Nachgelegt
Der Merz war da – na und?
Montag, 28. Oktober 2019, 08:17 Uhr
Wir hatten am Wochenende bereits ausführlich über den Besuch von Friedrich Merz in Nordhausen berichtet. Obwohl als Wirtschaftsgespräch angekündigt, sollte der Mann aus dem Sauerland noch einige Wahlkampf-Kastanien aus dem Feuer holen. Es blieb, wie auch bei Mike Mohring, allerdings beim Versuch…
Merz und Mohring am Freitagabend in Nordhausen (Foto: nnz)
Man kann Carolin Gerbothe und Steffen Iffland nicht nachsagen, dass sie sich in den zurückliegenden Wochen nicht bemüht hätten. Die 27jährige Gerbothe ging andere Wege, um sich und ihre Ziele in Richtung Landtag bekannt zu machen. Der 20 Jahre ältere Iffland beschritt bekannte Wahlkampf-Pfade, er brauchte sich der Wählerschaft nicht groß vorzustellen.
So unterschiedlich ihre Strategien auch waren, beide hatten einen Makel – ihre Partei. Die CDU war Garant ihrer Niederlage. Nicht die CDU im Landkreis Nordhausen, sondern die in Erfurt und vor allem die in Berlin. Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer oder Paul Zimiak sowie der dortige gesamte Hofstaat tragen die Hauptverantwortung für das christdemokratische Scheitern in Thüringen, wie sie auch die Verantwortung für die Verluste in Sachsen und Brandenburg trugen.
Ich will das deutlich machen am Vortrag von Friedrich Merz am Freitagabend in Nordhausen. Da saßen und standen vielleicht in Summe 800 Menschen zusammen. Klar, die Mehrheit derer waren Mitglieder oder Sympathisanten der CDU. Doch – Nordhausen ist ein Dorf, es waren auch Frauen und Männer zu sehen, die einfach mal hören wollten, was einer wie Merz, der zwar gestalten will, wenn man ihn den fragen würde, der aber nicht muss. Und ein Indikator ist bei derartigen Veranstaltungen die Intensität des Beifalls zu gewissen Themenblöcken.
Zwar wird, wenn die Stimme des Redners nach unten geht und eine (Atem)pause eingelegt wird, artig geklatscht, doch es waren nun mal die Themen, die mehr Beifall fanden. Zum Beispiel das Verhältnis zu Rußland, dass der Herr Merz anders sieht als AKK und die Kanzlerin. Es war die Bildungspolitik, insbesondere die duale Ausbildung, die nach Merz nicht in die richtige Richtung läuft und deren derzeitige Ergebnisse vielen Unternehmen und Handwerksbetrieben zu schaffen macht. Und es war die kritische Einschätzung der bisherigen Migrationspolitik der Bundesregierung, um es höflich auszudrücken. Das sind nur einige Themen, die den Menschen unter den sprichwörtlichen Nägeln brennen.
Und warum ist denn so schwer, diese Themen nicht zu erkennen und zu benennen? Weil sich Berufspolitiker wie ein Mike Mohring nicht trauen, wenn sie denn diese Stimmungen schon aufnehmen, diese auch zu transportieren. In Vorstandssitzungen der Parteigremien mal auf den Tisch zu hauen, mal Klartext zu reden, statt mit Floskeln rumzuwerfen, die kaum einer noch hören will. Und die den Menschen mal deutlich mitteilen, dass auch eine CDU Fehler machen kann und darf. Aber nein, statt die unkontrollierte Einwanderung von mehr als einer Million Menschen nach Deutschland als Fehler zu bezeichnen, wird die Parole ausgegeben, 2015 dürfe sich nicht wiederholen. Ja, mein Gott, wenn sich was nicht wiederholen darf, dann war es doch nicht richtig!
Diese Ehrlichkeit, diese Klarheit, erlaubt oder traut sich ein Mike Mohring nicht und deshalb wurde er gestern abgewählt, auch deshalb verlor die CDU fast 12 Prozentpunkte, auch deshalb hatten Carolin Gerbothe und Steffen Iffland gestern keine Chance.
Und einem Friedrich Merz sei ins Sauerland hinterher gerufen: Dann trauen Sie sich doch und beenden die bisherige CDU-Politik in den entscheidenden Politikfeldern. Werden Sie wieder konservativ und nicht beliebig. Sie nehmen das Klima an der Parteibasis auf, Sie haben doch die Antennen, um zu erfahren, wie breite Kreise der Gesellschaft ticken. Beim Bundesparteitag in Leipzig haben Sie dazu eine Chance. "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert,es kommt aber darauf an sie zu verändern". Diesen Satz schrieb Karl Marx in seine Thesen über Feuerbach. Ihre Partei, die CDU, muss nicht grüner werden als die Grünen, nicht linker als die SPD werden, aber sie muss aufpassen, dass sie nicht den gleichen Weg geht wie die Sozialdemokratie, dass sie nicht zwischen Linksgrün und AfD zermahlen wird. Dass, was sich in den ostdeutschen Bundesländern seit Jahren abzeichnet, das wird auch um den bescheidenen Rest des Landes keinen Bogen machen. Sie schrieben auf Twitter: "Das Wahlergebnis von Thüringen kann die CDU nicht mehr ignorieren oder einfach aussitzen". Also verändern Sie.
Insofern war der Freitagabend in Nordhausen ein Spiegelbild dessen, was und wo es in breiten Teilen der Gesellschaft köchelt. Wenn es vor Jahren noch möglich war, dieses Köcheln unter Kontrolle zu halten, so wird das vermutlich nicht mehr möglich sein. Es besteht die Möglichkeit des Überkochens und dieses Gemeinwesen wird Gefahr laufen entweder zu explodieren oder zu implodieren.
Peter-Stefan Greiner
Rede von Friedrich Merz
Autor: red
Merz und Mohring am Freitagabend in Nordhausen (Foto: nnz)
Man kann Carolin Gerbothe und Steffen Iffland nicht nachsagen, dass sie sich in den zurückliegenden Wochen nicht bemüht hätten. Die 27jährige Gerbothe ging andere Wege, um sich und ihre Ziele in Richtung Landtag bekannt zu machen. Der 20 Jahre ältere Iffland beschritt bekannte Wahlkampf-Pfade, er brauchte sich der Wählerschaft nicht groß vorzustellen.
So unterschiedlich ihre Strategien auch waren, beide hatten einen Makel – ihre Partei. Die CDU war Garant ihrer Niederlage. Nicht die CDU im Landkreis Nordhausen, sondern die in Erfurt und vor allem die in Berlin. Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer oder Paul Zimiak sowie der dortige gesamte Hofstaat tragen die Hauptverantwortung für das christdemokratische Scheitern in Thüringen, wie sie auch die Verantwortung für die Verluste in Sachsen und Brandenburg trugen.
Ich will das deutlich machen am Vortrag von Friedrich Merz am Freitagabend in Nordhausen. Da saßen und standen vielleicht in Summe 800 Menschen zusammen. Klar, die Mehrheit derer waren Mitglieder oder Sympathisanten der CDU. Doch – Nordhausen ist ein Dorf, es waren auch Frauen und Männer zu sehen, die einfach mal hören wollten, was einer wie Merz, der zwar gestalten will, wenn man ihn den fragen würde, der aber nicht muss. Und ein Indikator ist bei derartigen Veranstaltungen die Intensität des Beifalls zu gewissen Themenblöcken.
Zwar wird, wenn die Stimme des Redners nach unten geht und eine (Atem)pause eingelegt wird, artig geklatscht, doch es waren nun mal die Themen, die mehr Beifall fanden. Zum Beispiel das Verhältnis zu Rußland, dass der Herr Merz anders sieht als AKK und die Kanzlerin. Es war die Bildungspolitik, insbesondere die duale Ausbildung, die nach Merz nicht in die richtige Richtung läuft und deren derzeitige Ergebnisse vielen Unternehmen und Handwerksbetrieben zu schaffen macht. Und es war die kritische Einschätzung der bisherigen Migrationspolitik der Bundesregierung, um es höflich auszudrücken. Das sind nur einige Themen, die den Menschen unter den sprichwörtlichen Nägeln brennen.
Und warum ist denn so schwer, diese Themen nicht zu erkennen und zu benennen? Weil sich Berufspolitiker wie ein Mike Mohring nicht trauen, wenn sie denn diese Stimmungen schon aufnehmen, diese auch zu transportieren. In Vorstandssitzungen der Parteigremien mal auf den Tisch zu hauen, mal Klartext zu reden, statt mit Floskeln rumzuwerfen, die kaum einer noch hören will. Und die den Menschen mal deutlich mitteilen, dass auch eine CDU Fehler machen kann und darf. Aber nein, statt die unkontrollierte Einwanderung von mehr als einer Million Menschen nach Deutschland als Fehler zu bezeichnen, wird die Parole ausgegeben, 2015 dürfe sich nicht wiederholen. Ja, mein Gott, wenn sich was nicht wiederholen darf, dann war es doch nicht richtig!
Diese Ehrlichkeit, diese Klarheit, erlaubt oder traut sich ein Mike Mohring nicht und deshalb wurde er gestern abgewählt, auch deshalb verlor die CDU fast 12 Prozentpunkte, auch deshalb hatten Carolin Gerbothe und Steffen Iffland gestern keine Chance.
Und einem Friedrich Merz sei ins Sauerland hinterher gerufen: Dann trauen Sie sich doch und beenden die bisherige CDU-Politik in den entscheidenden Politikfeldern. Werden Sie wieder konservativ und nicht beliebig. Sie nehmen das Klima an der Parteibasis auf, Sie haben doch die Antennen, um zu erfahren, wie breite Kreise der Gesellschaft ticken. Beim Bundesparteitag in Leipzig haben Sie dazu eine Chance. "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert,es kommt aber darauf an sie zu verändern". Diesen Satz schrieb Karl Marx in seine Thesen über Feuerbach. Ihre Partei, die CDU, muss nicht grüner werden als die Grünen, nicht linker als die SPD werden, aber sie muss aufpassen, dass sie nicht den gleichen Weg geht wie die Sozialdemokratie, dass sie nicht zwischen Linksgrün und AfD zermahlen wird. Dass, was sich in den ostdeutschen Bundesländern seit Jahren abzeichnet, das wird auch um den bescheidenen Rest des Landes keinen Bogen machen. Sie schrieben auf Twitter: "Das Wahlergebnis von Thüringen kann die CDU nicht mehr ignorieren oder einfach aussitzen". Also verändern Sie.
Insofern war der Freitagabend in Nordhausen ein Spiegelbild dessen, was und wo es in breiten Teilen der Gesellschaft köchelt. Wenn es vor Jahren noch möglich war, dieses Köcheln unter Kontrolle zu halten, so wird das vermutlich nicht mehr möglich sein. Es besteht die Möglichkeit des Überkochens und dieses Gemeinwesen wird Gefahr laufen entweder zu explodieren oder zu implodieren.
Peter-Stefan Greiner
Rede von Friedrich Merz
