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David Johnson und Aaron Schmidt-Wiegand spielten in der pro vita

Weltpremiere auf einer Studiobühne

Freitag, 18. Oktober 2019, 23:26 Uhr
„American tunes“ hatte der Sänger und Pianist David Johnson für sein erstes Solo-Programm versprochen und sich einen erfahrenen Jazz-Trompeter zur Unterstützung geholt. Kurz und gut: hat phantastisch funktioniert heute Abend.

american tunes (Foto: Eva Wiegand ) american tunes (Foto: Eva Wiegand )


Mit der coolen Jazznummer „Beyond the sea“ starteten Johnson und der Berliner Aaron Schmidt-Wiegand vor vollem Haus in der Studiobühne der pro vita ihr erstes gemeinsames Konzert. Und tatsächlich war die Übersee-Verbindung von Amerika nach Deutschland sofort gegeben. Als hätten sie jahrelang nichts anderes gemacht jazzten und swingten die beiden knapp zwei Stunden durch die Welt amerikanischer Jazz- und Vaudeville-Songs, interpretierten Sinatra ebenso eindrucksvoll wie Gershwins „Summertime“ oder Luis „Satchmos“ Armstrongs „What a wonderful world“.

Das Motto des Abends fanden sie schließlich mit dem Titel „I got you under my skin“, denn das so gefühlvolle wie perfekte Zusammenspiel ging dem Publikum echt unter die Haut. David Johnson sang weniger als erwartet und brillierte dafür am Piano, wo er endlos und mitreißend begeistern kann. Aaron Wiegand-Schmidt zelebrierte facettenreich und klanggewaltig seine Instrumente und nahm spielerisch jede Improvisation an. Außer einer klassischen Trompete mit allerlei Versatzstücken hatte er sein Flügelhorn mitgebracht, das Liedern wie „Somewhere over the Rainbow“ eine ganz neue Farbe verlieh.

american tunes (Foto: Eva Wiegand) american tunes (Foto: Eva Wiegand)

Eroberte sich ein neues Publikum im Sturm: der Berliner Trompeter Aaron Schmidt-Wiegand

Zur qualitativ hochwertigen musikalischen Darbietung moderierte Johnson in seinem liebevoll akzentuierten Deutsch durchs Programm. So bekannte er beispielsweise, einige Songs nur gerne gespielt zu haben, weil man dabei so gut Mädchen kennen lernen konnte. Und er verriet dem angetanen Publikum, dass er aus Indiana im mittleren Westen stamme, was er heimlich als das Thüringen Amerikas bezeichne, denn es gäbe dort auch viel Grün, keine Küste und jede Menge Pferde. Das Auditorium durfte den einen oder anderen Hit mit den Fingern mitschnippsen, was es gerne tat, bis die Fingerkuppen glühten.

Ein grooviges Arrangement von Sinatras „My way“, in der auch die Trompete einige Strophe sang, wollten sich die Musiker, die sich ganz offensichtlich bestens verstehen und als Kollegen sehr achten, sollte das Konzert beenden. Das ließ das Publikum jedoch nicht zu und forderte mit stehenden Ovationen eine Zugabe. Gab es dann auch - an einem überraschend angenehmen Abend mit cooler Jazzmusik, die überhaupt nicht weh getan hat. Fortsetzung sehr erwünscht.
Olaf Schulze
Autor: red

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