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Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Aus den Fehlern der ersten Impfkampagne lernen

Sonntag, 28. Februar 2021, 11:28 Uhr
Rund sieben Wochen nach Beginn der Impfkampagne warnt die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) davor, dass die Erwartungen der Menschen an die Organisation der Corona-Impfungen und die Versorgungsrealität in den Städten und Regionen nach wie vor auseinanderklaffen...

Die aktuell missverständlichen und teilweise sehr vereinfachenden Äußerungen zur Wirksamkeit einzelner Impfstoffe verstärkt das Gefühl einer Zwei-Klassen-Impfung und droht den Ausweg aus der Pandemie zusätzlich zu erschweren. „Bis weitere Impfstofflieferungen eintreffen, ist eine möglichst effiziente Nutzung der lebensrettenden Impfstoffe auch davon abhängig, dass allen Menschen klar ist, wie sehr die Impfung mit den vorhandenen Vakzinen ihnen und auch allen anderen Menschen in Deutschland helfen kann“, sagt UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede. „Aus dem Dialog mit Ärzten, Wissenschaftlern und Medien wissen wir, dass die Patientenberatung dabei mit ihrer Information und Beratung der Bürger in guter Gesellschaft ist. Viele Akteure leisten ihren Beitrag dazu, dass Deutschland mithilfe einer praktischen und zielgruppengerechten Impforganisation und Impfinformation auf dem weiteren Weg aus der Pandemie möglichst gut vorankommt.“

Neben Anfragen rund um die Pandemie, die Covid-19-Erkrankung sowie die pandemiebedingten Einschränkungen, die allein im Jahr 2020 zu rund 50.000 Beratungen bei der UPD geführt haben, bildet seit Ende des vergangenen Jahres das Thema Impfen einen Schwerpunkt der Corona-Beratungen. Sowohl das Beratungsgeschehen als auch die öffentliche Diskussion zeigen: Viele Menschen erleben den Weg zur Impfung als holprig. „In den ersten Wochen nach dem Impfstart zeigten Ratsuchende durchaus Verständnis für die Anlaufschwierigkeiten. Die Erfahrungen aus unserer Beratungspraxis geben jedoch Anlass zur Befürchtung, dass das Vertrauen in die Impfstoffe und die Impfkampagne schwindet.

Die Bürger erwarten, dass die Probleme einer stellenweise mangelhaften und wenig an der Lebensrealität der Menschen orientierten Organisation der Terminvergabe zügig abgestellt werden“, sagt Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der Patientenberatung. Wiederholt erreichen die UPD nach seinen Worten noch immer Beschwerden über eine ganz offensichtlich wenig zielgruppengerechte Organisation der Impf-Kampagne auf lokaler Ebene: „Wenn hochbetagte Senioren dazu aufgefordert werden, über Internetportale Sicherheitsabfragen (Captchas) in kaum zu entziffernder Schreibweise abzulesen und einzutragen, mag vielleicht die Enkelin aushelfen können“, sagt Johannes Schenkel, „solche Erfahrungen hinterlassen aber keinen guten Eindruck von der regionalen Organisation der Gesundheitsversorgung.“

Nutzen der Impfstoffe wird nicht genug gewürdigt
Zugleich sind viele Ratsuchende laut Johannes Schenkel verunsichert: „In der Beratung registrieren wir die Folgen der für sie oft unklaren und teils widersprüchlichen Informationen über die zur Verfügung stehenden Impfstoffe. In individuellen Gesprächen können wir sie auf Grundlage des aktuellen Wissenstandes zu ihren gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen informieren und beraten. Durch die oft verkürzt und auch verzerrt dargestellten Informationen zur Wirksamkeit der Impfstoffe ist vielen Menschen nicht bewusst: Alle, denen derzeit ein Impfangebot gemacht werden kann, können von einem außerordentlich guten Schutz vor einer schweren Erkrankung profitieren! Das gilt für den Vektorimpfstoff von AstraZeneca ebenso wie für den mRNA-Impfstoff von BioNTech oder Moderna.“

Patientenberatung im Dialog
Als Beratungseinrichtung ist die Patientenberatung selbst im Dialog mit verschiedenen Beratungseinrichtungen, die den Menschen in der Pandemie mit Informations- und Beratungsangeboten zur Seite stehen. So berichtete Johannes Schenkel Anfang der Woche in einem vom Deutschen Netzwerk Gesundheitskompetenz e. V. ausgerichteten Termin über die Beratungserfahrungen der Patientenberatung seit Anlauf der Impfkampagne.

„Dieser Austausch mit den in der Impfkampagne tätigen Ärztinnen und Ärzten, Wissenschaftlern und Vertretern der Medien, die Antworten auf die vielen Fragen und Erklärungen rund um die Impfung geben, ist für uns sehr wertvoll“, sagt Johannes Schenkel. „Die sachlich angemessene und auch für Nicht-Epidemiologen verständliche Einordnung der Fakten und ein vernünftiger Umgang mit Falschbehauptungen und Verschwörungsgeschichten, über den wir uns intensiv austauschen konnten, ist auch für uns in der Beratung immer wieder eine besondere Aufgabe.“

Informationen über die Beratung der Patientenberatung zu Corona hat die UPD für Interessierte in einem kompakten Dokument zusammengefasst. Es steht auf der Website der Patientenberatung zur Verfügung.
Autor: red

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