Historischer Fund
Sitzmöbel mit Geschichte
Samstag, 03. Juli 2021, 20:46 Uhr
Das im wahrsten Sinne des Worte geschichtstragende Fundstück, um das es in diesem Text geht, stammt aus dem weltweit agierenden, deutschsprachigen Männerverein "Schlaraffia", der sich bis heute der Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor widmet...
Den Mitgliedern war es bei den teilweise wöchentlichen Treffen, laut Statut verboten, sich über Arbeit und Politik zu unterhalten. Der Nordhäuser Ableger wurde 1877 gegründet und bereits 1937 wieder von den Nationalsozialisten verboten, da der Verbund fälschlicherweise mit dem Freimaurern gleichgesetzt wurde.
Nordhausen war die 6. Loge, die sich in Europa gegründet hatte. Aus ihr gingen die Schlaraffen Reyche Heidelberg und Lübeck hervor. Mitte Juni 2021 wurde nun ein Teil der Vereinsgeschichte wiederentdeckt.
Anlass war die Räumung einer Laube in einer der vielen, kleinen aber feinen Nordhäuser Gartenanlagen. Das Stück viel dem Aufräumenden in die Hände und verursachte Ratlosigkeit ob der Herkunft und weiteren Verwendung. Also war der Weg zum geschichtskundigen Nachbar nicht weit: Sag mal, kannst Du den Stuhl gebrauchen? Wenn nicht, würde ich damit die Feuerschale beheizen.
Ein Stuhl mit Geschichte - diese Sitzgelegenheit stammt aus dem Hause der Nordhäuser "Schlaraffia" (Foto: J. Bauersfeld)
Um zu wissen, woher die Entdeckung stammt, müssen wir in der Zeit zurückgehen. Der besagte Finder arbeitete zu DDR-Zeiten bei der PGH Schönes Heim und hatte in den 70er Jahren Holzgestelle aus dem Lager in der Kranichstraße, bei Birkefeld, abgeholt und dort den Stuhl, da er ihm sehr gut gefiel, geschenkt bekommen.
Im Hier und Jetzt angekommen, stand der alte Holzstuhl, unglaublich schwer, aber zum Wegschmeißen viele zu schade, 40 Jahre später wieder im Mittelpunkt der Männerrunde. Denn nach genauerem Betrachten fiel auf, dass in die Rückenlehne eine markante Eule eingeschnitzt war.
Denn mit Blick auf das Mobiliar fiel dem Verfasser dieser Zeilen ein Erwerb ein, den er 2002 zusammen mit der Stadt Nordhausen getätigt hatte: das Reychsschwert der Loge – dessen Wappentier eben diese Eule ist – von Otilie und Hänschen.
Nach kurzen Recherchen, auch in der neusten Ausgabe Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen, wurde ein Bild samt Erklärung für das antike Sitzmöbel gefunden.
Nach einer kurzen Säuberung stellt sich nun die Frage: Haben die Historiker der Stadt Interesse an dem 2. Stück aus der Burg, wie der Treffpunkt der Loge in der Töpferstraße 3 genannt wurde? Denn die Gaststätte wurde im April 1945 durch den Volltreffer einer amerikanischen Bombe völlig zerstört.
Auch hat sich die Nachricht des Fundes schnell verbreitet: Die Loge Heidelberg hat bereits Interesse an dem Stuhl ihrer Mutterloge bekundet und möchte ihn als Thronstuhl für Ritterschläge mit dem Nordhäuser Reichsschwert einsetzen.
Sollte noch jemand etwas über diese Stühle wissen oder sollten sogar noch mehr Stühle existieren, dann ist großes Interesse – nicht nur des Autors – mehr als sicher.
J. Bauersfeld
Autor: redDen Mitgliedern war es bei den teilweise wöchentlichen Treffen, laut Statut verboten, sich über Arbeit und Politik zu unterhalten. Der Nordhäuser Ableger wurde 1877 gegründet und bereits 1937 wieder von den Nationalsozialisten verboten, da der Verbund fälschlicherweise mit dem Freimaurern gleichgesetzt wurde.
Nordhausen war die 6. Loge, die sich in Europa gegründet hatte. Aus ihr gingen die Schlaraffen Reyche Heidelberg und Lübeck hervor. Mitte Juni 2021 wurde nun ein Teil der Vereinsgeschichte wiederentdeckt.
Anlass war die Räumung einer Laube in einer der vielen, kleinen aber feinen Nordhäuser Gartenanlagen. Das Stück viel dem Aufräumenden in die Hände und verursachte Ratlosigkeit ob der Herkunft und weiteren Verwendung. Also war der Weg zum geschichtskundigen Nachbar nicht weit: Sag mal, kannst Du den Stuhl gebrauchen? Wenn nicht, würde ich damit die Feuerschale beheizen.
Ein Stuhl mit Geschichte - diese Sitzgelegenheit stammt aus dem Hause der Nordhäuser "Schlaraffia" (Foto: J. Bauersfeld)
Um zu wissen, woher die Entdeckung stammt, müssen wir in der Zeit zurückgehen. Der besagte Finder arbeitete zu DDR-Zeiten bei der PGH Schönes Heim und hatte in den 70er Jahren Holzgestelle aus dem Lager in der Kranichstraße, bei Birkefeld, abgeholt und dort den Stuhl, da er ihm sehr gut gefiel, geschenkt bekommen.
Im Hier und Jetzt angekommen, stand der alte Holzstuhl, unglaublich schwer, aber zum Wegschmeißen viele zu schade, 40 Jahre später wieder im Mittelpunkt der Männerrunde. Denn nach genauerem Betrachten fiel auf, dass in die Rückenlehne eine markante Eule eingeschnitzt war.
Denn mit Blick auf das Mobiliar fiel dem Verfasser dieser Zeilen ein Erwerb ein, den er 2002 zusammen mit der Stadt Nordhausen getätigt hatte: das Reychsschwert der Loge – dessen Wappentier eben diese Eule ist – von Otilie und Hänschen.
Nach kurzen Recherchen, auch in der neusten Ausgabe Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen, wurde ein Bild samt Erklärung für das antike Sitzmöbel gefunden.
Nach einer kurzen Säuberung stellt sich nun die Frage: Haben die Historiker der Stadt Interesse an dem 2. Stück aus der Burg, wie der Treffpunkt der Loge in der Töpferstraße 3 genannt wurde? Denn die Gaststätte wurde im April 1945 durch den Volltreffer einer amerikanischen Bombe völlig zerstört.
Auch hat sich die Nachricht des Fundes schnell verbreitet: Die Loge Heidelberg hat bereits Interesse an dem Stuhl ihrer Mutterloge bekundet und möchte ihn als Thronstuhl für Ritterschläge mit dem Nordhäuser Reichsschwert einsetzen.
Sollte noch jemand etwas über diese Stühle wissen oder sollten sogar noch mehr Stühle existieren, dann ist großes Interesse – nicht nur des Autors – mehr als sicher.
J. Bauersfeld

