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Mit Feder und Kiel

Freitag, 06. Februar 2015, 11:42 Uhr
Schreiben wie im Mittelalter - im stadtgeschichtlichen Museum Flohburg konnten sich Kinder über die Ferien darin versuchen, wie dereinst die Mönche im Skriptorium zu schreiben. Was das Museum für den Rest des Jahres sonst noch geplant hat, hat die nnz erfahren...

Die Federn kratzen geräuschvoll über das Pergament - die Ferienkinder der Schule am Förstemannweg haben schnell gemerkt, das es gar nicht so einfach ist mit der Gänsefeder zu schreiben.

Sie versuchen sich an Kopien kunstreich ausgeführter "Initialen", also den gemalten Anfangsbuchstaben mittelalterlicher Handschriften, an der "Textura", der gängigen Schriftart der Zeit oder auch am moderneren Sütterlin, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an deutschen Schulen gelehrt wurde.

Geschrieben wird stilecht mit Eisengallus-Tinte, der Zaubertinte des Mittelalters, wie Astrid Lautenschläger, Mitarbeiterin der Flohburg, erklärt. "Die Tinte erscheint erst blau und verfärbt sich durch Oxidation nach einer Weile schwarz". Im "Scriptorium" will das Museum den Kindern nahe bringen, wie schwierig es war, ganze Bücher zu schreiben.

Mit Feder und Kiel - im "Scriptorium" der Nordhäuser Flohburg können Kinder ausprobieren, wie im Mittelalter geschrieben wurde   (Foto: Angelo Glashagel) Mit Feder und Kiel - im "Scriptorium" der Nordhäuser Flohburg können Kinder ausprobieren, wie im Mittelalter geschrieben wurde (Foto: Angelo Glashagel)

Bevor es an die Federkiele geht, steht deswegen ein kurzer Exkurs in den Sonderausstellungsraum des Museums an. Hier hat die Himmelgartenbibliothek ihre neue Heimat gefunden. Hier erklärt der Leiter des Stadtarchivs Dr. Wolfram Theilemann die Besonderheiten der alten Bücher und warum sie so wertvoll sind.

Die Kinder dürfen einen Blick in die ältesten Stücke aus dem 15. und 16. Jahrhundert werfen. Das sind zwar zumeist Drucke, aber die alten Schreiber haben handschriftliche Notizen in den schweren Folianten hinterlassen. Ausgestattet mit dem neuen "Entdeckerheft" ist eine zweite Gruppe derweil auf Erkundungstour im Museum. "In dem Heft finden sich witzige und kindgerechte Fragen rund um die Geschichte Nordhausens. Man kommt an unseren fünf Kinderstationen vorbei und beschäftigt sich mit dem Roland, dem Rathaus, dem Wappen und bedeutenden Ereignissen in der Geschichte der Stadt", erklärte Astrid Lautenschläger.

Ein Blick in die Himmelgartenbibliothek gehört mit zum Programm (Foto: Angelo Glashagel) Ein Blick in die Himmelgartenbibliothek gehört mit zum Programm (Foto: Angelo Glashagel)

Das "Scriptorium" will zu Festtagen, wie der Museumsnacht und in den Ferien anbieten. In den Sommerferien soll es Stadtführungen für Kinder geben und im Herbst wird man sich mit Fossilien befassen. Aber auch für die Erwachsenen Museumsbesucher hat das Haus einiges in sein Jahresprogramm geschrieben. Die nächste Sonderausstellung wird sich mit dem Nordhäuser Freigeist Eduard Baltzer befassen. Baltzer war Politiker, ein Vorreiter der Vegetarierbewegung, erfand die Jugendweihe und gehört zusammen mit Friedrich Fröbel zu den Gründervätern des deutschen Kindergartens. Genug Stoff also für eine spannende Ausstellung.

2015 jährt sich die Zerstörung Nordhausens im zweiten Weltkrieg zum 70. mal und auch an dieses Ereignis wird mit einer Sonderausstellung erinntert. "Grundsätzlich bereiten wir zu allen Gedenktagen und Jubiläen Programmpunkte vor", sagte die Leiterin der Flohburg, Dr. Cornelia Klose. Die "Revolution der Kerzen" wird ebenso Thema sein wie das Cranach-Jahr. Hierzu will man die Geschichte des verschollenen Meyenburg Epitaphs aus der Hand Cranachs beleuchten.

"Wir sind froh das wir so ein abwechslungsreiches Programm planen konnten. Ohne die Unterstützung durch unseren Förderverein und andere Geldgeber wie dem Verein "Gegen Vergessen für Demokratie" oder der Adenauer Stiftung wären unsere Museumsarbeit nicht möglich", sagte die Leiterin des Hauses, Cornelia Klose.

Neben den Ausstellungen sind über das Jahr auch andere Veranstaltungen geplant. So soll einmal im Monat ein Film mit historischem Kontext gezeigt werden. Auch die Forschungsergebnisse der Stasiunterlagenzentrale zur Kreisdienststelle Nordhausen werden über das Jahr präsentiert und besprochen.

Kommende Woche Donnerstag steht ein erstes Highlight an: Dr. Sonja Süß spricht um 19 Uhr zum "Politisch missbraucht? Psychiatrie und Staatssicherheit in der DDR"
Angelo Glashagel
Autor: red

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