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DAS BESTE DEUTSCHLAND ALLER ZEITEN?

CDU, Werteunion, Egoismus

Montag, 02. Dezember 2019, 15:00 Uhr
Die Werteunion der CDU macht von sich reden. Auch im Landkreis Nordhausen. Der Kreisvorsitzende, Steffen Romer, sprach Klartext. Die nnz berichtete. Im Laufe der letzten zehn Jahre habe die CDU zwischen zehn und 20 Prozentpunkte verloren. Beispiel Thüringen. Eine Betrachtung von Kurt Frank...

Bild von Wolfgang van de Rydt auf Pixabay

Diesen Negativtrend dürfe man nicht unter den Teppich kehren oder ihn ignorieren. Die Werteunion wolle den konservativen Wählern und Mitgliedern der CDU zeigen, dass noch nicht alles verloren sei. Werte, die unter dem Linksdrall der Kanzlerin abhanden kamen, wolle man beleben, die CDU wieder stark und gute Politik für das Volk machen.

Das CDU-Damen-Duo in Berlin sieht das anders und in der Werteunion nur einen kleinen Störenfried. Gute Politik für das Volk habe die CDU doch immer gemacht, schallte es vom Parteitag, der kürzlich in Leipzig tagte. Die eingefahrenen Verluste schienen da nur Nebensache. Es sei das beste Deutschland, das wir je hatten. Da habe mit unserer Politik zu tun. Ohne die Union wäre es nicht dieses Deutschland. Den Wonnegesang des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier bedachten die Delegierten mit wohlwollendem Applaus. Es ginge doch allen gut. Ob er da nur die etwa 1000 Delegierten meinte?

Das beste Deutschland aller Zeiten strahle doch umso heller, je intensiver wir uns alter Zeiten erinnerten. Wir erinnern uns: Da gab es eine Republik ohne Araber-Clans mit ihren kriminellen Machenschaften. Auch keine Verzierungen von Weihnachtsmärkten mit Panzersperren. Oder arglose illegale Einwanderungen zum „Sehnsuchtsort“ der Welt. Welche Eintönigkeit, hingegen belebt heute bunte Vielfalt das Land. Die Menschen hatten seinerzeit noch mit Entscheidungen zu kämpfen, ob sie ihr Geld in eine Inhaberschuldverschreibung, Kapitalversicherung oder einen Bausparvertrag anlegen sollten. Von diesen Zumutungen sind wir heute samt und sonders dank der Abschaffung der Zinsen befreit.

Was waren das nur für Zeitungen, die sich seinerzeit in der Bundesrepublik noch gegenseitig widersprachen. Nicht nur, weil sie verschiedenen Lagern angehörten. Nein, sie schossen auch noch quer zur Regierung. Welch eine Frechheit. Heute wissen wir, was Sache ist. Richtig ist, was die Regierung predigt. Und die sie lobende Presse schreibt. Das erspart uns, glücklicherweise, unnötiges Kopfzerbrechen. Dem Vernehmen nach will die Regierung, damit das auch so bleibt, Zeitungsverlage künftig mit staatlichen Zuschüssen beglücken.

Wie zu lesen war, habe Wolfgang Schäuble, der Bundestagspräsident, ein Übel deutlich benannt. Etwas überspitzt formuliert, will das Volk einfach nicht begreifen, dass es uns allen blendend geht. Wir müssten aufpassen, soll er zum Buß- und Bettag im Berliner Dom gesagt haben, sonst verliere unsere Gesellschaft die Gemeinwohlorientierung und zerfalle weiter. Unsere Gemeinwohlorientierung schwinde, unser Egoismus wachse und wir wollten immer mehr. Beschämt sollten wir nach diesen Ermahnungen in uns gehen.

Seit 1972 sitzt Schäuble im Bundestag. Da kennt er sich wohl gut aus mit Suppenküchen, Familien, die jeden Euro zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. Mit schwindenden bezahlbaren Wohnungen, steigenden Mieten, Null-Zinsen, dem Hinschmelzen des Ersparten, der Angst, im Alter arm zu sein. Angst mache Schäuble nur der Ton in der Migrations- und Asyldebatte. Eine „fiebrige Wut“ grassiere da.

Es darf bezweifelt werden, ob sich das Volk Schäubles Ermahnungen auch zu Herzen nimmt. Lässt unser moralischer Zustand zu wünschen übrig? Oder ist es „fiebrige Wut“ im Volk, das mit dem besten Deutschland aller Zeiten und den Wohltaten der Regierung so ihre Zweifel hat? Mit ihrem Parteitag in Leipzig wollte die CDU-Obrigkeit neue Wege weisen, Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen. Schluss mit dem „Weiter so!“ machen.

CDU-Mann Steffen Romer und die Werteunion sehen keinen Aufbruch. Eine ungelöste Asyl- und Einwanderung, wankende innere Sicherheit, Handelsstreit eine tragende Rolle spielte das in Leipzig nicht. Stattdessen sehen sich die Mahner und Konservativen in der Werteunion einer Art Ausgrenzung ausgesetzt. Selbst verhaltene Kritik an der chaotischen Grenzöffnung 2015 oder der Kanzlerin, wie sie Maaßen und Wendt äußerten, kann das politische Aus bedeuten.

Die Werteunion nur ein kleiner Störenfried? Aber sie bekomme Zulauf. Woche für Woche. In Kreis- und Regionalverbänden. Wenn derzeit auch nur noch verhalten. Das werde sich ändern, sollte Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre „Königin“ ein „Weiter so!“ fahren. Es könnte spannend werden.
Kurt Frank
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