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Bürgergespräch in Niedergebra

Ein Heimspiel für die AfD

Mittwoch, 09. Oktober 2019, 09:30 Uhr
Die Thüringer AfD hatte im Wahlkampf gerufen und annähernd Hundert Interessenten waren gestern gekommen, um sich die Intentionen der Kandidaten anzuhören. Für einen war es ein echtes Heimspiel...

afd  (Foto: oas) afd (Foto: oas)

Der Polizist und Kreistagsmitglied Renè Strube aus Obergebra hatte zum Bürgergespräch ins Dorfgemeinschaftshaus geladen und schon lange vor Beginn der Veranstaltung füllte sich der Saal zusehends. Zur Unterstützung hatte sich der Kandidat für den Landkreis prominenten Besuch eingeladen. Jürgen Pohl, der Bundestagsabgeordnete, eröffnete die Versammlung und auch Andreas Leupold, Kandidat im Wahlkreis der Stadt Nordhausen trat ans Rednerpult. Als Stargast des Abend wurde zu späterer Stunde der Brandenburgische AfD-Chef Andreas Kalbitz erwartet.

Strube fokussierte sich in seiner kurzen Ansprache schnell auf die Themen Heimat und innere Sicherheit, für die er sich im Landtag stark machen werde, wenn er das Mandat erhält. Zur Erläuterung der Situation brachte er das Beispiel aus dem Kreistag, wo gleich mehrere Fraktionen sich gegen den Antrag des Landrates stellten, wenigstens die straffällig gewordenen Asylbewerber an zentralen Punkten unterzubringen. Die AfD unterstütze hier eindeutig den SPD-Mann, so wie es auch andere Themenfelder gebe, in denen Konsens zwischen AfD und den Altparteien herrsche. Man wolle nicht alles neu erfinden, sagte Strube.

Andreas Leupold  (Foto: oas) Andreas Leupold (Foto: oas)
Landtagskandidat Andreas Leupold griff die Konkurrenten scharf an

Andreas Leupold versprühte schon wesentlich weniger Harmonie, griff vor allem die Regierungspartei LINKE scharf an. Ramelow für seine Geschichtsvergessenheit, die DDR nicht als Unrechtsstaat bezeichnen zu wollen und seine direkte Konkurrentin Mitteldorf wegen ihrer Trickserei um ein nicht abgeschlossenes Studium. Er plädierte unter dem Beifall der Anwesenden für eine Verkleinerung des Thüringer Parlaments (das zweitgrößte im Pro-Kopf-Vergleich in der Bundesrepublik) und forderte eine Begrenzung der Legislaturperioden für Politiker. Es könne nicht sein, dass Leute wie die CDU-Politiker Grund und Primas seit über 25 Jahren in Parlamenten säßen. Und er griff die "Verlogenheit" dieser Politiker an, die jetzt vor der Wahl plötzlich konservativ täten, ansonsten aber jeden Beschluss der Merkel-Regierung selbstverständlich mittrügen.

Auch in punkto Windräder sieht Leupold sich an den Baron Münchhausen erinnert. Hier in Thüringen spräche sich der CDU-Spitzenmann Mohring angeblich dagegen aus und in Berlin beschließe seine Partei ein Klimagesetz, das diesen Prozess noch forcieren wolle. Schließlich schlug er vor „den Staatsmedien des öffentlichen Rundfunks endlich den Stecker zu ziehen“, wofür er tosenden Applaus erntete. „Wir brauchen eine Wende von der passiv beobachtenden hin zur Mitmachdemokratie“, forderte er von den Zuhörern.

Inzwischen war der Hauptredner Andreas Kalbitz eingetroffen, seines Zeichens Vorsitzender der Brandenburgischen AfD und deren Fraktionschef im Landtag. Er begleitet momentan den Wahlkampf seiner Thüringer Parteifreunde und bezeichnete ihr 96-seitiges Wahl-Programm als „großartig“. Die Kandidatenliste offeriere zudem Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft mit gesundem Menschenverstand. Und im Gegensatz zu anderen Parteien seien das alles Leute, die mit beiden Beinen im Leben stünden. „Wenn die anderen Parteien ihren Job richtig gemacht hätten, dann gäbe es uns heute gar nicht“, rief er den Leuten im Publikum zu. Kalbitz prangerte die fortschreitende Deindustrialisierung Deutschlands für den „Klimawahn“ scharf an und meinte auf den Gesamtzustand des Landes bezogen: „Wir zehren immer mehr von der Substanz“. Den Staat sieht Kalbitz in der Bringepflicht, wenn es um würdige Renten für Menschen geht, die ein Leben lang gearbeitet haben und dann mit Almosen abgespeist werden sollen. Und das Geld dafür sei ja da, wie die Migrationspolitik der Bundesregierung beweise, es würde nur nicht ausgegeben.

Andreas Kalbitz (Foto: oas) Andreas Kalbitz (Foto: oas)
Andreas Kalbitz unterstützt die Thüringer AfD

Das „Verblödungssystem in der Bildungspolitik“ kritisierte der gebürtige Münchner in der Folge, wo es eben für die Schüler wichtiger sein müsse, lesen und schreiben und einen Dreisatz zu erlernen, als den x-ten interkulturellen Trommelkurs zu besuchen. Die Menge der „Geschwätzwissenschaftler“ nehme dramatisch zu und er meine damit all die Sozialpädagogen und Pseudowissenschaftler wie Genderforscher. In Berlin breite sich ein „Polit-Swinger-Club“ aus, wo jeder mit jedem herummacht, Hauptsache man bliebe an den Fleischtöpfen der Macht.

Klare Wort fand Andreas Kalbitz auch zum Thema Ausländerfeindlichkeit. „Wir sind nicht ausländerfeindlich“, sagte er, „aber wir sind inländerfreundlich“. Er kenne ganz viele ausländisch stämmige Menschen, die zu Deutschland gehören und die wir hier brauchen, weil sie mit den Inländern nach deren Regeln leben und arbeiten. Es ginge um die Einhaltung des Grundgesetzes und Heimat wäre eben nicht verhandelbar. Die AfD habe die Vision einer Gesellschaft, die in einer Solidargemeinschaft lebt. Dabei spiele die Herkunft der Menschen keine Rolle. „Die Kunst ist es nicht, gewählt zu werden. Die Kunst ist es, nach der Wahl dann auch zu liefern“, schrieb er seinen Parteifreunden abschließend ins Stammbuch.

Es entstand während des gestrigen Bürgergesprächs im Niedergebraer Dorfgemeinschaftshaus nicht der Eindruck, dass die Gäste von den AfD-Funktionäre noch großartig überzeugt werden mussten, wem sie ihre Stimmen am 27. Oktober geben sollen. Insofern war dieser Wahlkampfauftritt ein echtes Heimspiel für die Blauen.
Olaf Schulze
Autor: red

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