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Betrachtet:

Die CDU - nur noch ein Schatten!

Montag, 27. September 2021, 11:00 Uhr
Wir haben gewählt - zumindest ein Großteil der Nordthüringer. Was wir alle letzten Endes wirklich bekommen werden, das bleibt offen. Offen bleibt auch die Frage nach den Konsequenzen für die Parteien. Vor allem für deren handelnde Personen...

Was übrig bleibt (Foto: Michi S auf Pixabay ) Was übrig bleibt (Foto: Michi S auf Pixabay )
Die Parteien, die das Konservative und Liberale in ihren Programm ganz oben stehen haben, ja vielleicht die ganze Republik, können froh sein, dass es den Osten gibt. Denn ohne das einstige Anschlussgebiet würden die Grünen vielleicht die künftige Bundeskanzlerin stellen und - gemeinsam mit Linke und SPD - die Transformation des bisher bekannten Gemeinwesens einläuten.


So aber haben die Thüringer Wählerinnen und Wähler die Ökopartei und die Linke dorthin geschickt, wo eigentlich ihr Platz sein sollte: 6,6 Prozent bei den Zweitstimmen für die Grünen und 11,4 Prozent für die Linke. Die Linke verlor in einem Bundesland, in dem ihre Partei den Ministerpräsidenten stellt, sogar 5,5 Prozentpunkte gegenüber 2017.

Die Thüringer wollen mehrheitlich nicht transformiert werden, sie wollen auch nicht allein die Welt vor dem Klimauntergang retten. Sie wollen ein ganz normales Leben haben, sie wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Sie wollen mehrheitlich nicht gendern, sondern ein gutes Bildungssystem für ihre Kinder und Enkel. Vieles von dem sahen jene, die links von der Mitte orientiert sind, in diesem Wahlkampf bei der SPD, die bei den Zweitstimmen immerhin mehr als zehn Prozent zulegen konnte.

Und: noch erstaunlicher ist der Fakt, dass ein Viertel der Wähler bei der Zweitstimme ihr Kreuz bei der AfD machten. Und das nach einer immer noch andauernden "Begutachtung" der Partei durch die Dienste des Freistaats und dessen Möglichkeiten des Druckmachens, die bis hinein in die Pädagogenteams der Schulen reichen.

Normalerweise käme man bei einer subjektiven Wahlbetrachtung um die CDU nicht herum. Doch die hat sich in Thüringen derart ins Abseits geschossen, so dass sie vielleicht in einigen Jahren nur noch eine mediale Randnotiz sein wird. Die junge Garde der freistaatlichen Christdemokratie kann es einfach nicht. Die Herren Voigt oder Hirte (letzterer verlor sogar seinen Wahlkreis an den AfD-Mann Stöber) sind nicht diejenigen, die der CDU in diesem Bundesland wieder auf die Beine helfen könnten. Sie sind nicht verortet und nicht geerdet. Sie buhlen zu sehr und zu offensichtlich um Einfluss und Macht, um Posten und Pöstchen, und machen dabei nicht einmal vor dem Anbiedern an die SED-Nachfolger halt.

Sie haben jedoch eine Sache gut gemacht: Sie haben uns Wählern die versprochenen Landtagswahlen torpediert und damit einen katastrophaleren Absturz verhindert. Aber sie haben maßgeblich dazu beigetragen ein Versprechen zu brechen. Und trotzdem sitzen sie und ihre Gefolgschaft sicher und stabil auf einem noch größeren politischen Scherbenhaufen. Und was macht die Basis? Die guckt schon seit Monaten hilf- und planlos zu, wie das Konservative in Thüringen den Bach runtergeht.

Zum Schluss noch ein Blick zu meinem aktuellen Lieblingskonservativen, zum Beauftragten der Bundesregierung für uns Ossis. Marco Wanderwitz. Dieser Mensch mit seinem abfälligen Äußerungen über Menschen, die nach 1989 nicht nur die tiefsten Einschnitte in ihrer privaten und oftmals auch beruflichen Biographie hinnehmen mussten, die beschimpfte er, die verwies er ins rechtsradikale Spektrum und unterstellte ihnen, sie seien nicht demokratiefähig.

Sind sie sehr wohl, denn seinen Wahlkreis in Sachsen hat er verloren, gewonnen hat ihn der AfD-Mann Mike Moncsek. In den Bundestag wird Wanderwitz aufgrund seines ersten Platzes auf der Landesliste einziehen. Es sei denn, er zöge endlich die logischen Konsequenzen aus den Ergebnissen. Aber einen Tag nach der Wahl sind die Wähler für Politiker nicht mehr so interessant. Da geht es um das, um was es immer ging - um Macht, Einfluss und Pöstchen für die nächsten vier Jahre.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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