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Heiko Scholz zieht Konsequenzen

Wacker verjüngt den Kader

Dienstag, 22. Oktober 2019, 21:00 Uhr
Ratlosigkeit machte sich breit im Wacker-Lager. Neben den Spielern verließ auch der Tross der sportlich Verantwortlichen letzten Samstag gesenkten Hauptes das Auerbacher VfB-Stadion. Der hoch gehandelte Aufstiegsaspirant Wacker Nordhausen hatte die dritte Punktspiel-Niederlage in Folge kassiert.

Wacker (Foto: Bernd Peter ) Wacker (Foto: Bernd Peter )

Konsternierte Gesichter auf der Wacker-Bank: Auerbach hat eben das 5:2 erzielt

Acht Punkte Rückstand auf das Führunsduo nach zwölf Spieltagen ist nicht das, was sich Heiko Scholz und seine Mitstreiter zu Saisonbeginn vorgestellt hatten.

Konnte man die Klatschen gegen Lok und Cottbus noch als ärgerlich, aber nicht unvorstellbar einordnen, so erschreckt besonders die Art und Weise, wie sich eine personell stark besetzte Mannschaft in Auerbach leicht vermeidbare Gegentore einschenken ließ. Auch für den Nordhäuser Cheftrainer war es unbegreiflich, wie nach einer dominanten halben Stunde mit zahlreichen Möglichkeiten, noch höher als 1:0 in Führung zu gehen, binnen neun Minuten das Spiel hoffnungslos aus der Hand gegeben wurde.

„Wenn du gegen Lok drei Tore schießt, dann musst du wenigstens einen Punkt mitnehmen“, analysierte der Fußballlehrer. „Gegen Cottbus war die erste Halbzeit einfach eine Frechheit. Und in Auerbach musste ich mich in der Pause zwicken, weil ich es nicht glauben konnte, wie wir nach so überlegenem Spiel in den letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit so einbrechen konnten.“ Ein nachdenklicher Heiko Scholz hinterfragt sich dabei auch selbst. „Wir haben viel rotiert in den ersten Spielen und es hat gut funktioniert. Aber vielleicht war der Druck auch zu groß, beispielsweise auf meine vier gleichwertigen Innenverteidiger. Inzwischen hat jeder von ihnen seinen Fehler gemacht.“

Wacker (Foto: Bernd Peter ) Wacker (Foto: Bernd Peter )

Pluntke und Müller kommen zu spät, rechts dreht Torschütze Zimmerman ab

Und in der Tat kann es schon mal passieren, dass nach vorne nicht viel geht in einer Partie, das gegnerische Tor wie vernagelt scheint, der Torhüter über sich hinauswächst. Aber dass die Abwehr, die immer ein Nordhäuser Prunkstück war, sich so desolat präsentiert, war eine Überraschung.

In der Parkallee verfällt man trotzdem nicht in Aktionismus und wertet die letzten „drei Seuchenwochen“ (O-Ton Scholz) systematisch aus. „Wir haben das ganz nüchtern diskutiert und Fehler ausgewertet. Zur Sommerpause hatten wir uns entschieden, die Mannschaft nur punktuell zu verstärken. Jetzt werden wir mit dieser Entscheidung leben.“

Konsequenzen aus dem schlechten Lauf zuletzt will er aber dennoch ziehen: „Wir werden den Kader der ersten Mannschaft verkleinern. Möglicherweise nimmt das etwas Druck aus dem Kessel und die Trainingsbedingungen sind mit 20 Feldspielern einfach besser als mit 25“, zieht der Trainer ein Fazit und benennt die fünf Spieler, die künftig in der U23 auflaufen werden. Jan Glinker, Sebastian Heidinger und Jan Löhmannsröben gehören ab sofort der Mannschaft von Philipp Seeland an, ebenso Vladimir Kovac und Mounir Chaftar, die zwar nicht mehr im Kader der Profis standen, aber dort mittrainiert hatten. Er wolle die aussortierten Spieler nicht zu Sündenböcken machen, erklärte Heiko Scholz und kündigte an, dass auch alle anderen um ihre Verträge kämpfen müssen. „Es laufen viel Verträge im Sommer aus und jetzt können die Jungs die Weichen für einen neuen Kontrakt stellen.“

Wacker (Foto: Bernd Peter ) Wacker (Foto: Bernd Peter )
Ein nachdenklicher Heiko Scholz auf der Pressekonferenz in Auerbach

Wer im nächsten Spiel gegen Rathenow am Freitagabend (19 Uhr im Albert-Kuntz-Sportpark) das Vertrauen für die Anfangself erhält, konnte Scholz noch nicht sagen. „Das hängt von den Trainingseindrücken ab“, wimmelte er die Frage ab.

Auch wenn „Scholle“ das Vertrauen der Vereinsführung genießt und weiter seine Arbeit nachgehen kann, kennt er doch die Gesetzmäßigkeiten der Branche ganz genau. Die besagen, dass am Freitag gegen den Underdog unbedingt gewonnen werden muss, sonst wir die Luft dünn.

Seinen trockenen Humor hat Heiko Scholz angesichts der Niederlagen aber nicht eingebüßt: „Ich habe gehört, dass der Oktober in Nordhausen sehr windig sein kann“, spielt er sarkastisch auf die Entlassungen seiner Vorgänger in vergangenen Herbstzeiten an. Für seine Spieler dürfte das eine zusätzliche Motivation sein, am Freitag unter Flutlicht für ihren Trainer zu spielen und zu siegen. Denn es ist erst der 25. Oktober!
Olaf Schulze
Autor: osch

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