Mit Abstand betrachtet
Donnerstag, 29. Juli 2004, 11:53 Uhr
Mit Abstand betrachtet (Foto: nnz)
Nordhausen (nnz). Die vergangene Saison lief für die Landesklassemannschaft von Wacker 90 Nordhausen alles andere als zufriedenstellend, denn der angepeilte Aufstieg wurde nicht geschafft. Eine Nachbetrachtung von nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg.Zum Saisonauftakt 2004/05 gab Wacker-Präsident Hans-Peter Kell die Marschroute für die kommende Meisterschaft heraus. Die lautet schlicht und einfach: Aufstieg in die Landesliga. Denn wenn wir es in dieser Serie nicht schaffen, werden wir auch die nächsten Jahre in der Landesklasse umher tümpeln, begründete der Vereinschef sein festumrissenes Ziel. Das stieß allerdings bei einigen Verantwortlichen nicht unbedingt auf Gegenliebe. Wenn wir die Mannschaft jetzt schon unter Druck setzen, kommt nicht viel mehr heraus als in der abgelaufenen Meisterschaft, so deren Meinung. Mit dieser Aussage treffen die Realisten eigentlich schon des Pudels Kern. Wenn die Mannschaft gefordert wurde, wenn es um etwas ging, versagte sie kläglich.
Das Pokal-Aus gegen Steinach und der missglückte Saisonauftakt waren kein gutes Ohmen. Die Zugänge Demmer, Ranzinger, Aschenschwandtner und Daniel Verkouter konnten die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Rot-Sünder Pistorius musste gleich zu Beginn der Meisterschaft vier Partien pausieren. So fand sich die Etzrodt-Truppe schnell auf einem mittleren Tabellenplatz wieder. Nach der ersten Halbserie hatte Wacker 90 bereits 13 Punkte Rückstand zu der führenden Mannschaft SV Blau Weiß Niederpöllnitz. Ernüchterung machte sich breit, der Aufstieg war in weite Ferne gerückt. Den Spielern fehlte es an Kontinuität, an Ausgeglichenheit und an Spielwitz. Was nützte es, wenn man gegen Lobeda 9:0 gewinnt, aber im folgenden Spiel beim Abstiegskandidaten Vimaria Weimar nur ein mageres Unentschieden erreicht. Die Leistungen der Männer um Kapitän Sven Pistorius glich einer Sinuskurve, die Stimmung von Himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt.
Wer geglaubt hatte, dass sich die Mannschaft mit Beginn der Rückrunde noch einmal aufbäumen würde, um wenigstens den 2. Platz zu erreichen, sah sich getäuscht, auch wenn sich Wacker 90 zwischenzeitlich bis auf den 4. Platz vorkämpfte. Kulbacki war wieder zur Mannschaft gestoßen und empfahl sich mit einigen sehenswerten Treffern, obwohl spielerisch bei ihm einige Wünsche offen blieben. Aber Licht wechselte zu oft mit Schatten. Als die Etzrodt-Schützlinge am 23. Spieltag auf eigenem Platz Niederpöllnitz unterlag, waren die Messen in Richtung 2. Tabellenplatz endgültig gesungen. Der Kantersieg gegen Stadtilm (5:1) und der Erfolg über Sömmerda (3:1) hatten keine Bedeutung mehr, weil man sich in Lobeda mit einem Unentschieden und der nachfolgenden Heimniederlage gegen Weimar restlos blamierte. Unerklärlich dann allerdings die Leistung in Greiz, wo man 6:2 gewann. Am Ende belegte Wacker 90 Nordhausen einen in diskutablen 5. Platz. 17 Punkte trennten die Nordhäuser vom Relegationsplatz, ein ernüchterndes Ergebnis.
Man kann nur hoffen, dass die Saison gründlich ausgewertet wurde, ohne Schönfärberei und Rücksichtnahme. Nur so kann es in der kommenden Serie besser werden. Die Zugänge nehmen sich bescheiden aus. Mit Marcel Svejdik und Sebastian Elle kamen zwei Oberliga erfahrene Spieler und mit Steve Becker ein Talent aus Holzthaleben. Noch fehlt allerdings ein zuverlässiger Schlussmann, der seiner Vordermannschaft die nötige Sicherheit gibt. Wir brauchen den sportlichen Erfolg, resümierte Kell im Hinblick auf die Sponsoren des Vereins und auf das anstehende 100-jährige Jubiläum im kommenden Jahr. Bleibt zu wünschen, dass diese Worte nicht ungehört an der 1. Mannschaft vorbei gehen. Die A-Junioren haben es den Großen vorgemacht, was man schaffen kann, wenn die Einstellung stimmt und im Kopf die notwendige Klarheit herrscht.
Am Sonnabend (31.07.) gibt es um 15 Uhr im Albert-Kuntz-Sportpark einen letzten interessanten Test gegen den Landesklasse-Vertreter der Staffel West, SC Leinefelde. Der soll Sicherheit bringen über das Mannschaftsgefüge. Der Start in die neue Saison wird für Wacker 90 am 7. August beim Aufsteiger Kindelbrück vollzogen. Eine Woche später empfängt die Elf die Mannschaft aus Schleiz zum ersten Heimspiel.
