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Tag der offenen Tür, Familienfest und Fachtag

Kompetenz in der Hilfe

Sonnabend, 18. Juni 2022, 13:14 Uhr
Das Familienzentrum des Jugendsozialwerk Nordhausen präsentierte an zwei Tagen sein umfangreiches Spektrum und stellte einmal mehr die Kompetenz des Fachbereiches unter Beweis...

So gab es zum Tag der offenen Tür am 14. Mai eine große Runde mit den Kooperationspartnern und Unterstützern. Vivian Grabe, die Leiterin des Familienzentrums, lobte die konstruktive Zusammenarbeit und bedankte sich für 30 Jahre hervorragende Zusammenarbeit.

Grabe: „Die Liste der Partner ist lang und die Unterstützung auf jegliche Art, egal ob in fachlicher Hinsicht oder durch Zuwendungen, großartig.“ Ganz besonders hob sie jedoch die Aktion „Thüringen hilft“ hervor. Seit 2017 kamen von dort mehr als 100.000 Euro, von denen 35 Familien und ca. 200 Kinder profitieren konnten.

Am Nachmittag freute sich das Team der Puschkinstraße dann beim Familienfest über äußerst zahlreichen Publikumsbesuch. Unter dem Motto „Rund ums Tier“ gab es jede Menge Aktionen und Informationen. „Wir hatten noch nie so viele Kinder hier“, stellte Vivian Grabe begeistert fest.

Der Dank des kompletten Familienzentrum-Teams geht an alle Kooperationspartner und Unterstützer. Das Plakat ist etwas zerknittert, weil es für eine Videobotschaft bereits auf den Berg Ararat (5137 m) in die Türkei mitgereist ist.  (Foto: Familienzentrum) Der Dank des kompletten Familienzentrum-Teams geht an alle Kooperationspartner und Unterstützer. Das Plakat ist etwas zerknittert, weil es für eine Videobotschaft bereits auf den Berg Ararat (5137 m) in die Türkei mitgereist ist. (Foto: Familienzentrum)


Einen Tag später fanden sich knapp 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der verschiedenen Bereiche des Jugendsozialwerkes zum Fachtag im Jugendklubhaus ein. Dessen Planung lag in den Händen von Petra Dienemann (Familienzentrum) und Christin John (Koordinierungsstelle Frühe Hilfen des Landkreises Nordhausen). Martina Meixner folgte als Referentin mit vierzigjähriger Praxis und enormen Erfahrungsschatz der Einladung.

Die Leiterin der Heilpädagogischen Einrichtung in Johanngeorgenstadt verstand es, von Beginn an für das Thema „Kinder in schwierigen Lebenslagen Stille Störungen“ zu begeistern. Zu den stillen Störungen zählen beispielsweise Depressionen, Zwangserkrankungen, Ausscheidungsstörungen Essstörungen und Tics, erklärt Meixner. Sie möchte Pädagogen und Erzieher ermutigen: „Mir geht es darum, was man in den einzelnen Bereichen tun kann.“ Sie sieht sich als Gefühlsdolmetscherin. In ihrer Vorgehensweise greift sie auf unorthodoxe Dinge und Verfahrensweisen zurück, die sie selbst entwickelt, und spricht von Anti-Geister-Spray und Mut-Bonbon.

Viel Spaß, Informationen und Aktionen bot das Familienfest. (Foto: Familienzentrum) Viel Spaß, Informationen und Aktionen bot das Familienfest. (Foto: Familienzentrum)


Stets ist die wertschätzende Grundhaltung Voraussetzung für das Gelingen. Sozialpädagogen sind keine Therapeuten, betont Meixner. Aber sie sollten bereits Ansätze für Störungen entdecken können. „Ich möchte gesellschaftliche Missverständnisse aufdröseln“ sagt Martina Meixner. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie auf die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, wie die COPSY-Studie bestätigt, auf die sich Martina Meixner bezieht. Auch die Überforderung der Kinder seitens der Eltern hat deutlich zugenommen. Meixner: „Den Kindern wird bereits im Baby- und Kleinkindalter eine Entscheidungskompetenz abverlangt, der sie nicht gewachsen sind.“

Referentin Martina Meixner informierte über Anzeichen und Herangehensweisen bei Stillen Störungen (Foto: Mathias Daniel) Referentin Martina Meixner informierte über Anzeichen und Herangehensweisen bei Stillen Störungen (Foto: Mathias Daniel)


Zudem wird die Entwicklung einer Frustrationstoleranz bei Kindern durch Zwangsbeglückung vermindert oder sogar verhindert. „Eltern folgen erzieherisch dem Mainstream. Die ist ihnen nicht einmal vorwerfbar.“ Am Nachmittag bilden die Workshops „Clevere Kinder clever begleiten“, „Gelingende Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen“, „Babys verstehen Entwicklungspsychologische Beratung“, „Therapeutische Spiele im pädagogischen Alltag“ reichlich Gelegenheit, sich in Kleingruppen thematisch auseinanderzusetzen und gemeinsam zu arbeiten. Nun liegt es an den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Input und Erkenntnisse in den Berufsalltag einfließen zu lassen.
Autor: red

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