Ausstellung im Schloss Heringen
Aufzeichnungen - Karin Kisker
Dienstag, 15. März 2016, 12:21 Uhr
Auf eine größere Präsentation ihrer Arbeiten in der Sparkasse Nordhausen anlässlich ihres 60. Geburtstages hatte Künstlerin Karin Kisker 2013 zu Gunsten einer Gedenkausstellung für die kurz zuvor verstorbene Ilsetraut Glock verzichtet, jetzt werden ihre Werke im Heringer Schloss zu sehen sein...
Ilstraut Glock, Ehrenbürgerin Nordhausens, war damals, am 30. Januar 2013, kurz vor Vollendung ihres 98. Lebensjahr verstorben.
Jetzt bot sich in Heringen die Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen und so konnten am letzten Samstag die zahlreich zur Vernissage geströmten Kunstliebhaber eine in vielerlei Hinsicht gelungene Veranstaltung erleben. Das Interesse war überwältigend.. Auch der Landrat Matthias Jendricke zollte der Präsentation seine Anerkennung. Mit über siebzig Arbeiten ist die Ausstellung sehr umfangreich und gewährt dem Betrachter einen Einblick in die geistige Tiefe und vielschichtige künstlerische Fantasie der Künstlerin Karin Kisker.
Heringen, so sagt sie, sei für sie ein geradezu prädestinierter Ort für Kunst, da dieses wunderbar trutzige Renaissance-Schloss über der Aue weithin sichtbar wie ein ehrwürdiges Segel schwimme. Überdies habe der kleine Ort Heringen mit Hermann Hendrich und Paul Otto Knust auch eine reiche Tradition, die Bildende Kunst betreffend.
Die Stimmung der Werk-Präsentation Kiskers wurde durch die unkonventionelle und frische Art der Eröffnungsveranstaltung kongenial getroffen. Sephardische Lieder überzogen die Bilder mit einem wunderbaren Klangteppich. Ein Fest für Augen und Ohren, das Lust auf Hören und Sehen machte. Aus Erfurt kommend, sorgten Regina Herrlich, Gesang - Maria Barbara Müller, Querflöte - Lutz Balzer, Gitarre und Klaus Hagedorn Percussion als Canticas de Sefarad für den musikalischen Part der Veranstaltung.
Karin Kisker - "Karfreitag", nur eines der Bilder, die demnächst im Heringer Schloss zu sehen sein werden (Foto: Heidelore Kneffel)
Die künstlerischen Werke Kiskers sind auf zwei Etagen zu betrachten und wurden, was ihre Hängung anlangt, ausgesprochen geschickt kuratiert. Einerseits ergänzen sie sich in ihrer ästhetischen Kommunikation untereinander wunderbar und andererseits tragen sie auch den räumlichen Gegebenheiten vor Ort Rechnung, so dass sich dem Betrachter insgesamt ein geschlossener Eindruck des kisker´schen Bildprogramms vermitteln kann.
Herr Moser als Gastgeber begrüßte die Anwesenden und Frau Kneffel als intime Kennerin der Künstlerin Karin Kisker gab einige Episoden aus ihrem Leben preis, die interessante Einblicke in ihre künstlerische Vita boten.
Sechs großformatige Leinwände im unteren Saal thematisieren Zeitepochen, philosophische Abstraktionen, die sich kraftvoll ornamental als inszenierte Spuren von Herkunft deuten lassen.
Biblischen Motiven erscheinen in astronomischer Perspektive hochformatig verfremdet wie aus einem Zeitfenster betrachtet. Animalisch, pflanzenhaft, kartographisch, skytisch, ägyptisch – immer kann hier die Wahrnehmung des Betrachters ohne Narration sprechend tätig sein. Man tritt hinaus in die große Weltarena einer aufgezeichneten Ideenwelt. Kisker spielt mit Zeit, indem sie diese auf ganz verschiedene Weise deutet. Immer wird das Endliche ins Unendliche gezogen und umgekehrt. Alles scheint nur, was es im ersten Sehen vorgibt sein zu wollen. Schon im nächsten Moment wandeln sich Gestalten und Formen. Immer bleiben Rätsel, so dass das Sehen zu einem wahrhaft maieutischen Vorgang gerät, der laufend Bilder zeugt.
Obwohl auf den ersten Blick die allesamt mit farbigen Kugelschreibern gezeichneten kleinformatigen Tagebuchblätter auf den Stellwänden so ganz anders daherkommen, erkennt man in ihnen doch auch recht deutlich die Formensprache der Künstlerin, die sich gleichermaßen wie eine Handschrift auf Mal – und Zeichengründe legt. Je größer das Format, um so weiter scheint die Perspektive die Abstraktion bildhaft vom Betrachter zu entfernen.
Die kleinen Formate funktionieren offenbar umgekehrt, das Teleskop wird hier zum Mikroskop. Unbedeutendes läd Kisker im kleinen Format mit Bedeutung auf: Das Kleine wird konkretisiert, das Große abstrahiert und alles steht im Hochformat.
Die Handschrift der Künstlerin ist deutlich und unverwechselbar. Auch die Zeichnungen im oberen Raum sprechen zum Betrachter in ihrer eigenwilligen Sprache. Kisker selbst gab den Anwesenden mit eigenen Texten Einblicke in ihre phantastische Vorstellungswelt, die nicht zuletzt eine unendliche Kette von Assoziationen bilden, in denen Worte und Bilder im Gefühl einer anzustrebenden Idee verschwimmen. In einer Serie von acht Blättern thematisiert sie Dantes Göttliche Komödie.
Aufzeichnungen - Karin Kiskers Werke werden demnächst im Heringer Schloss zu sehen sein (Foto: K. Moser)
Dante, ein aus seiner Heimat Vertriebener, sucht sich ein geistiges Zuhause, das auf den Spuren der Kulturgeschichte ein globales Universum demonstriert, das zwar einerseits ganz der mittelalterlichen Welt verhaftet ist, aber andererseits zu uns Heutigen durch die Höhe seiner ewigen Menschlichkeit spricht. Dämonisch, kryptisch, kraftvoll und sensibel gezeichnet verdichtet Kisker Struktur und Farbe zum poetischen Klangbild. Durch mehrfache Überzeichnungen gewinnen die Blätter an Tiefe und Mehrschichtigkeit der Bedeutung. Oft spielt auch Schrift eine Rolle. Mal nur als kalligrafisches Vehikel, manchmal jedoch lesbar wie ein Brief an Freunde. Handschrift interessiere sie insofern, gibt Kisker zu Protokoll, als dass sie im Moment gerade im Begriff sei zu schwinden.
Die Modernität des Verschwindens sei in Zeiten des Wandels formal und inhaltlich sehr interessant, so die Künstlerin. Die Ausstellung Aufzeichnungen wird noch bis zum 24. September 2016 im Schloss zu sehen sein.
Hedwig Marida
Während der Ausstellung sind folgende Veranstaltungen geplant:
Autor: redIlstraut Glock, Ehrenbürgerin Nordhausens, war damals, am 30. Januar 2013, kurz vor Vollendung ihres 98. Lebensjahr verstorben.
Jetzt bot sich in Heringen die Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen und so konnten am letzten Samstag die zahlreich zur Vernissage geströmten Kunstliebhaber eine in vielerlei Hinsicht gelungene Veranstaltung erleben. Das Interesse war überwältigend.. Auch der Landrat Matthias Jendricke zollte der Präsentation seine Anerkennung. Mit über siebzig Arbeiten ist die Ausstellung sehr umfangreich und gewährt dem Betrachter einen Einblick in die geistige Tiefe und vielschichtige künstlerische Fantasie der Künstlerin Karin Kisker.
Heringen, so sagt sie, sei für sie ein geradezu prädestinierter Ort für Kunst, da dieses wunderbar trutzige Renaissance-Schloss über der Aue weithin sichtbar wie ein ehrwürdiges Segel schwimme. Überdies habe der kleine Ort Heringen mit Hermann Hendrich und Paul Otto Knust auch eine reiche Tradition, die Bildende Kunst betreffend.
Die Stimmung der Werk-Präsentation Kiskers wurde durch die unkonventionelle und frische Art der Eröffnungsveranstaltung kongenial getroffen. Sephardische Lieder überzogen die Bilder mit einem wunderbaren Klangteppich. Ein Fest für Augen und Ohren, das Lust auf Hören und Sehen machte. Aus Erfurt kommend, sorgten Regina Herrlich, Gesang - Maria Barbara Müller, Querflöte - Lutz Balzer, Gitarre und Klaus Hagedorn Percussion als Canticas de Sefarad für den musikalischen Part der Veranstaltung.
Karin Kisker - "Karfreitag", nur eines der Bilder, die demnächst im Heringer Schloss zu sehen sein werden (Foto: Heidelore Kneffel)
Die künstlerischen Werke Kiskers sind auf zwei Etagen zu betrachten und wurden, was ihre Hängung anlangt, ausgesprochen geschickt kuratiert. Einerseits ergänzen sie sich in ihrer ästhetischen Kommunikation untereinander wunderbar und andererseits tragen sie auch den räumlichen Gegebenheiten vor Ort Rechnung, so dass sich dem Betrachter insgesamt ein geschlossener Eindruck des kisker´schen Bildprogramms vermitteln kann.
Herr Moser als Gastgeber begrüßte die Anwesenden und Frau Kneffel als intime Kennerin der Künstlerin Karin Kisker gab einige Episoden aus ihrem Leben preis, die interessante Einblicke in ihre künstlerische Vita boten.
Sechs großformatige Leinwände im unteren Saal thematisieren Zeitepochen, philosophische Abstraktionen, die sich kraftvoll ornamental als inszenierte Spuren von Herkunft deuten lassen.
Biblischen Motiven erscheinen in astronomischer Perspektive hochformatig verfremdet wie aus einem Zeitfenster betrachtet. Animalisch, pflanzenhaft, kartographisch, skytisch, ägyptisch – immer kann hier die Wahrnehmung des Betrachters ohne Narration sprechend tätig sein. Man tritt hinaus in die große Weltarena einer aufgezeichneten Ideenwelt. Kisker spielt mit Zeit, indem sie diese auf ganz verschiedene Weise deutet. Immer wird das Endliche ins Unendliche gezogen und umgekehrt. Alles scheint nur, was es im ersten Sehen vorgibt sein zu wollen. Schon im nächsten Moment wandeln sich Gestalten und Formen. Immer bleiben Rätsel, so dass das Sehen zu einem wahrhaft maieutischen Vorgang gerät, der laufend Bilder zeugt.
Obwohl auf den ersten Blick die allesamt mit farbigen Kugelschreibern gezeichneten kleinformatigen Tagebuchblätter auf den Stellwänden so ganz anders daherkommen, erkennt man in ihnen doch auch recht deutlich die Formensprache der Künstlerin, die sich gleichermaßen wie eine Handschrift auf Mal – und Zeichengründe legt. Je größer das Format, um so weiter scheint die Perspektive die Abstraktion bildhaft vom Betrachter zu entfernen.
Die kleinen Formate funktionieren offenbar umgekehrt, das Teleskop wird hier zum Mikroskop. Unbedeutendes läd Kisker im kleinen Format mit Bedeutung auf: Das Kleine wird konkretisiert, das Große abstrahiert und alles steht im Hochformat.
Die Handschrift der Künstlerin ist deutlich und unverwechselbar. Auch die Zeichnungen im oberen Raum sprechen zum Betrachter in ihrer eigenwilligen Sprache. Kisker selbst gab den Anwesenden mit eigenen Texten Einblicke in ihre phantastische Vorstellungswelt, die nicht zuletzt eine unendliche Kette von Assoziationen bilden, in denen Worte und Bilder im Gefühl einer anzustrebenden Idee verschwimmen. In einer Serie von acht Blättern thematisiert sie Dantes Göttliche Komödie.
Aufzeichnungen - Karin Kiskers Werke werden demnächst im Heringer Schloss zu sehen sein (Foto: K. Moser)
Dante, ein aus seiner Heimat Vertriebener, sucht sich ein geistiges Zuhause, das auf den Spuren der Kulturgeschichte ein globales Universum demonstriert, das zwar einerseits ganz der mittelalterlichen Welt verhaftet ist, aber andererseits zu uns Heutigen durch die Höhe seiner ewigen Menschlichkeit spricht. Dämonisch, kryptisch, kraftvoll und sensibel gezeichnet verdichtet Kisker Struktur und Farbe zum poetischen Klangbild. Durch mehrfache Überzeichnungen gewinnen die Blätter an Tiefe und Mehrschichtigkeit der Bedeutung. Oft spielt auch Schrift eine Rolle. Mal nur als kalligrafisches Vehikel, manchmal jedoch lesbar wie ein Brief an Freunde. Handschrift interessiere sie insofern, gibt Kisker zu Protokoll, als dass sie im Moment gerade im Begriff sei zu schwinden. Die Modernität des Verschwindens sei in Zeiten des Wandels formal und inhaltlich sehr interessant, so die Künstlerin. Die Ausstellung Aufzeichnungen wird noch bis zum 24. September 2016 im Schloss zu sehen sein.
Hedwig Marida
Während der Ausstellung sind folgende Veranstaltungen geplant:
- Lesung in der Ausstellung Sarah und Rainer Kirsch 30.4.2016
- Aus der Werkstatt Karin Kisker:14.5.2016
- Was Bilder kundtun": 18.6.2016
- Finissage: 24.9.2016

