Magische Lippen gespitzt
Montag, 02. August 2004, 09:07 Uhr
Magische Lippen gespitzt (Foto: nnz)
Nordhausen (nnz). Echte Weltstars waren in der Vergangenheit in Nordhausen eher Mangelware. Das scheint sich langsam zu ändern. Am Samstagabend wurde einer sogar zum Wiederholungstäter.Er hat einen guten Draht zum Himmel und hat das mit dem Wetter extra so arrangiert, witzelte ein sichtlich gut aufgelegter Giora Feidman am Samstag auf der Bühne der 2. Thüringer Landesgartenschau auf dem Petersberg. Vor dem Konzert hatte schon Bürgermeister Klaus Wahlbuhl das sommerliche (es hat nicht geregnet!) Wetter gepriesen und damit begründet, dass an den Wochenenden, an denen sich die Nordhäuser Partnerstädte auf der LGS präsentieren, stets gutes Wetter sei.
Wie auch immer, den Gästen aus der polnischen Partnerstadt Ostrow und den zahlreich erschienen Konzertgästen war die eine Begründung so recht wie die andere, ihr Augenmerk richtete sich ohnehin mehr auf die Musik als auf die bedrohlich dunklen Wolken, die um die Rolandstadt herumzogen.
Wer von ihnen allerdings ein klassisches Klezmer-Konzert mit wehmütigen jiddischen Melodien und jauchzenden Klarinettenklängen erwartet hatte, sah sich schon bald enttäuscht. Der Großmeister des hochsensiblen Klarinettenspiels war in Begleitung der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg gekommen und dieses Streichensemble erwies sich als ein sehr hochwertiger Klangkörper. Natürlich war nicht zu erwarten gewesen, dass ein Weltstar wie Feidman mit einem zweitklassigen Ensemble touren würde, dennoch war schon der erste Programmpunkt, die Suite für Streichorchester Aus Holbergs Zeit von Edward Grieg eine Klasse für sich. Und da hatte der Star des Abends noch keinen einzigen Ton geblasen.
Das holte er mit einem gelungenen Auftritt durchs Publikum - das sich sofort zum Mitsummen animieren ließ - eindrucksvoll nach. Gil Aldemas In Chassidic Mood, ein deutlich Klezmer-gefärbtes Stück für Streicher und Klarinette bewies zum ersten Male das perfekte Zusammenspiel der Russen mit dem Weltbürger Feidman.
Nach der Pause begeisterte die Russische Kammerphilharmonie mit einer sehr gefühlvollen Interpretation von Bela Bartoks Rumänischen Volkstänzen und der Konzertmeister glänzte als Solist in einem Michel-Gershwin-Stück. Gershwin, allerdings der berühmtere George, wurde wenig später von Giora Feidman unnachahmlich interpretiert, wobei wieder das hervorragende Zusammenspiel von Orchester und Solist bestach. Vorher hatte Feidman zwei Stücke seines weltberühmten argentinischen Landsmanns Astor Piazzola, des großen Akkordeonisten und Tangomeisters gespielt. Die Fantasie für Klarinette und Orchester aus Porgy and Bess geriet zu einem aus dem ganzen großartigen Konzert noch herausragenden Höhepunkt.
Das Publikum dankte den Musikern nach zweistündigem Konzert lange und stürmisch für die grandiose Darbietung eines abwechslungsreichen Programms. Die anwesenden Nordhäuser werden es genossen haben, einen ausgewiesenen Weltstar wie Giora Feidman bereits zum zweiten Male in ihrer Stadt gehabt zu haben. Dafür wiederum gebührt der Dank den Veranstaltern vom örtlichen Kulturamt.
Olaf Schulze
