Kostbarkeiten zu sehen
Donnerstag, 23. September 2004, 18:32 Uhr
Kostbarkeiten zu sehen (Foto: nnz)
Nordhausen (nnz). Ab der kommenden Woche sind unter dem Motto Worpswede – Landschaft im Spiegel der Kunst 70 Werke der Worpsweder Künstlerkolonie im Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg zu sehen. Mehr dazu mit einem künstlerischen Klick.Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Worpsweder Kunststiftung Friedrich Netzel, die sämtliche in Nordhausen gezeigten Werke als Leihgaben zur Verfügung stellt. Sie wurde eigens für Nordhausen konzipiert und präsentiert damit die vierte große Ausstellung mit Klassikern der deutschen Kunstgeschichte in der restaurierten Jugendstilvilla in diesem Jahr.
Die 1895 gegründete Künstlerkolonie war ein Zusammenschluss von mehreren Künstlern, die auf der Suche nach dem einfachen Leben in Worpswede, die bäuerliche Bevölkerung und die norddeutsche Moor- und Heidelandschaft zum Gegenstand ihrer künstlerischen Darstellung entdeckten. Zu den Gründern und wichtigsten Vertretern der Worpsweder Künstlerkolonie zählen Fritz Mackensen, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Otto Modersohn, Heinrich Vogeler sowie Paula Modersohn-Becker. Die rauen, in differenzierten Natur- und Brauntönen gehaltenen Landschaften bilden auch das zentrale Motiv der Nordhäuser Ausstellung. Gezeigt werden sowohl Werke des dem Jugendstil nahestehenden Malers und Grafikers Heinrich Vogeler, dessen Gemälde – wie z.B. Der Moorgraben - durch eine intensive Farbigkeit eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter ausüben.
Im Gegensatz dazu sind die auf wenige, angedeutete Motive beschränkten Landschaftsbilder von Otto Modersohn einem romantischen Naturlyrismus verbunden, der in den Ölgemälden Sonniger Herbsttag und Mondaufgang im Moor besonders gut zum Ausdruck kommt. Neben den Werken von Fritz Overbeck, Hans am Ende und Fritz Mackensen gehören die 10 Arbeiten von Paula Modersohn-Becker zu den besonderen Kostbarkeiten der Ausstellung. Gezeigt werden ihre Gemälde – Birkenstamm und Scheune aus dem Jahr 1901 sowie zahlreiche Radierungen z.B. Die Gänsemagd und Bildnis einer Bäuerin. Während die Künstlerin, die 1901 den Maler Otto Modersohn geheiratet hat, in der Anfangszeit eher dem expressiven Naturlyrismus nahe stand, den sie bei ihren Malstudien in London und Berlin sowie bei Fritz Mackensen in Worpswede erlernt hat, gelangt sie später zu einer ausdrucksbetonten, großflächigen, farbintensiven Malerei, die sie zu einer Wegbereiterin des deutschen Expressionismus machte.
Im Kunsthaus Meyenburg sind neben den bekannten Gemälden der Gründergeneration auch zahlreiche originale Handzeichnungen und Radierungen zu sehen, die - nur selten gezeigt -, ebenfalls die Liebe zur Natur und Landschaft und die fast poetische Herangehensweise der Künstler an ihr Motiv zu Ausdruck bringen.
Die Ausstellung Worpswede – Landschaft im Spiegel der Kunst ist vom 29. September bis 14. November im Kunsthaus Meyenburg Nordhausen, Alexander-Puschkin-Str. 31, zu sehen. Öffnungszeiten: Di – So: 10 – 17 Uhr.
