Schlechte Konjunkturprognose der IHK für Nordhausen
Dunkel am Ende des Tunnels
Montag, 03. Februar 2025, 19:00 Uhr
Es sagt schon viel aus, wenn sich der Konjunkturklimaindex nach Befragung der Nordhäuser Unternehmerschaft anstatt bei 102 wie in der jüngeren Vergangenheit nun bei 59 von möglichen 200 Zählern bewegt. Aber das ist leider noch nicht alles an schlechten Nachrichten aus der Region …
Die Geschäftslage wird überwiegend negativ bewertet, belegen die nackten Zahlen. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmer sehen eine gute Geschäftslage, aber 36 Prozent eine schlechte. Immerhin 48 Prozent halten die Situation für befriedigend. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) prognostizieren eine weitere Verschlechterung der Lage. Keiner (in Zahlen: 0 Prozent!) der Unternehmer erwartet eine konjunkturelle Erholung. Auch nicht vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl und eventuellen Umbesetzung der jetzigen Regierungskoalition.
Ein stagnierendes Abwarten ist vielmehr die Devise: 72 Prozent der Unternehmer im Kreis will den Bestand an Arbeitskräften halten, aber 28 Prozent wollen Streichungen von Arbeitsplätzen nicht ausschließen. Wiederum null Prozent der regionalen Unternehmerschaft kann sich eine Personalaufstockung vorstellen. Zwei von drei Unternehmen wollen auch vorläufig nichts in ihre Betriebe investieren.
Als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens sehen 75 Prozent die hohen Energie- und Rohstoffpreise, 71 Prozent benennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und 66 Prozent die hohen Arbeitskosten. Aber auch der mangelnde Inlandsabsatz und der steigende Fachkräftemangel bereiten den Betriebsleitern große Sorgen.
Wenn in dieser Situation der Ungewissheit und des Fachkräftemangels Unternehmer ihre Arbeistplätz sogar noch abbauen wollen, dann sagt das alles aus, zieht der stellvertretende Erfurter IHK-Chef und Nordhäuser Familienunternehmen Uli Schlegel ein düsteres Fazit. Hinzu käme, dass sich seit Beginn des Jahres auch noch die Kriterien für Kreditaufnahmen bei den Banken verschärft hätten und die Banken selbst mit verstärkten Eigenkapitalsvorschriften zu kämpfen hätten. Selbst wenn der Wille zur Investition bestünde, so schreckt die überbordende Bürokratie ab. Die Bilanz der Bundesregierung in wirtschaftlichem Bereich bezeichnet Schlegel sehr diplomatisch als ernüchternd. Die Wirtschaftsunternehmen seien so weit abgesackt, dass alles stagniere. Nachdem in den letzten Jahren von der Substanz der Vorjahre gezehrt wurde, beginne nun der Abstieg, weil auch die Steuereinnahmen von den angeschlagenen Betrieb niedriger ausfielen.
Hat das Geld in den Verwaltungen in den guten Jahren gerade so gereicht, fehlt es jetzt an allen Ecken und Enden. Der Sozialstaat entwickelt sich in der Bundesrepublik so, dass er nicht mehr zu finanzieren ist. Schon 55 Prozent des Staatsetats gingen für Sozialleistungen drauf, die von der schwächelnden deutschen Wirtschaft nicht mehr erwirtschaftet werden können. Es sei aber in den Rathäusern offensichtlich bisher nicht angekommen, was da in naher Zukunft auf uns zukommt, vermutete Schlegel. Es sinken nicht nur die Einnahmen aus Gewerbesteuern weiter, sondern durch die auf anderer Basis geleisteten Vorauszahlungen könne es passieren, dass die Kommunen davon etwas wieder zurückgeben müssten.
Mit dem Regionalleiter Nordthüringen der IHK, Christian Böduel, war sich Uli Schlegl einig, dass es völlig unverständlich sei, dass derzeit 3,5 Millionen Menschen in Deutschland keine Arbeit fänden. Von der neuen Bundesregierung erwarten sich die IHK-Granden eine Beseitigung des Investitionsstaus und eine Ankurbelung des dringend notwendigen Wohnungsbaus, der aufgrund der diversen Unsicherheiten für Bauherrn nahezu zum Erliegen gekommen sei. Auch an der Grünen Energiewende ließen beide kein gutes Haar: Energiepolitik aus ideologischen Aspekten zu betreiben ist unprofessionell, sagte Schlegel und forderte mehr unternehmerischen Geist in den Geschäftstätigkeiten der öffentlichen Hand. Man könne nicht die Arbeitsplätze der Braunkohle in der Lausitz vernichten und dann von wenigen Kilometern entfernt polnische Kohle einkaufen. Oder den fehlenden Reha-Gips. Das sei unehrlich und schädlich für den Wirtschaftsstandort.
Es müssten Mittel für Investitionen im Staatshaushalt frei gemacht werden. Ohne Wirtschaft funktioniert nichts!, sind sich Böduel und Schlegel einig. Wie sich die Situation in Nordthüringen entwickeln werde sei auch vom Ausgang der Bundestagswahl und der Arbeit der neuen Landesregierung in Erfurt abhängig. Fakt sei jedoch, dass sich schnell etwas ändern müsse, wenn es nicht am Tunnelende immer dunkler werden soll.
Olaf Schulze
Autor: oschDie Geschäftslage wird überwiegend negativ bewertet, belegen die nackten Zahlen. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmer sehen eine gute Geschäftslage, aber 36 Prozent eine schlechte. Immerhin 48 Prozent halten die Situation für befriedigend. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) prognostizieren eine weitere Verschlechterung der Lage. Keiner (in Zahlen: 0 Prozent!) der Unternehmer erwartet eine konjunkturelle Erholung. Auch nicht vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl und eventuellen Umbesetzung der jetzigen Regierungskoalition.
Ein stagnierendes Abwarten ist vielmehr die Devise: 72 Prozent der Unternehmer im Kreis will den Bestand an Arbeitskräften halten, aber 28 Prozent wollen Streichungen von Arbeitsplätzen nicht ausschließen. Wiederum null Prozent der regionalen Unternehmerschaft kann sich eine Personalaufstockung vorstellen. Zwei von drei Unternehmen wollen auch vorläufig nichts in ihre Betriebe investieren.
Als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens sehen 75 Prozent die hohen Energie- und Rohstoffpreise, 71 Prozent benennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und 66 Prozent die hohen Arbeitskosten. Aber auch der mangelnde Inlandsabsatz und der steigende Fachkräftemangel bereiten den Betriebsleitern große Sorgen.
Wenn in dieser Situation der Ungewissheit und des Fachkräftemangels Unternehmer ihre Arbeistplätz sogar noch abbauen wollen, dann sagt das alles aus, zieht der stellvertretende Erfurter IHK-Chef und Nordhäuser Familienunternehmen Uli Schlegel ein düsteres Fazit. Hinzu käme, dass sich seit Beginn des Jahres auch noch die Kriterien für Kreditaufnahmen bei den Banken verschärft hätten und die Banken selbst mit verstärkten Eigenkapitalsvorschriften zu kämpfen hätten. Selbst wenn der Wille zur Investition bestünde, so schreckt die überbordende Bürokratie ab. Die Bilanz der Bundesregierung in wirtschaftlichem Bereich bezeichnet Schlegel sehr diplomatisch als ernüchternd. Die Wirtschaftsunternehmen seien so weit abgesackt, dass alles stagniere. Nachdem in den letzten Jahren von der Substanz der Vorjahre gezehrt wurde, beginne nun der Abstieg, weil auch die Steuereinnahmen von den angeschlagenen Betrieb niedriger ausfielen.
Hat das Geld in den Verwaltungen in den guten Jahren gerade so gereicht, fehlt es jetzt an allen Ecken und Enden. Der Sozialstaat entwickelt sich in der Bundesrepublik so, dass er nicht mehr zu finanzieren ist. Schon 55 Prozent des Staatsetats gingen für Sozialleistungen drauf, die von der schwächelnden deutschen Wirtschaft nicht mehr erwirtschaftet werden können. Es sei aber in den Rathäusern offensichtlich bisher nicht angekommen, was da in naher Zukunft auf uns zukommt, vermutete Schlegel. Es sinken nicht nur die Einnahmen aus Gewerbesteuern weiter, sondern durch die auf anderer Basis geleisteten Vorauszahlungen könne es passieren, dass die Kommunen davon etwas wieder zurückgeben müssten.
Mit dem Regionalleiter Nordthüringen der IHK, Christian Böduel, war sich Uli Schlegl einig, dass es völlig unverständlich sei, dass derzeit 3,5 Millionen Menschen in Deutschland keine Arbeit fänden. Von der neuen Bundesregierung erwarten sich die IHK-Granden eine Beseitigung des Investitionsstaus und eine Ankurbelung des dringend notwendigen Wohnungsbaus, der aufgrund der diversen Unsicherheiten für Bauherrn nahezu zum Erliegen gekommen sei. Auch an der Grünen Energiewende ließen beide kein gutes Haar: Energiepolitik aus ideologischen Aspekten zu betreiben ist unprofessionell, sagte Schlegel und forderte mehr unternehmerischen Geist in den Geschäftstätigkeiten der öffentlichen Hand. Man könne nicht die Arbeitsplätze der Braunkohle in der Lausitz vernichten und dann von wenigen Kilometern entfernt polnische Kohle einkaufen. Oder den fehlenden Reha-Gips. Das sei unehrlich und schädlich für den Wirtschaftsstandort.
Es müssten Mittel für Investitionen im Staatshaushalt frei gemacht werden. Ohne Wirtschaft funktioniert nichts!, sind sich Böduel und Schlegel einig. Wie sich die Situation in Nordthüringen entwickeln werde sei auch vom Ausgang der Bundestagswahl und der Arbeit der neuen Landesregierung in Erfurt abhängig. Fakt sei jedoch, dass sich schnell etwas ändern müsse, wenn es nicht am Tunnelende immer dunkler werden soll.
Olaf Schulze


