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"Weil wir es können..."

Freitag, 27. März 2015, 19:47 Uhr
Unter diesem Titel wurde heute die erste "echte" Ausstellung, also mit ordentlicher Eröffnung, in der Stadtbibliothek eröffnet. Gezeigt werden mehrere Werke des experimentierfreudigen Nordhäuser Künstlers Axel Schumann, darunter auch Bilder, die er extra für die Bibliothek angefertigt hat...

Einmal zartes, schillerndes Grün an der Spitze, darunter Schichten um Schichten Grautöne in verschiedensten Schattierungen, das zweite Mal ein wild wogendes Blau mit sonnengelben Tupfern - würde man die großformatigen Bilder Axel Schumanns, die jetzt nahe dem Eingang zum Nordhäuser Ratsaal hängen, als Solitäre betrachten, wird ihnen der geneigte Betrachter ein gewisses Maß an Schönheit, an Ästhetik wohl nicht absprechen können.

Wirklich beeindruckend macht sie der Kontext, in dem sie entstanden sind, und den lieferte der Künstler gleich mit. "ich wollte raus aus dem Atelier, draußen malen", erklärte Schumann den zahlreich erschienen Gästen und Freunden, darunter auch die Nordhäuser Band "Seasick", die auf eigene Initiative für die musikalische Untermalung sorgten. Seine erste Motivwahl, das Bild in Grün und Grau, zeigt den Kohnstein, oder vielmehr die Farben, die der Tagebau dem Betrachter präsentiert, wie der Künstler erläuterte. Das zweite Bild stellt das Farbenspiel auf dem Stausee Kelbra dar.

Axel Schuhmann erklärt, wie und wo seine beiden Großformatigen Bilder entstanden sind (Foto: Angelo Glashagel) Axel Schuhmann erklärt, wie und wo seine beiden Großformatigen Bilder entstanden sind (Foto: Angelo Glashagel)

Man wüsste es nicht, hätte Schumann nicht neben seine Bilder auch gleich ein paar Fotos gehängt. Sie zeigen den ergrauten Künstler bei der Arbeit, wie er auf einem selbstgebauten Ponton-Floß auf dem Stausee schwappt, oder als kaum wahrnehmbarer Fleck in der Landschaft, die nicht nach Südharz aussieht. Das Riesenhafte Bild schwindet auf dem Foto gegenüber des Felsmassivs selbst zur Miniatur. Erst die Kombination mit den Fotografien verleiht den beiden Bildern ihren ganz eigenen, besonderen Reiz.

Eigentlich war Axel Schumann Bergmann, bis er sein Hobby zum Beruf machte. Der Beruf war es auch, der ihn mit der Bibliothek in Kontakt brachte. Denn Schumann gehörte nach Aussage von Bibliotheksleiterin Hildegard Seidel, eigentlich zu den Skeptikern des Hauses, bis er den Auftrag bekam, für den Förderverein der Bibliothek, "Nicolai in Foro", das Logo zu gestalten und das Haus zum ersten Mal von Innen erleben konnte. Die Arbeit am Logo nahm danach nur einen Tag in Anspruch, berichtete Seidel zur Ausstellungseröffnung.

Vom Krieg zum Frieden - "Weil wir es können" (Foto: Angelo Glashagel) Vom Krieg zum Frieden - "Weil wir es können" (Foto: Angelo Glashagel)

Die Bilder die im zweiten Geschoss gezeigt werden, sind kleiner, weniger Abstrakt und vermischen Malerei, Grafik und Fotografie, hin und wieder garniert mit Sprüchen und Zitaten. "Die Bilder passen wunderbar in dieses Haus und auch zu den Lesungen, die wir in der nächsten Zeit haben", freute sich Bibliotheksleiterin Seidel. Gemeint sind die Lesung von Sabine Ebert am 8. April, die aus ihrem Historischen Roman "1815" liest, und die Gesprächsrunde von Gregor Gysi und Friedrich Schorlemmer am 14. April.

Tatsächlich stellen die Bilder Schreckenszenarien in Weiß, Schwarz, Grau und Rot und untersetzt mit Fotografien buntere und lebendigere Zeichen von Frieden und Miteinander gegenüber.

In den kommenden Wochen werden die Bilder, die Anziehungskraft haben sie, wohl einige Blicke weg ziehen von den Zeilen der Bücher und den kontemplativ geneigten Bücherwurm grübeln lassen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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