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Ausstellung im Tabakspeicher

500 Jahre reichsstädtisches Handwerk

Dienstag, 22. September 2015, 21:39 Uhr
Am Abend wurde im Nordhäuser Museum Tabakspeicher eine neue Sonderausstellung eröffnet. Sie steht unter dem Motto „Ein handwerk hat güldin boden“ und beleuchtet reichsstädtisches Handwerk in Nordhausen im Zeitraum von 1300 bis 1802. Die nnz war bei der Eröffnung mit vor Ort...

Ausstellung eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus) Ausstellung eröffnet (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Museumsleiter Jürgen Rennebach freute sich über die große Schar interessierter Gäste, die er herzlich willkommen hieß. Er übergab sodann das Wort an Manfred König, ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Nordhausen.

In seiner Eröffnungsansprache blickte er auf 500 Jahre Handwerkstradition in der Rolandstadt zurück und sagte wörtlich: „In unserer Zeit, in der Industrieroboter und Fließbänder die Produktion bestimmen, geht das Wissen um historische Handwerksberufe und alte Innungsbräuche zusehends verloren.“ Mit der Ausstellungsthematik werde dieser wichtige Bereich städtischen Lebens und Nordhäuser Geschichte neu erlebbar gemacht. Das historische Handwerk mit seinen ehrbaren und unehrlichen Berufen werde so wieder lebendig und damit dem Vergessen entrissen.

Anlass für diese Schau ist die erstmalige Zulassung von Handwerkern vor 725 Jahren in den Rat der Stadt Nordhausen. U.a. kommen ein Krämer, ein Kürschner, ein Schmied, ein Bäcker und ein Färber in die städtische Vertretung. Am 14. Februar 1375 erringt durch einen Umsturz (Sturm auf das Riesenhaus) gar die Handwerkerschaft die politische Macht. Eine neue Ratsverfassung sorgt dafür, dass Patriziergeschlechter keinen politischen Einfluss mehr bekommen. Neun ratsfähige Innungen dominieren von nun ab die Räte. Nach Aufhebung der zunächst verhängten Reichsacht, wird 1385 am Rathaus ein Roland aufgestellt – symbolisch für die Herrschaft der Zünfte.

Der Nordhäuser Historiker Dr. Peter Kuhlbrodt, der maßgeblich an dieser Schau seinen Anteil hat und als Kurator agiert, bewies abermals durch zahlreiche Details sein profundes Wissen um die Nordhäuser Handwerksgeschichte, die nachweislich – durch Dokumente und Exponate belegt – im 13. Jahrhundert begann. Kuhlbrodt machte deutlich, dass sowohl Handwerksmeister wie auch Gesellen kein leichtes Leben hatten. Zudem gehe es in dieser Ausstellung vorherrschend um das Handwerk, weniger um das Exponat.

Die Sonderschau umfasst neben zahlreichen Bild-Text-Tafeln Original-Dokumente, wie beispielsweise ein Geburtsbrief, ein Lehrbrief oder auch Innungsstatuten. Exponate (u.a. Meisterstücke, Schilder und Erzeugnisse von Schmieden, Zinngießern und Schuhmachern) bereichern zudem die Ausstellung.

Möglich wurde diese Schau mittels Unterstützung durch den Dachverband der Europäischen Gesellenzünfte und Wandergesellschaften (C.C.E.G.), dem Landesarchiv Sachsen-Anhalt, dem Herbergsmuseum Blankenburg/Harz, dem Schlossmuseum Sondershausen, dem Heimatmuseum Ellrich sowie dem Stadtarchiv Nordhausen, denen Jürgen Rennebach nochmals ausdrücklich dankte.

Die musikalische Einstimmung auf die aktuelle Schau übernahm Robert Hartung, von Beruf Musiklehrer an der Kreismusikschule Nordhausen. Passend zur Thematik der Ausstellung brachte er mit seiner Gitarre Lieder zu Gehör, die Handwerk. Wanderschaft und Natur zum Inhalt hatten und die vielen Gästen nicht unbekannt waren. Zu guter Letzt rundete ein originelles Quiz die Ausstellungseröffnung ab.

Die Sonderausstellung ist bis zum 15. November 2015 täglich (außer Montag) von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen. Gesonderte Führungen können unter Tel. 03631 – 982737 oder Fax–Nr. 03631 – 465155 angemeldet werden. Im Rahmen dieser Ausstellung bietet Dr. Peter Kuhlbrodt Vorträge zu historischen Handwerksberufen an. Näheres ist zu gegebener Zeit den Medien zu entnehmen.
Hans-Georg Backhaus
Autor: red

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