenempore (Foto: Archiv Rasemann) Im westlichen Vorbau zwischen den beiden Türmen (siehe Foto) befindet sich die damals häufig vorkommende Nonnenempore, darunter eine zweischiffige Halbkrypta. Die Pforte im Querschiff mit dem Tympanon war der Zugang für das Volk, während die Nonnen von der Klausur auf der Nordseite her ihre Empore erreichten. Alle drei Schiffe sind kreuzgewölbt und die Kämpfer der Pfeiler sind mit reichem Ranken- und Blattwerk geschmückt.

Im Bauernkrieg wurden die Nonnen aus dem Kloster vertrieben, einige von ihnen kehrten aber bald wieder zurück. Etwa 1546 wurde das Kloster von den hohensteinischen Grafen Ernst V. aufgehoben. Ein Schüler Luthers, Caspar Zerbst, predigte hier nach den reformatorischen Lehren. Besonders im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster verwüstet. Schweden und Kaiserliche quartierten sich abwechselnd darin ein.

Ende des 16. Jahrhunderts war die Familie von Gladebeck Eigentümer des Areals. Nach deren Aussterben wurde Münchenlohra preußisches Domänengut. Durch Verschlechterung der Bausubstanz musste im 18. und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts unteranderen die beiden Türme abgetragen werden. Nun diente das Haupt- und Querschiff der Kirche als Dorfkirche. In diesen verstümmelten Zustand sah 1845 der preußische Generalkonservator Ferdinand von Quast auf einer Inspektionsreise die Kirche.

Auf seine Veranlassung hin wurde das noch Bestehende erhalten und nach Plänen des Architekten Schäfer die Basilika 1882 – 1885 wiederaufgebaut. Unterdessen fanden im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder umfangreiche Sanierungsarbeiten statt. Zu der sparsamen Innenausstattung der Kirche gehört auch ein geschnitzter gotischer Flügelaltar von 1510, drei schmiedeeiserne Leuchtringe, die 1998 generalüberholte Orgel und ein Taufstein aus roten Sandstein aus den 15. Jahrhundert. Auf einem Kassettenfeld des oktagonalen Taufbeckens ist der Heilige Gangolf in Rüstung, mit Lanze und Schild zu erkennen.

Von welcher Richtung sich auch immer der Besucher der ehemaligen Klosterkirche nähert, bewundernswert ist sowohl ihre architektonische Qualität als auch die harmonische Eingliederung in die Landschaft.

An diesem schönen Ort hat der Volksmund eine Sage angesiedelt: Einst erschien im Pferdestall des Klosters häufig um Mitternacht ein weißgekleideter Mönch. Geräuschlos tauchte er auf, wenn man es am wenigsten vermutete. Mit einem kräftigen Knüppel prügelte er die Knechte aus den Betten, so dass sie wie besessen herumsprangen. Wohl ballte mancher die Fäuste gegen den frechen Eindringling, aber zu einer Gegenwehr kam es niemals, denn der tolle Mönch hatte sie verzaubert, so dass sie unfähig waren, sich zu wehren. Die Pferde band er los und jagte sie wie wild im Stall herum. Gesprochen wurde dabei kein Wort. Nachdem das Spektakel eine Weile gedauert hatte, band der Weißrock die Tiere wieder zusammen und prügelte die Knechte in die Betten hinein. Dann verschwand er so geräuschlos wie er gekommen war.

Doch was will uns die Sage erzählen? Nun Münchenlohra war früher ein Kloster, wie im Kontext schon beschrieben, zu dem gehörten große Ländereien, Ställe und Scheunen. Die Arbeit mussten Knechte verrichten wie auf den großen Gütern der Ritter und Junker. Die Knechte schliefen im Pferdestall auf Stroh. Zu essen bekamen sie nicht viel. Vom frühesten Morgen an bis spät in die Nacht hinein mussten sie arbeiten.

Und wenn sie sich einmal ausruhen wollten, dann tauchte bestimmt der Vogt (Verwalter) auf und prügelte die Knechte mit einem kräftigen Knüppel so, dass sie wie besessen herumsprangen. Wohl ballte mancher von ihnen die Fäuste gegen den Vogt, aber zu einer Gegenwehr kam es niemals, denn sonst wären die Knechte noch viel furchtbarer bestraft worden. Vielleicht wollten die Knechte einmal von ihrer Not berichten. Da sie es nicht offen wagen durften, kleideten sie die Wahrheit in eine Spukgeschichte.
Horst Rasemann
Autor: red

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